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Montag, 27. Dezember 2021

Die gefürchteten Vier (The Professionals)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Richard Brooks

Zynismus und Moral...

"Die gefürchteten Vier" von 'Richard Brooks entstand 1966 und markiert einen Wendepunkt im Genre. Der Film steht zwar noch für den klassischen Western, aber er deutet auch gleichzeitig schon auf sein Ende. Denn zu dieser Zeit war der Spaghetti-Western auf dem Höhepunkt und die Geschichte, die in Mexiko spielt, beleuchtet auch das Thema des zu Ende gehenden alten Westens. Insgesamt drehte der Regisseur drei wichtige Western: Neben "Die gefürchteten Vier" den 10 Jahre früher entstandenen "Die letzte Jagd" und 1975 den unterschätzten "700 Meilen westwärts".
Die Geschichte spielt in Mexiko des Jahres 1917. Der Millionär und Großgrundbesitzer  J. W. Grant (Ralph Bellamy) heuert vier Haudegen an, die seine junge und attraktive Frau Maria (Claudia Cardinale) suchen, finden und heimbringen sollen. Die Frau soll Gefangene des Revolutionärs Capitan Jesus Raza (Jack Palance) sein. Die vier Männer sind die arbeitslosen Glücksritter Rico Fardan (Lee Marvin), ein Söldner, der an der Seite von Pancho Villa für die Revolution gekämpft hat sowie der Pferdeexperte Hans Ehrengard (Robert Ryan), der Fährtenleser und Bogenschütze Jake Sharp (Woody Stroode) und der leichtfertige und skrupellose Bombenexperte Bill Dollworth (Burt Lanchaster). Jeder soll von Grant 10.000 Dollar bekommen, wenn die Befreiung von Maria gelingt. Doch das Unternehmen ist gefährlich und Mexiko ist sowieso ein heißes Pflaster. Besonders Dollworth hat ein ungutes Gefühl und wartet auf einen doppelten Boden. Der wird erst sichtbar, nachdem die Männer ihren Weg hundert Meilen durchs Gebirge gegangen sind und endlich zum Schlupfwinkel von Raza vordringen. Hier müssen sie feststellen, dass Raza bereits über ihr Kommen informiert wurde und dass die entführte schöne Frau sich freiwillig bei den Banditen aufhält. Man überlegt die Mission abzubrechen, doch dann ziehen die Vier es doch durch. Nun werden sie aber gnadenlos von Raza und seinen Leuten verfolgt. Darunter auch die attraktive Soldatin Chiquita (Marie Gomez) - eine begehrenswerte Frau, die noch nie "nein" gesagt hat...


Was lange als gerechte Mission läuft, wird im Laufe der Handlung immer mehr zu einer Geschichte um Loyalität und Moral. So zynisch Brooks Helden sind, am Ende entscheiden sie sich für ihren Ehrenkodex. Es gab 1967 drei Oscar-Nominierungen - was für einen Western erstaunlich ist. Der Film erwies sich auch als großer Kassenerfolg - kein Wunder bei dieser Besetzung mit Zugpferden wie Lee Marvin, Burt Lancaster, Robert Ryan, Claudia Cardinale und Jack Palance.  Der faszinierende Western wird durch die Bilder von Kameramann Conrad Lee Hall veredelt, der dreimal (Butch Cassidy und Sundance Kid, American Beauty und Road to Perdition) den Oscar gewinnen konnte. Für "Die gefürchteten Vier" bekam er eine seiner weiteren sieben Nominierungen.

 Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Samstag, 27. November 2021

Die letzte Jagd (The Last Hunt)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Richard Brooks

Satan im Sattel...

Schade, dass es noch immer keine deutschsprachige DVD des Westernklassikers "Die letzte Jagd" (Alternativtitel: Satan im Sattel) von Richard Brooks gibt. Denn er gehört zweifelsohne zu den besten und wichtigsten Arbeiten des Genres in den 50er Jahren. Richard Brooks schrieb vor seiner Karriere als Regisseur viele Drehbücher, darunter für die von der Kritik und Publikum gelobten Filme wie "Gangster in Key Largo", "Rächer der Unterwelt", "Im Kreuzfeuer" oder "Zelle R 17". 1950 wagte er sich auch auf den Regiestuhl - er produzierte seine Filme und bestand auch darauf, das Drehbuch zu verfassen oder mitzuwirken. Daher darf man Richard Brooks als einen der klassischen Vertreter des Autorenfilms bezeichnen. Er realisierte Filme wie "Die Saat der Gewalt", "Mädchen ohne Mitgift", "Die Brüder Karamasow", "Die Katze auf dem heißen Blechdach", "Elmer Gantry", "Kaltblütig" oder "Auf der Suche nach Mr. Goodbar".
Neben "Die letzte Jagd" drehte er noch zwei weitere einflussreiche Western. "Die gefürchteten Vier" kam sogar zu einer für einen Western seltenen Oscar-Nominierung als bester Film. An der Kinokasse erfolgreich war auch sein 1975 gedrehter Western "700 Meilen westwärts". "Die letzte Jagd" endete mit einem Verlustgeschäft, obwohl der Film sowohl in den USA als auch in Europa ein Kinoerfolg wurde und über 3 Millionen Dollar weltweit einspielte. MGM hatte da ein viel besseres Geschäft erwartet. Kein Wunder, denn Richard Brooks erklärte den Mißerfolg wie folgt "Die meisten Länder weigern sich, Tiermassaker zu zeigen. Sie schneiden systematisch die zu gewalttätig erscheinenden Szenen. Mein Film baute auf diese Gewalttätigkeit auf, denn nur so konnte ich sie anprangern. Brooks wollte mit seinem ambitionierten Westen dem Publikum klarmachen, wie sinnlos es war, für ein paar Dollar Tiere abzuschlachten, die die einzige Nahrung für die Indianer waren. Ausserdem wurde die Mentalität der Amerikaner in Frage gestellt, denn gerne mal ihre Waffe nehmen und einfach im Wald ein Tier jagen, egal ob Hirsch oder Ente. Man kann sich dann vorstellen wie widerwillig der Zuschauer im Publikum dieses Szenario sieht, weil er sich in diesen Büffeljägern wiedererkennt.
Geschichtlich ist es erwiesen, dass aber in Amerika fünfzehn Millionen Büffel einfach abgeschossen wurden - Hauptgrund war das Hauptnahrungsmittel der Indianer auszurotten.
So sehr die Bilder von Kameramann Russell Harlan die Schönheit des Wilden Westens zeigen, so sehr entgegengesetzt und destruktiv ist diese letzte Jagd, die in Brooks Film beschrieben wird.
Sandy McKenzie (Stewart Granger) ist müde, er ist berühmt und berüchtigt als Büffeljäger, doch immer mehr plagt ihn sein Gewissen und er ist des Tötens überdrüssig geworden. Er hat auch schon längst mit dem Beruf abgeschlossen, aber so einfach ist das nicht. Denn es fehlen ihm die finanziellen Mittel sein Leben als Farmer weiterzuführen. Deshalb kann ihn auch der ehemalige Soldat Charlie Gilson (Robert Taylor) überreden, noch einmal eine großangelegte Büffeljagd mitzumachen. Als Tierhäuter werben die beiden Männer den alten Woodfoot (Lloyd Nolan) und das junge Halbblut Jimmy (Russ Tamblyn) an. Sehr schnell merken die anderen drei, dass Gilson die Türe aus reinem Jagdfieber, aus reiner Lust tötet. Er sagt auch einmal "Wenn man tötet, beweist man dass man lebt und dass man stark ist". Als einige Indianer die Pferde stehen wollen, jagt Gilson ihnen nach und tötet sie gnadenlose. Ein Indianermädchen (Debra Paget) und ein Baby überleben das Massaker. Gilson nimmt die beiden mit und sieht die junge Frau als sein Eigentum, über die er bestimmen kann. Dies führt zu weiteren Spannungen mit Sandy, der sich ebenfalls für die Indianerin interessiert. Da Gilson Indianer nicht leiden kann, ist auch die Beziehung zum jungen Jimmy gestört, ebenso nerven Gilson die sarkastischen Sprüche von Woodfoot. Eines Tages entdecken die Männer einen seltenen weißen Büffel. Gison tötet ihn, damit wird die Stimmung immer brenzliger...

 
Robert Taylor hat hier eine sehr starke Rolle als Psychopath, der langsam immer paranoider und wahnsinniger wird. Eine Warnung von Woodfoot nimmt er nicht ernst, als dieser ihm prophezeit, dass die Lust zum Töten zur Sucht wird und auch zum Untergang und Tod führt "Der Büffel bekommt dich eines Tages. Er bekommt alle, die so sind wie du, erst wirst du wahnsinnig und dann bekommt er dich".
Insgesamt ist der Film aber auch großartig besetzt. Alle Akteure spielen sehr glaubwürdig und die Figuren sind vor allem nie eindimensional. Großes Lob daher auch an Stewart Granger, Lloyd Nolan, Debra Paget und Russ Tamblyn.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.