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Samstag, 8. Januar 2022

Der schwarze Falke (The Searchers)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Auf der Suche...

"Der schwarze Falke" von John Ford ist neben Howard Hawks "Red River" und Fred Zinnemanns "12 Uhr mittags" sicherlich der beste klassische Hollywood Western. Unvergessen schon die erste Einstellung, die Kamera wandert vom Haus hinaus und gibt den Blick auf eine Wüstenlandschaft irgendwo in Texas frei. Jemand reitet auf das Farmhaus zu. Es ist Ethan Edwards (John Wayne), der Kriegsveteran des Bürgerkriegs. Der Krieg ist schon Jahre zu Ende, nun kehrt der verlorene Bruder heim. Auf der kleinen Farm lebt sein Bruder Aaron (Walter Coy) mit Frau Martha (Dorothy Jordan), den Kindern Lucy (Pippa Scott), Ben (Robert Lyden) und Nesthäkchen Debbie (Lana Wood). Ausserdem gehört Pflegesohn Martin Pawley (Jeffrey Hunter) zur Familie, der als Baby von Ethan gefunden wurde, nachdem die Indianer die Eltern getötet hatten und der geistig etwas zurückgebliebene Mose Harper (Hank Worden) . Das weite, wilde Land ist noch lange nicht erschlossen. Die nächsten Nachbarn sind der aus Schweden Stammende Lars Jorgensen (John Qualen) mit seiner Frau ( Olive Carey) mit den bereits erwachsenen Kindern Brad (Harry Carey Jr.) und Laurie (Vera Miles). Zwischen den beiden einsam gelegenen Farmen weit und breit nur Wildnis, erschwerend kommt hinzu, dass es Indianerland ist. Aus Blicken und Gesten erkennt der Zuschauer die tiefe, heimliche Zuneigung zwischen dem Heimkehrer Onkel Ethan und Martha. Am nächsten Tag formiert sich unter der Leitung von Reverend Samuel Johnson Clayton (Ward Bond) eine Bürgerwehr, bestehend aus den Jorgensens, den Edwards und weiteren Farmern der Gegend. Die Männer wollen Banditen, vielleicht auch Indianer verfolgen, die Vieh gestohlen haben. Ethan reitet anstelle seines Bruders Aaron mit, der bei der Familie bleiben und diese schützen soll, falls die Indianer tatsächlich auf dem Kriegspfad wären. Als die Männer irgendwann das tote Vieh entdecken ist klar, dass eine der Farmen im Umkreis überallen werden soll. Die Komantschen haben die Männer fortgelockt und tatsächlich wird die Ranch der Edwards vom Häuptling Scar (in der deutschen Fassung "Schwarzer Falke" gespielt von Henry Brandon) dem Erdboden gleich gemacht. Die beiden Mädchen Lucy und Debbie entführt, alle anderen werden tot aufgefunden. Als Ethan die brennende Ranch erreicht ruft er nach Martha, die er tot findet, vorher wurde sie brutal vergewaltigt. Danach zieht der hasserfüllte Ethan, besessen wie ein Kapitän Ahab aus "Moby Dick" auf der Suche nach den Mädchen kreuz und quer durch den Wilden Westen. Begleitet wird er von dem jungen Martin, der immer mehr erkennt, dass die Suche nur gemeinsam einen Sinn macht, da er merkt, dass Ethan von seinen fanatsichen Rachegedanken geleitet wird und damit das Leben der Verschleppten gefährdet. Zudem erweist sich Ethan als Indianerhasser..



John Ford drehte sein Meisterwerk im bekannten Monument Valley zwischen Utah und Arizona. Die markanten roten Sandsteinfelsen sind grandios einfangen, sie bieten sowohl einen majestätischen als auch einen ehrfruchsgebietenden Anblick. Diese unglaubliche Weite lässt die darin agierenden Menschen sehr verletzlich erscheinen. Es ist der ständige und tagtägliche Kampf ums Überleben spürbar.
Die Haupthandlung erzählt von einer obsessiven Suche. John Wayne spielt als Onkel Ethan die Rolle seines Lebens. Der unbeugsame Antiheld ist verzehrt von Haß und sein unversöhnlicher Rassismus treibt ihn an immer weiterzusuchen. 5 lange Jahre. Gemeinsam mit Martin, dem "Achtel Cherokee, der Rest ist walisisch und englisch" wie der junge Mann zu sagen pflegt. Die gemeinsame Odyssee verbindet die beiden unterschiedlichen Männer. Zuhause wartet Laurie auf Martin. In der Zeit schreibt er seiner Geliebten nur einen einzigen Brief und erzählt darin auch noch wie er bei den Indianern einen Teppich erstehen wollte und schließlich eine junge Squaw (Beluah Archuletta) für einen Hut ihrem Vater abgekauft hat. Mit diesen Szenen lockert John Ford den düsteren Hauptpart immer wieder auf. Der Zuschauer sieht die Freude bei den Jorgensens als innert von einem Jahr sogar ein zweiter Brief durch den Postboten Charlie McCorry (Ken Curtiz) zugestellt wird. Und wie Laurie an ihrem Martin immer wieder verzagt "er unterschreibt so förmlich mit Martin Pawley, warum kann er nicht einfach Martin schreiben". Dies führt auch zum Auftauchen der beiden Heimkehrer, kurz bevor Laurie aus lauter Verzweiflung vorhat Charlie McCorry zu heiraten. Als sich die beiden Kontrahenten prügeln, sieht man im Hintergrund eine begeisterte Laurie, die sehr geschmeichelt zu sein scheint, weil sich zwei Männer wegen ihr raufen.  "Der schwarze Falke" ist ein Film mit unvergessenen Filmszenen, etwa die als der Suchtrupp durch ein breites Tal reitet. Auf den Höhezügen rechts und links erscheinen in Kolonne die Najeki-Komantschen, die nun ihren Verfolgern als tödliche Eskorte folgen und nur der schnelle Ritt zum Fluß kann die fatale Umzingelung auflösen. Am Ende des brillianten Westernepos scheint der Zuschauer zu wissen, dass Ethan die kleine Debbie als unrettbar verdorben durch den Kontakt mit den Indianern hält. In einer Schlüsselszene des Films sitzen Ethan und der Häuptling Auge um Auge im Wigwam. Es wird nicht nur deutlich, dass auch "Scar" geliebte Menschen durch den Kampf zwischen Rot und Weiß verloren hat, sondern er sogar eine Art Spiegelbild von Ethan darstellt. Auch wenn Ethan Edwards, dieser besiegte Soldat in Friedenszeiten, immer wieder Kriegsschauplätze aufmacht und als Rassist auftritt - Ford gelingt es dennoch die Sympathie für den gebrochenen Charakter beim Publikum aufrechtzuerhalten. Vermutlich deshalb weil die Verzweiflung bei ihm viel tiefer sitzt als bei allen andern Figuren. Am Ende des Films kristallisiert sich der Narr Mose Harper sogar als der erfolgreichste Sucher heraus, er gibt Ethan den entscheidenden Hinweis. Mit diesem Ende wird auch ein brutaler Überfall auf das Indianerdorf gezeigt. Eine Szene zeigt einen Indianervater, der ganz schnell sein kleines Kind in Sicherheit bringen will, als die reitende Kavallerie ohne Rücksicht auf Verluste das Dorf niedermetzelt.
Sowohl Ford als auch Wayne waren der Ansicht, dass "The Searchers" der beste Film sei, den sie zusammen gedreht hatten. Deutsche Filmregisseure wählten den Ausnahmewestern 1995 zum besten Film aller Zeiten. Bei den Filmkritikern von "Sight and Sound" rangiert der Film auf Platz 7 der besten Filme aller Zeiten. Auch das American Film Institute wählte ihn auf Platz 12 der einflussreichsten und besten US-Filme. In der Best of Liste von "Cahiers du Cinema" belegt Fords Western mit den vielen Bedeutungen, Inhalten und Sinnebenen ebenfalls einen Top 10 Rang. Bei seinem Erscheinen war er ein guter Publikumserfolg, konnte aber keine einzige Oscar-Nominierung erhalten Kurioserweise gabs dann aber einen Golden Globe - die bekam John Waynes Sohn Patrick, der an der Seite seines Vaters den Grünschnabel Lt. Greehill spielen durfte. Die komisch angelegte Rolle brachte ihm den Preis als Bester Nachwuchsdarsteller ein. RocknRoller Buddy Holly nahm Ethans Spruch "That´ll be day" für seinen Song auf und landete damit einen Riesenhit in den Charts des Jahres 1957

Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Dienstag, 30. November 2021

Der schwarze Sergeant (Sergeant Rutledge)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie. John Ford

Mit einem Fuß in der Hölle...

1956 war Meisterregisseur auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mit "Der schwarze Falke" schuf er in diesem Jahr sein größtes Meisterwerk. Dennoch blieb er auch in den folgenden Jahren dem Western treu, aber diese spätere Phase nahm er relativ locker und versah manche seiner Arbeiten nicht immer mit der Ernstaftigkeit, was besonders auf "Zwei ritten zusammen" und "Der schwarze Sergeant" zutraf. In "Zwei ritten zusammen" nahm er ein ähnliches Thema wie beim Schwarzen Falken, aber er ging die Sache recht entspannt an und zeigte dem Publikum zwei gut aufgelegte Stars (Widmark und Stewart), die sich auf ihrer Suche viel Zeit lassen und eine Menge Westernlatein von sich geben. Parallel zum Aufbruch der US-Bürgerrechtsbewegung präsentierte er dann mit "Der schwarze Sergeant" (Original: Sergeant Rutledge/Deutscher Alternativtitel: Mit einem Fuß in der Hölle) seinen ersten afroamerikanischen Titelhelden, der in einer Militärgerichtsverhandlung zur Projektionsfläche rassistischer Vorstellungen der Weißen gemacht wird. Hört sich sehr dramatisch an und das ist es auch, aber Ford würzt das Ganze mit einigen humorvollen Einlagen durch den Richter Colonel Otis Fosgate (Willis Bouchey) und dessen etwas vertrottelten Ehefrau Cordelia (Billie Burke), die als wichtige Zeugin in diesem Fall vernommen werden soll. Und da sich selbst als sehr wichtig sieht, hat sie auch gleich ihre ebenso betagten Freundinnen vom Kaffeekränzchen mit in den Gerichtssaal eingeladen. Angeklagt ist der schwarze Kavallerie Sergeant Braxton Rutledge (Woody Stroode, weltbekannt durch "Spiel mir das Lied vom Tod") steht wegen Vergewaltigung und Ermordung eines weißen Mädchens (Toby Michaels) vor Gereicht. Dabei hatten die Bürger sich schon immer gewundert, warum Lucy Dabney so oft mit dem schwarzen Mann zusammen war.  Auch im Laden von Chandler Hubble (Fred Libby) unterhielt sich das Mädchen unbefangen mit ihm, dabei war Hubbles Sohn Chris (Ed Shaw) auch an der etwa gleichaltrigen Lucy interessiert. Diese Rückblende wird aber von John Ford erst viel später gezeigt. Nach der Eröffnung der Gerichtsverhandlung wird die junge Mary Beecher (Constanze Towers) von Rutledges Verteidiger Lieutenant Tom Cantrell (Jeffrey Hunter) aufgerufen und sie beschreibt wie sie am selben Abend im Zug Cantrell kennengelernt hatte, dass beide während der Zugfahrt miteinander geflirtet hatten und sie dann an der Spindle Station ausstieg, wo ihr Vater sie abholen wollte. Doch seltsamerweise ist der kleine Bahnhof leer, der Stationsvorsteher ist nicht aufzufinden. Der Zug fährt weiter und lässt die junge Frau alleine in der Dunkelheit zurück. Nebel senkt sich und sehr schnell wirkt dieser Platz recht gespenstisch. Als Mary ins Haus geht und das Nebenzimmer betritt, entdeckt sie die Leiche des Mannes. Durchbohrt von einem Indianerpfell. Sie rennt panisch nach draussen, wo sie auf Sergeant Rutledge trifft, der ihr den Mund zuhält, dass sie nicht schreien kann und ihr erklärt, dass die Indianer noch am Tatort sind. Er rettet der Frau das Leben, ist aber verletzt und erst am anderen Morgen wird klar, dass die Kugel nicht von den Rothäuten stammt, sondern von seiner Flucht aus dem Fort. Er wird von Cantrell verhaftet und des Mordes bezichtigt...

Wenn man einige Logiklöcher übersieht, dann hat "Der schwarze Sergeant" in manchen Szenen großartige Qualitäten. So ist die nächtliche Szene an der Spindle Station wahrhaft grandios gelungen und auch in einer weiteren Kampf-Sequenz zwischen Kavallerie und kriegerischen Apachen ist Ford in seinen besten Element. Er inszenierte auch Woody Stroode wie einen überlebensgroßen Helden, man sieht ihn den Berg herunterschreiten wie John Wayne in seinem heroischsten Szenen. Dies ist an manchen Szenen fast ein bisschen zu sehr aufgesetzt, dieses Loblied auf den Büffelsoldaten, der nur wegen seiner Hautfarbe in diese Situation gerät. Auch der Plot wirkt dann etwas sonderbar, aber gerade deshalb ist "Der schwarze Sergeant" ein Western mit einer großen individuellen Note. Man wird sich noch lange - gerade aufgrund der Eigentumlichkeiten - an ihn erinnern können. Jeffrey Hunter macht seine Sache wie immer prima, ihm zur Seite stand Constance Towers, die nach "Der letzte Befehl" bereits zum zweiten Mal von Ford als "leading Lady" eingesetzt wurde. Natürlich gibts auch wieder imposante Aufnahmen vom Monument Valley.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.