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Mittwoch, 29. Dezember 2021

Ringo - Höllenfahrt nach Santa Fe (Stagecoach)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Postkutsche nach Lordsburg...

Viermal wurde die irischstämmige Regielegende John Ford mit dem Oscar ausgezeichnet. Bereits 1936 erhielt er die Auszeichnung für "Der Verräter". Es folgten "Früchte des Zorns" (1940), "So grün war mein Tal" (1941) und "Der Sieger" (1953).
Seine Filmographie umfasst großartige Klassiker wie "Der schwarze Falke", "Der Mann, der Liberty Valance erschoß",  "Faustrecht der Prärie",...dann kam der Orkan" oder "Der junge Mr. Lincoln"
Einer seiner berühmtesten Fiilme drehte er 1939 mit "Ringo" (Original: Stagecoach), mit dem John Wayne zum ultimativen Hollywood-Star aufstieg. Mit diesem Klassiker sicherte sich John Ford nicht nur einen Platz im Olymp des Westernfilms, er gehört sicherlich zu den wichtigsten US-Regisseuren des letzten Jahrhunderts. In "Ringo" wird auch die imposante Kulisse des Monument Valley zum Star und zum Kinobild für die Ewigkeit. Das Tal mit seinen Felstürmen diente dann später auch in "Bis zum letzten Mann", "Der Teufelshauptmann" oder "Cheyenne" als bombastische beeindruckende Kulisse. Weltberühmt auch die Originalmusik von Gerard Carbonara, für den Film dirigiert von Boris Morros und adaptiert von Richard Hagteman, William Franke harling, John Leipold, Leo Shuken und Louis Gruenberg.
Der Film entstand nach einer Kurzgeschichte von Ernest Haycox "The Stage in Lordsburg" und folgt einer Gruppen von Reisenden auf einer Postkutsche mitten durch das gefährliche Apachen Territorium, wo Geronimo auf dem Kriegspfad ist. Die gefährliche Fahrt beginnt in Tonto, Arizona und soll nach Lordburg, New Mexico führen. Unter ihnen sind Dallas (Claire Trevor), eine Prostituierte, die aus der Stadt gejagt wurde und der Arzt und Alkoholiker Doc Boone (Thomas Mitchell), die schwangere Lucy Mallory (Louise Platt), die unterwegs zu ihrem Mann, einem Kavallerie-Offizier ist. Dazu gesellt sich der Whisky Verkäufer Samuel Peacock (Donald Meek) , der Glücksspieler und Südstaatengentleman Hatfield (John Carradine), Marshall Curly Wilcox (George Bancroft, der Bankier Henry Gatewood (Benton Churchill) und nicht zuletzt der Kutscher Buck (Andy Devine). Die Armee unter der Führung des jüngen Lieutenant (Tim Holt) wird die Kutsche nur kurzfristig begleiten können, aber an einem der Halteplätze können die Reisenden wieder mit Armeeunterstützung rechnen. Marshall Wilcox ist auf der Suche nach dem mordverdächtigen flüchtigen Draufgänger Ringo Kid (John Wayne), der in Lordsburg eine Rechnung mit Luke Plummer (Tom Tyler) und dessen Brüdern offen hat. Tatsächlich schliesst sich Ringo bald der Reisegesellschaft an.
Bald kommen sich Ringo und Dallas näher...

 Inmitten von einem Indianerkrieg entsteht eine leise, schöne Romanze zwischen zwei Aussenseitern, die beide von einer besseren Zukunft träumen. Auch sonst ist "Ringo" auch in sämtlichen Nebenrollen grandios besetzt, vor allem Thomas Mitchell brilliert als Säufer mit Herz. Jeder der Reisenden ist wichtig, so stimmt von Anfang an auch das Mitfiebern der Reisegesellschaft. Weltberühmt ist der Überfall der Apachen auf die fahrende Kutsche inmitten der gnadenlosen Wüstenlandschaft. "Ringo" ist zu Recht einer der besten Western aller Zeiten. Dabei leistet sich Ford das Vergnügen Huren, Säufer und Spieler als die Helden zu feiern und sowohl der Geschäftsmann als die Bürgerfrauen von Tonto kommen sehr schlecht weg. Ein Film, bei dem die Aussenseiter über sich selbst hinauswachsen können. Der darin zelebrierte Wstern Mythos wird von John Ford poetisch dargestellt und gungiert sogar als Lebensreise, denn sie beinhaltet Geburt und Tod.


Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Sonntag, 28. November 2021

Nordwest Passage (Northwest Passage)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: King Vidor

Major Rogers Vergeltungsaktion...

King Vidors Western "Nordwest Passage" aus dem Jahr 1939 verschlang zwar extrem hohe 2,68 Millionen Dollar Budgetkosten, spielte aber an der Kasse das für damalige Zeiten sehr gute Ergebnis von 3,15 Millionen Dollar ein. Somit ein Publikumserfolg, aber kein sonderlich rentables Geschäft. Vielleicht war dies auch der Grund dafür, dass der gepante zweite Teil nie realisiert wurde, denn "Nordwest Passage" ist der Prolog des Romans von Kenneth Roberts, der die Suche nach dieser Norwest Passage, dem nördlichen Wasserweg zum Pazifik, zum Thema hat. King Vidor meinte sogar, dass ohne die Verfilmung dieses wichtigeren 2. Teils der gesamte Roman verfälscht wiedergegeben wird. Vor allem in der Figur des Helden Major Rogers, der im ersten Teil als gewaltiger Held inszeniert wird - der Roman zeigt aber, dass der Held im Laufe der Geschichte immer mehr zerbricht.
Aus heutiger Sicht erinnert die Vergeltungsaktion von Major Rogers an den Indianern - ein ganzes Dorf der Abenaktis wird von ihm dem Erdboden gleichgemacht und ohne Gnade wird jeder Feind getötet - an den sehr kritischen "Wiegenlied vom Todschlag" von Ralph Nelson aus dem Jahr 1970, indem ein ganzes Dorf der Cheyenne vom US-Militär massakriert wird. Der Unterschied der beiden Filme besteht in der Sichtweise - in Zeiten des Vietnam Kriegs wurde die eigene Geschichte auch kritisch hinterfragt und angeprangert. Im Jahr 1939 war dies nicht so. Die Indianer des Films werden als brutale wilde Tiere dargestellt, nur ganz sachte sind auch andere Töne zu vernehmen. Etwa dann als eine junge weiße Frau (Isabel Jewel) , die von den Indianern verschleppt wurde und seither bei Ihnen lebte, vor den weißen Angreifern ausspuckt und lieber bei den Indianern geblieben wäre. Ansonsten zeigt "Nordwest Passage" eindrücklich, wie sehr sich die Ansichten in den letzten 75 bis 80 Jahren auch geändert haben. Ein Film mit solch einem Massaker ohne kritische Untertöne wäre heute nicht mehr möglich.
Dennoch und trotz dieser Vorbehalte ist "Nordwest Passage" ein sehr spannender Film.
Es geht um den Pionier Robert Rogers (Spencer Tracy), der im Jahr 1755 seine berühmte Rangertruppe formierte und gegen die Franzosen und die feindlichen Indianerstämme kämpfte. Doch die Geschichte beginnt in Portsmouth mit der Ankunft des Studenten Langdown Towne (Robert Young). Der wurde von der Uni geschmissen und nun steht auch seine Vermählung mit der Pfarrerstochter Elizabeth (Ruth Hussey) auf wackligen Beinen. Als er auch noch in der Dorfkneipe die Briten kritisiert, muss er mit seinem Freund Hunk Marriner (Walter Brennan) die Flucht vor dem Gesetz ergreifen. Als versierter Kartograph schließt er sich in Crown Point dann der Gruppe von Rogers an. Dieser führt eine Armee an, die eine Strafexpedition gegen die feindlichen Indianerstämme unternehmen. Doch die Wildnis fordert viele Opfer und viele Männer sterben...

Mit dem üppigen Budget konnte King Vidor aus dem Vollen schöpfen und dies merkt man dem bilderstarken Film auch an. Die Kameraarbeit von Sidney Wagner und William F. Skall rechtfertigte eine Oscar-Nominierung. Der Film hat den Franzosen- und Indianerkrieg von 1754 bis 1964 zum Thema und ist konzipiert als Heldengeschichte. King Vidor Filmkarriere dauerte annähernd 70 Jahre. Er schuf Meisterwerke des Stummfilms wie "Ein Mensch der Masse" und "Die große Parade". In den 40er Jahren begeisterte er mit dem "Duell in der Sonne" und mit  dem Western "Mit stahlharter Faust" gelang ihm ein weitere Klassiker.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Jesse James - Mann ohne Gesetz (Jesse James)


Regie: Henry King

Vom Farmerjungen zum Outlaw....

Es gibt eine ganze Reihe von Filmen, die sich mit dem Western-Mythos Jesse James beschäftigen. In jüngerer Zeit überzeugte Andrew Dominiks anspruchsvoller Arthouse-Western "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" - vor allem durch die brilliante Darstellung von Casey Affleck als Jesse James Mörder. Es war aber nicht der erste Jesse James Beitrag, der sich vornehmlich um dessen Vollstrecker kümmerte. Samuel Fullers B-Picture "Ich erschoß Jesse James" stammt aus den 40er Jahren. In den progressiven 70er Jahren versuchte Philip Kaufman den beachtlichen "Der große Minesota Überfall" zu skizzieren und auch Walter Hill leistete mit den "Long Riders" eine sehr interessante Variante. Nicholas Ray präsentierte Robert Wagner und Jeffrey Hunter als die James Brüder als "Rächer der Enterbten" in den 50ern im schönen Technicolor. Doch die erfolgreichste Leinwand-Vorstellung gelang bereits 1939 mit "Jesse James, Mann ohne Gesetz" - dieser Film von Henry King war in seinem Erscheinungsjahr nach "Vom Winde verweht", "Wizard of Oz" und "Der Glöckner von Notre Dame" der vierterfolgreichste Kinofilm des Jahres. Dieser Megaerfolg zog die gleichwertige Fortsetzung "Rache für Jesse James" von Fritz Lang  nach sich und Tyrone Power stieg mit seiner Rolle als Jesse James in die Spitzenliga der Hollywood Kinostars auf.
Ein Schatten auf den Film warf allerdings die eine bekannte Szen, in der die James Brüder samt ihrer Pferde bei ihrer Flucht von einer Klippe in die Tiefe und damit ins rettende Wasser springen. Die Tierschutzverbände waren sofort alarmiert, da es sehr wahrscheinlich war, dass sich die Pferde mit diesem waghalsigen Stunt schwer verletzt haben könnten bzw. zu Tode kamen. Dies führte zu einer sinnvollen Überwachung der Filmleute durch den Verband. Doch laut Leonard Mosleys Biografie "Zanuck: Aufstieg und Fall von Hollywoods letztem Tycoon" wurde keines der Pferde verletzt. Durch eine errichtete Platfform sorgte man für eine weiche Landung dieser wunderbaren Tiere. In Alejandro Innaritu Gonzales Trapperwestern "The Revenant" gibts eine ähnliche Szene - allerdings als CGI Trick. Zum Glück und ein Hoch auf die Technik.
Henry King verliert keine Sekunde mit unnötigen Ballast und Nebenhandlungen. Gleich am Anfang gehts zur Sache und der Zuschauer erfährt warum die mächtige Eisenbahn und deren Vertreter Schuld am Outlaw Leben der Brüder Jesse (Tyrone Power) und Frank James (Henry Fonda) wird. Die Gesellschaft zwingt die Bauern das Land, auf dem sie wohnen, zum Schleuderpreis an die Bahn zu verkaufen. Wer nicht mitmacht, dem widerfährt körperliche Gewalt. Als der Eisenbahnvertreter Barshee (Brian Donlevy) bei Mrs. Samuels (Jane Darwell), der Mutter der James Brüder, kein Glück hat und von den Jungs auch noch vom Hof verjagt wird, reagieren die Bahnleute mit noch härteren Bandagen. Bei dem Versuch die beiden Brüder festzunehmen, zünden sie den Hof an und die Mutter kommt uns Leben. Jesse James tötet den verantwortlichen Barshee und wird fortan gesucht. Er wird aber auch zum Held und Idol der armen Landbevölkerung und der Zeitungsherausgeber Major Rufus Cobbs (Henry Hull) sorgt für eine gute Presse. Dessen Nichte Zerelda James (Nancy Kelly) ist das Mädchen des jungen Jesse, aber sie müssen sich trennen - in den nächsten Jahren wird Jesse, sein Bruder und die Gang, die sie führen, immer auf der Flucht vor dem Gesetz sein. Auch US-Marshall Wright (Randolph Scott) ist hinter den Banditen her, obwohl er die Beweggründe der James Gang durchaus verstehen kann. Eisenbahn Chef McCoy (Donald Meek) setzt die Belohnungen auch immer höher. Am Ende bekommt das Bandenmitglied, dass Jesse James zur Strecke bringt eine Amnestie. Und für diese Begnadigung interessiert sich auch Jesses guter Freund Bob Ford (John Carradine)....

Henry King gilt heute als einer der typischen Repräsentanten der "Americana" - ein Stilrichtung des US-Films, der vergangene Zeiten in ruhigen und oft nostalgischen aufarbeitet. Diese Erinnerung werden verklärt und ein ganz starker Focus wird auf die menschlichen Werte gelegt. Neben "Jesse James" sind "Der Seeräuber" (ebenfalls mit Tyrone Power), "Das Lied von Bernadette", "Scharfschütze Jimmy Ringo", "Schnee am Kilimandscharo" und "Alle Herrlichkeit auf Erden" seine bekanntesten Filme. Seine vielleicht besten Filme enstanden in der Zusammenarbeit mit Gregory Peck, wie auch "Der Kommandeur" und "Bravados" eindrucksvoll beweisen. 

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Freitag, 26. November 2021

Trommeln am Mohawk (Drums along the Mohawk)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie. John Ford

1776 in Amerika....

 "Trommeln am Mohawk" entstand 1939 und ist John Fords erster Farbfilm. Im selben Jahr feierte der Regisseur Kinoerfolge mit seinen Klassikern "Ringo" und "Der junge Mr. Lincoln", ein Film über die Jugend und Anwaltsjahre des späteren amerikanischen Präsidenten. Gleich nach "Trommel am Mohawk" realisierte Ford "Die Früchte des Zorns" nach dem berühmten Roman von John Steinbeck. Zusammen ergeben diese frühen Werke Fords ein nüchternes und auch stellenweise sehr dunkles Bild amerikanischer Geschichte. Durch die schönen Farben wirkt der Film, der zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs im Jahr 1776 spielt, teilweise sehr hell und pittoresk. Doch im Hintergrund dieses Paradieses am Mohawk lauert auch der bitterkalte Winter. Ernten werden verloren, Fehlgeburten sind an der Tagesordnung und immer wieder muss der Neubürger dieser Gegend mit Indianerangriffen rechnen. In dieser kolonialen Zeit heiratet Lana Borst (Claudette Colbert), eine Tochter aus wohlhabendem Haus aus Albany, New York Giblert Martin (Henry Fonda), der mit ihr das luxuriöse Zuhause verlässt. Gil hat eine kleine Farm in Deefield im Mohawk Tal und dort wollen die beiden in Zukunft leben. Es ist Juli 1776 und der Geist der Revolution liegt in der Luft - die überwiegend deutschstämmigen Siedler des Tals haben in der Erwartung eines bevorstehenden Krieges eine Miliz gebildet. Lana ist das raue Leben nicht gewöhnt und sie hat gegenüber den Indianern auch Vorurteile aufgrund ihrer Angst. Gil ist sogar mit dem christlichen Indianer Blue back (John Big Tree) befreundet. Gil schließt sich der Miliz an, denn angeführt von dem Tory Caldwell (John Carradine) sind die Indianer auf dem Kriegspfad und fackeln die Hütten der Siedler einfach ab. Schnell verlassen die Siedler das Tal und flüchten in das nahegelegene Fort Schuyler. Gils Bauernhof wird von den Angreifern zerstört. Nun ist das junge Paar ohne Heim, doch sie finden Arbeit und neuen Mut auf der Farm der wohlhabenden Witwe McKlennar (Edna May Oliver). Doch der Krieg ist noch lange nicht vorbei..


Der Film beruht auf historischen Ereignissen und ein zentrales Thema ist der Schlacht von Oriskany gewidmet. Er basiert auf dem Roman von Walter D. Edmonds und trägt die Handschrift des Regisseurs John Ford: Einerseits romantisch, an Legendenbildung interessiert und eine echte Abenteuergeschichte einfacher Menschen, die zu dieser Zeit leben. Mit leisem Humor, mit viel Gefühl und der ganzen Fülle von Blut und Donner und natürlich voll von gefährlichen Indianerangriffen, die Ford meisterhaft in Szene gesetzt hat. Wenn die Krieger zum Beispiel aus dem Wald auftauchen oder wenn zwei Indianer hartnäckig Henry Fonda verfolgen, der Hilfe holen will. Natürlich setzt Ford wie gewohnt auf eine gute Atmosphäre und dies macht auch "Trommeln am Mohawk" zu einem feinen geschichtlichen Bilderbogen. Die Kamerarbeit von Bert Glennan und Ray Rennahan wurde gerechterweise für einen Oscar nominiert. Schauspielerisch überzeugen neben Henry Fonda und Claudette Colbert vor allem auch Edna May Oliver, die für ihre Nebenrolle als Mrs. McKlennar ebenfalls mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde. Sie musste sich allerdings Hattie McDaniel in "Vom Winde verweht" geschlagen geben.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Union Pacific (Union Pacific)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Cecil B. DeMille

Der Bau der Eisenbahn...

Das Filmjahr 1939 war auch ein Jahr des Western-Comebacks. Gleich drei Klassiker liefen in den Kinos. Henry Kings "Jesse James - Mann ohne Gesetz", John Fords "Ringo" - der den Western zur Kunst geadelt hatte und "Union Pacific", das große Happening über die Geburt der amerikanischen Eisenbahn - inszeniert von Cecil B. DeMille, der zwei Jahre zuvor bereits das Genre mit "Held der Prärie" belebt hatte und der es mit der historischen Wahrheit nie so genau nahm. De Mille war über vier Jahrzehnte mit seinem Stil einer der kommerziell erfolgreichsten Hollywood-Regisseure. Zu seinen Glanzpunkten zählten vor allem aufwendige und spektakuläre Filme wie "Samson und Deliah", "Die größte Schau der Welt" und ganz besonders der Bibelschinken "Die zehn Gebote" aus dem Jahr 1956. Ein Film, der in der inflationsbereinigten Top 100 der erfolgreisten US-Kinoblockbuster immer noch einen Top 10 Platz einnimmt.
Auch "Union Pacific" präsentiert sich als Historienfilm mit immens hoher nationaler Bedeutung. Gezeigt wird der erschwerliche Bau der amerikanischen Eisenbahn von Osten nach Westen oder genauer gesagt von Omaha im Bundesstaat Nebraska bis zum Pazifik. Die Union Pacific Railroad erhielt durch Abraham Lincoln am 1. Juli 1862 die Konzession zum Bau einer Bahnstrecke bis Kalifornien. Rund 20.000 Arbeiter verlegten rund 8-9 km Schienen pro Tag, es waren harte Arbeitsbedinungen und viele starben durch die Kämpfe mit den Indianern. Am 10. Mai 1869 war es soweit: Der Streckenbau der United Pacific traf isch mit der aus Kalifornien vorangetriebenden Strecke der Central Pacific am Großen Salzsee von Utah.
In DeMilles Film wird auch der Wettstreit der beiden Eisenbahngesellschaften thematisiert - denn jeder will zuerst in der Stadt Ogden in Utah ankommen. Vor allem der hinterhältige Bankdirektor Asa Barrows (Henry Kolker) hat ein Interesse daran, dass die Central Pacific zuerst am Zielort ankommt. Er hat diverse Aktiengeschäfte laufen, die seinen Reichtum vermehren würden. Sein Mann ist der Abenteurer Sid Campeau (Brian Donlevy), der die Arbeiten der Union Pacific in die Länge ziehen soll - zu dieser versteckten Sabotage braucht es nur gewisse Etablissements in der Nähe der Baustellen, damit man die Arbeiter mit Mädchen, Alkohol und Glücksspiel versorgen kann. Er hat einige dubiose Kompagnons mit dabei: Der Glücksspieler Jack Cordray (Anthony Quinn) oder Dick Allen (Robert Preston). Dieser ist ein ehemaliger Weggefährte und guter Freund von Jeff Butler (Joel McCrae). Und Jeff Butler ist von der Union Pacific engagiert worden vor Ort Probleme und Konflikte zu lösen und den Bau ruhig und effektiv voranzutreiben. Damit steht schon schnell fest, dass Campeau und Butler entgegengesetzte Ziele verfolgen und somit sind die Konflikte vorprogrammiert. Dick gehört zwar zu Campeaus Halunken, er sitzt aber zwischen 2 Stühlen. So präsentiert DeMille dem Zuschauer einen echten good Guy, einen perfekten Bad Guy und einen guten Bad Guy oder schlechten Good Guy. Der Lokomotivführer Monahan (J. M Kerrigan) hat eine hübsche Tochter: Mollie (Barbara Stanwyk) ist Posthalterin und eine gute Freundin von Dick. Sie verliebt sich aber gleich bei Jeffs Auftauchen in den Draufgänger. Sie lässt sich aber ihre Gefühle nicht anmerken und flirtet mit beiden Männern. Irgendwann kommt es auch in der Männerfreundschaft zum Bruch - denn Dick raubt die Lohngelder und Mollie deckt ihn, aber nur, weil sie um Jeffs Leben fürchtet. Sie gibt Dick sogar das Versprechen der Heirat. So ist die Frau, um die sich die Männer streiten ebenfalls in einer ambivalenten Rolle...


DeMille inszenierte den Western wie seine Bibelschinken. Schrill. laut mit einer riesigen Menge an patriotischem Lobgesang. Die Lokomotive steht ständig unter Volldampf, trotz Indianerkämpfe, trotz Schneekatastrophen und trotz brennden Brücken. Der Film hat keine ruhigen Momente, die Szenen eilen von Höhepunkt zu Höhepunkt. Dabei ist die Figurenkonstellation denkbar einfach, aber effektiv. Möglicherweise summierten sich die patriotischen Stimmungen auch aufgrund der drohenden Kriegsgefahr. Ohne auf historische Genauigkeiten zu achten, entwarf der Regisseur ein Szenario voller Blut und Tränen und Männer, die zwar seit Wochen auf den Lohn warten, aber dennoch ihre eigenen Bedüfnisse hintenan stellen, wenn das große Ganze "die Bahnstrecke einer großen Nation" gewichtiger ist. Reichlich naiv, aber de Mille liebte solchen fulminanten Schmalz.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.