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Freitag, 17. Dezember 2021

Die Teufelsbrigade (Distant Drums)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Raoul Walsh

Im Sumpfland der Seminolen...

1945 realisierte Altmeister Raoul Walsh mit "Der Held von Burma" einen äusserst dynamischen Kriegsfilm mit Kinolegende Errol Flynn, sechs Jahre später verlegte er die Handlung in den Wilden Westen und so machte der Zuschauer Bekanntschaft mit Gary Coopers "Teufelsbrigade". Das Drehbuch von Niven Busch und Martin Rackin nahm dessen Archetypen auf und verlagerte diesen Kriegsschauplatz zwischen Amis und Japanern in die Everglades nach Florida. Raoul Walsh sagte anschließend "Das ist ein Film, den ich in Florida gemacht habe, dort, wo noch nie jemand zum Drehen hingegangen ist, auf dem Territorium der Seminolen. Diese Sümpfe hatte noch nie jemand gefilmt. Und die Seminolen sind die einzigen Indianer, die nie ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnet haben. Das sind Leute mit denen nicht leicht auszukommen ist. Gehen sie mal hin und versuchen Sie mit denen zu diskutieren. Sie haben versucht, mich umzubringen". Vielleicht kommen die Seminolen in "Die Teufelsbrigade" deshalb so schlecht weg. Sie werden von Walsh als stereotype Wilde gezeigt, die auf Mord und Totschlag aus sind. Der berühmte Seminolen Anführer Osceola wird unbenannt in Oscala und wird als fieser Bösewicht dargestelt, der durch seine unstillbare Blutlust, seine Gefangenen an gefrässige Alligatoren verfütterte. Es war Budd Boetticher, der zwei Jahre später  in "Seminola", einem weiteren Florida-Western,  das Bild des Häuptlings durch Anthony Quinn differenzierter darstellte. In "Die Teufelsbrigade" wird er von Raymond Kentro verkörpert.
Der Film spielt um 1840. Captain Quincy Wyatt (Gary Cooper) ist ein Kenner dieses Gebietes mit den gefährlichen Sümpfen. Er hat seine indianische Frau durch den Krieg verloren und der fünfjährige Sohn ist sein Ein und Alles. Er wird von General Zachary Taylor (Robert Barrat) zur Führung eines Kommandos gegen die feindseligen Seminolen bestimmt. Ihm zur Seite wird der junge Marine-Offizier Tufts (Richard Webb) gestellt. Auch der Scout Monk (Arthur Hunnicut) begleitet die Brigade. Nach langem Marsch erreichen die Männer die Festung der Seminolen und zerstören diese. Dort befreien sie auch einige Weiße, darunter die hübsche Judy Beckett (Mari Aldon). Doch die Indianer verfolgen sie und es bleibt dem Kommando nichts anderes übrig als durch das Sumpfgebiet den Rückzug anzutreten. Dort erwarten sie Schlangen und eine Vielzahl von Krokodilen. Und die Indianer kommen immer näher um die Soldaten zu skalpieren...

Kameramann Sidney Hickox berichtete, es habe so viele Krokodile vor Ort gegeben, dass er das Stativ seiner Kamera mühelos auf dem Rücken eines dieser Echsen hätte aufbauen können. Doch die Mühe hat sich gelohnt, denn "Distant Drums" - so der Originaltitel des Films - gehört sicherlich zu den Klassikern des Genres und ist von Anfang bis Ende ungeheuer dicht und spannend inszeniert. Die Autoren Bouineau-Charlot und Frimbois zählen diesen FloridaWestern auch zu den besten 100 Western aller Zeiten und für Raoul Walsh war es ein weiterer Kinoerfolg in seiner Karriere, der zwischen seinen farbenprächtigen Abenteuerfilmen "Des Königs Admiral" und "Sturmfahrt nach Alaska" entstand.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Montag, 29. November 2021

Der große Treck (The Big Trail)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Raoul Walsh

Wild West Odyssee...

Mit dem Raoul Walsh Western "Der große Treck" (Originaltitel: The Big Trail) aus dem Jahr 1930 öffnet sich für den Zuschauer eine Tür in die Vergangenheit. Aus der Höhe blickt die Kamera (Arthur Edeson und Lucien Andriot) auf Massen von Menschen und Tieren, die sich am Ufer des Mississippi aufhalten, sie beschäftigen sich mit den Vorbereitungen für den großen Treck, der über 2.500 Meilen westwärts unterwegs sein wird. Eine Reise voller Gefahren und Strapazen, voller extremster Witterungen. Von der infernalen Wüste der Great Plains bis hin zu heftigsten Schneestürmen in Oregon. "Der große Treck" ist eine Geschichte über die Gründung einer Zivilisation. Ein Kritiker sagte über den Regisseur "Walshs herausragender, wie angeborener Sinn für den epischen Raum hätte ihn zu einem der großen Landschaftsmaler gemacht". Der Filmemacher präsentiert nichts anderes als ein Trip in eine amerikanische Welt, sowohl von innen als auch von außen. Die Landschaft ist der große Hauptdarsteller, Walshs Blick auf diese unschuldige Landschaft fällt sehnsüchtig, poetisch, aber auch voller Unwägbarkeit aus. Diese frühe Odyssee durch das weite, wilde Land war auch der erste große Film des jungen Hauptdarstellers John Wayne, der in späteren Jahren zu einem der unsterblichen Filmstars Hollywoods wurde. Beim Dreh war das junge Talent gerade mal 23 Jahre alt. Technisch war dieser Western seiner Zeit weit voraus, denn er war einer der ersten Filme im Breitwandformat. Aber in der Zeit kurz nach dem Übergang vom Stumm- zum Tonfilm war das Breitwandformat für die meisten Kinos noch uninteressant. Daher scheiterte "Der groeß Treck" kommerziell. Diese Reise ist nicht als geschlossene Erzählung angelegt, sondern sie erscheint dem Zuschauer als Serie spektakulärer Tableaus mit Tausenden von Satisten und Tieren. Der schier endlose Zug durch das neue Land passiert weite Ebenen, muss gefährliche Flüsse überqueren, Indianerangriffe oder wilde Büffelherden abwehren. In diese Ereignisse sind die einzelnen Geschichten der Siedler eingewoben. Die vereinigten Staaten um 1840: Der junge Trapper Breck Coleman (John Wayne) trifft auf diesen Treck, der von Missouri über den Oregon Trail im Pazifischen Nordwesten auf eine neue Heimat hofft. Coleman selbst hat Rachegedanken, denn sein bestern Freund wurde ermordet. Er will die Schuldigen aufspüren. Die Siedler machen dem jungen Mann das Angebot als Leiter des Trecks mitzureisen, denn man schätzt seine Kentnisse über das Land und seine mutige Art. Er nimmt das Angebot aber zuerst nur deshalb an, weil er erfährt, dass der finstere Red Flack (Tyrone Power sen.) und dessen Kumpane Lopez (Charles Stevens) ebenfalls als Treckführer dabei sind, denn einige Indizien deuten auf die beiden Männer hin mit dem Mord etwas zu tun zu haben. Breck verliebt sich natürlich in die hübsche Siedlerin Ruth Cameron (Marguerite Churchill), die sich aber eher mit dem dubiosen Glücksspieler Bill Thorpe (Ian Keith) abgibt. Der Zuschauer wird bald erfahren, dass dieser Thorpe mit Red Flack und Lopez gemeinsame Sache macht und tatsächlich die Mörder von Brecks Freund sind. Zum Glück ist Brecks älterer Freund Zeke (Tully Marshall) immer da, wenn Gefahr droht und mehr als einmal rettet der alte Kauz seinem jungen Kumpel das Leben. Nach zahlreichen Entbehrungen und vielen Todesopfern erreicht der Treck ein Tal, dass sich zum Niederlassen eignen könnte....



Die Reise durch Naturgewalten ist gleichzeitig eine Art Pilgerfahrt, die zur Bildung einer Nation als kleiner aber wichtiger Mosaikstein dazugehört. Raoul Walsh ist ein sehr schöner Western gelungen, der auf Blu Ray wunderbar restauriert wurde. Viele spätere Filme von Walsh wie "Die wilden Zwanziger",  "Entscheidung in der Sierra", "Verfolgt" oder"Maschinenpistolen" gehören zu den großen Meistwerken des Kinos. Zweifelsohne zählt dieser frühe Western auch dazu.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Sonntag, 28. November 2021

Den Hals in der Schlinge (Along the great divide)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Raoul Walsh

Hängt den Mörder...

"Along the Great Divide" von Raoul Walsh wurde 1951 gedreht und war Krik Douglas erster Western überhaupt. In den deutschen Kinos lief er unter dem Titel "Den Hals in der Schlinge" und überzeugt vor allem durch die darin verwobene Liebesgeschichte zwischen dem regelorientierten Marshall und der resoluten Tochter des Farmes. Gespiel wird die Farmerstochter von Virginia Mayo. Gedreht wurde der Film nicht in den Studios von Hollywood, denn Regielegende Raoul Walsh war ein bekennender Fan von Aussenaufnahmen. Tatsächlich wurde "Den Hals in der Schlinge" in der Wüste gedreht - was man an vielen Einstellungen erkennen kann. Der Wind wirbelt in beinahe jeder Einstellung den Staub der Prärie auf und wenn die Pferde in der Distanz galloppieren, sind sie ständig in Wolken voller Staub eingehüllt. So entsteht ein großes Maß an Realismus bei diesem Ritt in die größere Stadt Santa Loma, wo es richtige Gerichtsverhandlungen gibt. Draußen im weiten Land herrscht aber immer noch das Gesetz der Stärkeren und Mächtigeren. Und auch die Lynchjustiz. Der alte Tim Keith (Walter Brennan) soll dem Viehzüchter Ned Roden (Morris Ankrum) Tiere gestohlen haben. Was aber noch viel schlimmer wiegt: Er wird beschuldigt den geliebten Sohn von Roden erschossen zu haben. Obwohl Tim Keith, den alle Pop nennen, seine Unschuld beteuert, steht er schon unterm Galgenbaum. Ned Roden und sein zweiter Sohn Dan (James Anderson) wollen den Mörder hängen. Bundesmarshall Len Merrcik (Kirk Douglas) und seine beiden Stellvertreter Lou Gray (Ray Teal) und Sam Weaver (Hugh Sanders) kommen aber gerade noch rechtzeitig und verhindern das Lynchen. Merrick ist fest entschlossen den Verdächtigen einem ordentlichen Gericht zuzuführen. Das wird nicht einfach werden, denn der Viehzüchter kündigt an, dass er diesen Ritt in die Stadt auf jeden Fall stören will. Der Mörder hat es nicht verdient, dass er einen fairen Prozess bekommt. Durch einen kurzen Zwischenstopp auf Pops Farm machen die Gesetzeshüter auch Bekanntschaft mit Pops Tochter Ann (Virginia Mayo), die unter allen Umständen ihrem Vater zur Flucht verhelfen möchte. Denn sie glaubt nicht, dass ein einfacher Farmer gegen einen mächtigen Viehbaron vor Gericht eine reele und faire Chance hat. Merrick aber schwört auf das Gesetz und alle Bitten der hübschen Frau den unschuldigen Vater freizulassen, damit er nach Mexiko flüchten kann, sind vergeblich. Nach vielen Strapazen und einigen Opfern erreicht Merrick mit seinem Gefangenen tatsächlich die Stadt. Doch im Prozess hat Pop tatsächlich keine Chance. Und inzwischen hat sich der sture Marshall auch noch in die temperamentvolle Anne verliebt...

Zum Glück findet der Marshall im letzten Moment noch den wahren Mörder von Rodens Sohn. Was dem Zuschauer aber schon lange vorher klar wurde. In stimmungsvollen Schwarz-weiß Bildern kann dieser kleine Western gut überzeugen und auch wenn er nicht zu den ganz großen Klassikern des Genres gerechnet wird. Für Westernfans ist der erste Western von Kirk Douglas ein gutes Vergnügen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Samstag, 27. November 2021

Verfolgt (Pursued)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Raoul Walsh

Film Noir des Westens...

Raoul Walsh wurde eine Regielegende aufgrund seines handwerklichen Könnens in den Sparten des Gangster- und Westernfilms. Er schuf Vorläufer undKlassiker des Film Noirs wie "Die wilden Zwanziger", "Entscheidung in der Sierra" oder "Sprung in den Tod". Seine Western wie "Sein letztes Kommando", "Herr der Silberminen" oder "Vogelfrei" zählen zu den wichtigsten Filmen des Genres. 1947 kreuzte er beide Genres in "Verfolgt" (Original: Pursued) und schuf sogar einen seiner besten Filme überhaupt.
Das lag vor allem an der klasse Besetzung mit Robert Mitchum als Aussenseiter Jeb Rand. Die damals frischgebackene Oscar-Gewinnerin Teresa Wright spielt die weibliche Hauptrolle und die als Miss Danvers in "Rebecca" berühmt gewordene Judith Anderson die tragende Nebenrolle und Schlüsselfigur der Geschichte.
Der Film spielt bereits am Ende des Wilden Westens, der bald ganz verschwunden sein wird. Aber immer noch zählt das Recht des Stärkeren. Der 11jährige Jeb Rand (Ernest Severn) erlebt etwas sehr schreckliches. In der Zukunft wird er sich nicht mehr ganz an das traumatische Erlebnis erinnern können, er weiß nur, dass er Angst hat und er sieht Cowboystiefel mit Sporen in seinen Alpträumen und wird von diesen immer wieder verfolgt. Es war die Nacht als sein Vater zu Tode kam. Die Nachbarin Mrs. Callum (Judith Anderson) holte ihn aus seinem dunklen Versteck in diesem Haus heraus und nahm ihn mit auf ihre Ranch. So wuchs er gemeinsam mit Mrs. Callums Kinder Adam (Charles Bates) und Thor (Peggy Miller) auf. Zwischen den beiden Jungs kam es aber immer wieder zum Streit, da der kleine Adam sehr eifersüchtig war.
Als Erwachsene kümmert sich Adam (John Rodney) um die Ranch, während Jeb (Robert Mitchum) nicht so interessiert daran ist. Er liebt aber Thor (Teresa Wright) und die erwidert seine Gefühle. Als der spanisch-amerikanische Krieg ausbricht, muß einer der Jungs zur Armee. Eine Münze wird geworfen und Jeb zieht in den Krieg. Er kehrt als Kriegsheld zurück. Nun wird Adams Eifersucht wieder wach und aufgestachelt von einem Grand Callum (Dean Jagger), der sich als Verwandter der Familie zu erkennen gibt, lauert Adam Jeb auf und schießt von einem Hinterhalt auf ihn. Jeb wehrt sich und trifft seinen "Bruder" tödlich. Damit wird er zur Hassfigur von Mutter Callum und von Thor....

Die Geschichte der Familienfehde Callum und Rand wird etwas vernachlässigt, man erfährt nicht ganz soviel. Dafür werden aber die Geheimnisse und Neurosen der Figuren sehr gut herausgearbeitet und die Geschichte steht unter den starken Emotionen - besonders Thor schwankt hin und her zwischen Liebe und Haß. Erst am Ende kann sie sich für eine Seite entscheiden. Vielleicht zu spät ? Das Showdown findet in der verfallenen Ranch der Rands statt - damit ist auch ein Platz gewählt, wo sich Jeb endlich wieder an das schreckliche Ereignis von damals erinnern kann. Und nicht weit von ihm steht auch schon sein größter Feind...bereit ihn zu töten, wie er es schon vor vielen Jahren wollte, aber damals daran gehindert wurde.

Bewertung: 9,5  von 10 Punkten.