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Samstag, 22. Januar 2022

Die Farm der Besessenen (The Furies)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Regie: Anthony Mann
 
Das Schicksal der Jeffords...

Bevor Anthony Mann zu einem der besten Westernregisseure der 50er Jahre aufstiegt, drehte er B-Pictures und Filme der schwarzen Serie. Seine Beiträge in diesem Genre wie "Schritte in der Nacht", "Side Street", "Flucht ohne Ausweg" oder "Geheimagent T" sind sehr geschätzt. Diesen dunklen und düsteren Touch - sehr oft auch durch die Mitarbeit von Kameramann John Alton verstärkt - setzte er auch in historischen Abenteuerfilmen (Dämon von Paris) und in seinen ersten drei Western (Fluch des Blutes, Winchester 73, Die Farm der Besessenen) ein.
Alle drei Filme realsierte er 1950, dabei ist "Die Farm der Besessenen" bis heute einer seiner ungewöhnlichsten Arbeiten. In jener Zeit war King Vidors "Duell in der Sonne" einer der ganz großen Kassenhits. Die neurotische Westernsaga - wie "Vom Winde verweht" von David O. Selznick produziert - spielte im Jahr 1946 alleine in den USA fast 12 Millionen Dollar ein. Nur der Disney Film "Onkel Remus Wunderland" machte mehr Kasse. Somit bekam Vidors Film einige ähnliche Nachfolger. Einer davon ist "Die Farm der Besessenen" - ein Western, der sehr dominiert wird von den beiden Hauptdarstellern Barbara Stanwyk und Walter Huston, Vater des Regisseurs John Huston.
Huston spielt den dominanten Viehbaron T.C. Jeffords, der von seiner resoluten Tochter Vance (Barbara Stanwyk) regelrecht vergöttert wird. Sie wird auch eines Tages "The Furies", die Ranch des rücksichtslosen Patriarchen übernehmen. Bruder Clay (John Bromfields) hat sich schon abgeseilt und ist von zu Hause ausgezogen. T. C. Vormann ist der brutale El Tigre (Thomas Gomez). In den vielen Jahren seiner Herrschaft hat er Konkurrenten vertrieben und vor allem die mexikanischen Bauern sind ihm ein Dorn im Auge. Viele hat er vertrieben und deren Land annektiert. Aber die Herrera Familie blieb ein standhafter Gegner. Juan (Gilbert Roland), der älteste Sohn der Witwe Herrera (Blanche Yurka) ist sogar in Vance verliebt. Doch Vance weiß, dass sie den Mexikaner nie heiraten wird, da der Vater mit Enterbung droht, wenn der zukünftige Schwiegersohn nicht seinen Erwartungen entspricht. Ausserdem ist Juan nicht der Mann, mit sie die riesige Ranch in Zukunft regieren kann. Vance ist ebenso besessen von Macht und Reichtum wie ihr geliebter Vater. Eines Tages taucht bei einem Fest der notorische Spieler Rip Darrow (Wendell Corey) auf. Der junge Mann ist zudem der Erbfeind von T. C. , der einst den Besitz der Darrows aufgekauft und nach der Meinung von Darrow jr. den Tod des Vaters mitverschuldet hat. T. C. will den ungebetenen Gast sofort vor die Tür setzen, doch Vance rettet die Situation und tanzt mit Rip Darrow. Beide verlieben sich ineinander. Als T. C. Rip 50.000 Dollar anbietet, wenn er die Finger von Vance lässt, willigt dieser ein. Er macht mit dem Geld eine Bank in der Stadt auf. Dennoch ist die Leidenschaft zwischen Vance und Rip immer noch zu spüren, auch wenn Vance von Hass erfüllt ist. Noch schlimmer wird die Situation für Vance, als der Vater bei einer seiner Reisen eine Freundin (Judith Anderson) mit auf die Ranch bringt....

Dies und andere dramatische Ereignisse führen zum Bruch der einst so starken Vater und Tochter Bindung. Die komplizierte Familiengeschichte mit exzessiven bis selbstzerstörerischen LiebeHass Beziehungen wurde an der Kasse kein Erfolg. Vermutlich weil alle bekannten und beliebten Westernmotive hier fehlen. "Farm der Besessenen" ist eher ein neurotisches Drama um eine sehr stark Frau mit einer genauso starken Vaterfigur. Barbara Stanwyk war ja auf diesen Typus irgendwie schon festgelegt und unvergessen bleibt sie in der Rolle der manipulativen Gattenmörderin Phillis mit billiger blonder Perücke. Auch John Huston passt perfekt als selbstgerechter Halbgott des alten Westens. Die Figuren und die Handlungen sind aber manchmal etwas überzeichnet. Was man dem Film aber zugute halten muss ist die Tatsache, dass keiner der Hauptprotagonisten wirklich sympathisch dargestellt wird.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Freitag, 26. November 2021

Union Pacific (Union Pacific)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Cecil B. DeMille

Der Bau der Eisenbahn...

Das Filmjahr 1939 war auch ein Jahr des Western-Comebacks. Gleich drei Klassiker liefen in den Kinos. Henry Kings "Jesse James - Mann ohne Gesetz", John Fords "Ringo" - der den Western zur Kunst geadelt hatte und "Union Pacific", das große Happening über die Geburt der amerikanischen Eisenbahn - inszeniert von Cecil B. DeMille, der zwei Jahre zuvor bereits das Genre mit "Held der Prärie" belebt hatte und der es mit der historischen Wahrheit nie so genau nahm. De Mille war über vier Jahrzehnte mit seinem Stil einer der kommerziell erfolgreichsten Hollywood-Regisseure. Zu seinen Glanzpunkten zählten vor allem aufwendige und spektakuläre Filme wie "Samson und Deliah", "Die größte Schau der Welt" und ganz besonders der Bibelschinken "Die zehn Gebote" aus dem Jahr 1956. Ein Film, der in der inflationsbereinigten Top 100 der erfolgreisten US-Kinoblockbuster immer noch einen Top 10 Platz einnimmt.
Auch "Union Pacific" präsentiert sich als Historienfilm mit immens hoher nationaler Bedeutung. Gezeigt wird der erschwerliche Bau der amerikanischen Eisenbahn von Osten nach Westen oder genauer gesagt von Omaha im Bundesstaat Nebraska bis zum Pazifik. Die Union Pacific Railroad erhielt durch Abraham Lincoln am 1. Juli 1862 die Konzession zum Bau einer Bahnstrecke bis Kalifornien. Rund 20.000 Arbeiter verlegten rund 8-9 km Schienen pro Tag, es waren harte Arbeitsbedinungen und viele starben durch die Kämpfe mit den Indianern. Am 10. Mai 1869 war es soweit: Der Streckenbau der United Pacific traf isch mit der aus Kalifornien vorangetriebenden Strecke der Central Pacific am Großen Salzsee von Utah.
In DeMilles Film wird auch der Wettstreit der beiden Eisenbahngesellschaften thematisiert - denn jeder will zuerst in der Stadt Ogden in Utah ankommen. Vor allem der hinterhältige Bankdirektor Asa Barrows (Henry Kolker) hat ein Interesse daran, dass die Central Pacific zuerst am Zielort ankommt. Er hat diverse Aktiengeschäfte laufen, die seinen Reichtum vermehren würden. Sein Mann ist der Abenteurer Sid Campeau (Brian Donlevy), der die Arbeiten der Union Pacific in die Länge ziehen soll - zu dieser versteckten Sabotage braucht es nur gewisse Etablissements in der Nähe der Baustellen, damit man die Arbeiter mit Mädchen, Alkohol und Glücksspiel versorgen kann. Er hat einige dubiose Kompagnons mit dabei: Der Glücksspieler Jack Cordray (Anthony Quinn) oder Dick Allen (Robert Preston). Dieser ist ein ehemaliger Weggefährte und guter Freund von Jeff Butler (Joel McCrae). Und Jeff Butler ist von der Union Pacific engagiert worden vor Ort Probleme und Konflikte zu lösen und den Bau ruhig und effektiv voranzutreiben. Damit steht schon schnell fest, dass Campeau und Butler entgegengesetzte Ziele verfolgen und somit sind die Konflikte vorprogrammiert. Dick gehört zwar zu Campeaus Halunken, er sitzt aber zwischen 2 Stühlen. So präsentiert DeMille dem Zuschauer einen echten good Guy, einen perfekten Bad Guy und einen guten Bad Guy oder schlechten Good Guy. Der Lokomotivführer Monahan (J. M Kerrigan) hat eine hübsche Tochter: Mollie (Barbara Stanwyk) ist Posthalterin und eine gute Freundin von Dick. Sie verliebt sich aber gleich bei Jeffs Auftauchen in den Draufgänger. Sie lässt sich aber ihre Gefühle nicht anmerken und flirtet mit beiden Männern. Irgendwann kommt es auch in der Männerfreundschaft zum Bruch - denn Dick raubt die Lohngelder und Mollie deckt ihn, aber nur, weil sie um Jeffs Leben fürchtet. Sie gibt Dick sogar das Versprechen der Heirat. So ist die Frau, um die sich die Männer streiten ebenfalls in einer ambivalenten Rolle...


DeMille inszenierte den Western wie seine Bibelschinken. Schrill. laut mit einer riesigen Menge an patriotischem Lobgesang. Die Lokomotive steht ständig unter Volldampf, trotz Indianerkämpfe, trotz Schneekatastrophen und trotz brennden Brücken. Der Film hat keine ruhigen Momente, die Szenen eilen von Höhepunkt zu Höhepunkt. Dabei ist die Figurenkonstellation denkbar einfach, aber effektiv. Möglicherweise summierten sich die patriotischen Stimmungen auch aufgrund der drohenden Kriegsgefahr. Ohne auf historische Genauigkeiten zu achten, entwarf der Regisseur ein Szenario voller Blut und Tränen und Männer, die zwar seit Wochen auf den Lohn warten, aber dennoch ihre eigenen Bedüfnisse hintenan stellen, wenn das große Ganze "die Bahnstrecke einer großen Nation" gewichtiger ist. Reichlich naiv, aber de Mille liebte solchen fulminanten Schmalz.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.