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Montag, 13. Dezember 2021

Rio Bravo (Rio Bravo)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Howard Hawks

Der Sheriff und seine Helfer...

"High Noon" hat mir dermaßen missfallen, dass ich die Gegenposition eingenommen habe. Das funktioniert und den Leuten hat es sehr gefallen - das hat Howard Hawks einmal gesagt, als er zu "Rio Bravo" interviewt wurde. Tatsächlich ist Howard Hawks Meisterwestern aus dem Jahr 1959 die ultimative Antithese von Fred Zinnemanns düsterem Western über einen Marshall, dem keiner helfen will im Kampf gegen die Banditen. Dennoch sind die Helfeshelfer von John Wayne in "Rio Bravo" eine illustre Schar von Aussenseitern. Lediglich Ward Bond als Rancher Pat Wheeler könnte man als typischen Westerner bezeichnen - aber er lebt nicht mehr lange. In dem Moment als er sich äusserte dem Sheriff zu helfen, wird er hinterrücks umgelegt. All das passiert in der kleinen Grenzstadt "Rio Bravo". In der Planung als reine Mainstreamproduktion konzipiert (sogar ein ganz junges Publikum wurde durch die Besetzung von Teenie-Idol und Popsänger Rickie Nelson anvisiert), gelang es dem Meisterregisseur mit seinem total lockeren Stil einen der besten Western der Filmgeschichte zu schaffen. Und dies obwohl die Geschichte auf ganz engem Raum spielt und erst gegen Ende - beim explosivem Showdown - für kurz das verschlafene Städtchen verlassen wird. Seine Coolness gewinnt der Film durch eine umwerfende Mischung aus allem, was Hawks filmisch gemacht hatte. Es gibt eine musikalische Einlage (Dean Martin und Ricky Nelson geben den song "My rifle, Pony and me) zum Besten, es gibt herrliche Komödienmomente - vor allem Walter Brennan als zickiger alter Hilfssheriff läuft dabei zur Höchstform auf. Eine gute Brise von Romantik und Erotik dank einer Durchreisenden Lady mit Vergangenheit, die vom ruppigen Sheriff gezähmt werden könnte. Am Ende wird er aber gleichsam von ihr gezähmt. Und natürlich jede Menge Spannung und Action. "Rio Bravo" erweist sich als optimales Belagerungsszenario im Film. Auf ganz engem Raum kämpft eine Gruppe ungleicher Charaktere gegen eine Überzahl von bezahlten Desperados für Gesetz und Ordnung. Diese Konstellation schrieb Filmgeschichte und wurde von vielen Kultregisseuren wie Romero oder Carpenter für ihre Filme übernommen. Dabei gelingt es Hawks spielend, dass die Belagerung zweitrangig wird - die Interaktion zwischen den Filmfiguren ist die Trumpfkarte in "Rio Bravo".
Um was geht es: Sheriff John T. Chance (John Wayne) muss den Revolverhelden Joe Burdette (Claude Akins) festnehmen, denn der hat im Saloon einen Mann erschossen, der unbewaffnet war. Da Joes älterer Bruder der mächtige Viehbaron Nathan Burdette (John Russell) ist, muss damit gerechnet werden, dass dieser seinen Bruder - wenn nötig auch mit Gewalt - aus dem Gefängnis befreien wird. Er hat mit seinem Männern bereits den Grenzort abgeriegelt, um zu verhindern, dass Chance seinen Gefangenen zum US-Marshall bringen könnte. Diese Revolvermänner sind auch in der Stadt präsent und bewachen jeden Schritt, den der Sheriff unternimmt. Chance, der nur seinen Deputy, den alten gehbehinderten Stumpy (Walter Brennan) als Verbündeten hat, gibt dabei seinem ehemaligen Hilfssheriff Dude (Dean Martin) eine Chance mit im Team der Guten zu sein. Dude ist aber seit 3 Jahren ein echter Säufer (eine Frau war der Auslöser) und hat echte Mühe trocken zu bleiben - teilweise ein echtes Wrack, das zittert, schwitzt und sich beleidigen lässt, nur um kurz einen Hauch von Stolz zu empfinden und dann sofort wieder zur Flasche zu greifen. Noch kurz vor seiner neuen Chance war er das Gespött jedes Saloons. Mit Feathers (Angie Dickinson) kommt eine attraktive Frau in die Stadt, auf die ein Steckbrief einer Falschspielerin passt und die sich in den Kopf gesetzt hat den störrischen Sheriff zu erobern. Auch sie unterstützt natürlich auch emotionalen Gründen die kleine Achse der Guten. Als Chances Freund Pat Wheeler (Ward Bond) erschossen wird, gewinnt Chance mit dem ganz jungen Revolverhelden Colorado (Ricky Nelson) einen weiteren Verbündeten. Und auch der mexikanische Hotelwirt Carlos Robante (Pedro Gonzales) mit dessen Frau Consuela (Estella Rodriques) erweist sich bald als guter Verbündeter. Aber können sie alle gegen die Vielzahl der Banditen bestehen...

John Wayne soll Hawks gefragt haben "Und was mache ich, während Dean die ganzen schönen Szenen spielt ?" Lakonisch antwortete Hawks "Ganz einfach, du schaust ihm zu wie ein guter Freund". Und für beide Stars kamen zwei ganz hervorragenden Rollen dabei heraus. Die Filmmusik von Dimitri Tiomkin passt perfekt dazu, das atmosphärische Titellied sowie auch "Deguello", die Melodie vom Tod, vom Halsabschneiden, die im Film zu hören ist und die Spannung dramaturgisch unterstützt. Kameramann Russell Harlan, der sehr oft mit Howard Hawks gearbeitet hat, mit einer Superleistung. Es sind auch die vielen tollen Nebenfiguren - Angie Dickinson als starke Frau, Ricky Nelson als unkonventioneller ganz junger Revolverheld oder Walter Brennan als ständig schimpfender Stumpy...die Chemie stimmt und machen aus "Rio Bravo" nicht nur einen spannungsgeladenen Edelwestern, sondern ein echtes Kinohappening.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Die 4 Söhne der Katie Elder (The Sons of Katie Elder)


Regie: Henry Hathaway

Lebt denn die alte Frau Elder noch ?

Das Bild von einem Schaukelstuhl, der sich wie von Geisterhand von alleine bewegt, kennt man eher aus dem Horrorfilmbereich. In Henry Hathaways Edelwestern "Die vier Söhne von Katie Elder" aus dem Jahr 1965 beherrscht dieses Bild aber auch zweimal die Szene. Es ist dieser Schaukelstuhl der verstorbenen Katie Elder aus Clearwater, Texas. Im Grunde ist auch sie die Hauptfigur des Films, auch wenn sie nicht mal in einer Rückblende zu sehen ist. Aber ihr gütiger Geist ist allgegenwärtig. Eine äusserst beliebte Frau in diesem kleinen Ort. Ihr Mann starb ein halbes Jahr vor ihr, doch nun zu ihrer anstehenden Beerdigung konnten auch die vier Söhne ausfindig gemacht werden. John (John Wayne), der Älteste ist ein berüchtigter und gefürchteter Revolverheld. Auf Matt (Dean Martin), dem Zweitältesten könnten auch ein paar Steckbriefe passen. Beide zog es früh in die Fremde. Auch Matt (Earl Holliman) folgte ihnen nach. Er blieb zwar auf dem bürgerlichen Weg, doch sein Eisenwarenhandel war ein Flop. Nur der Jüngste Bud (Michael Anderson jr.) besucht schon seit längerer Zeit als erster der Elders ein College. Die Mutter machte dies möglich. Aber auch Bud würde liebend gerne seinen missratenden Brüdern nacheifern. Sheriff Bill Wilson (Paul Fix) hat die Befürchtung, dass mit dem Auftauchen der Elder Brüder Ärger vorprogrammiert ist und kontrolliert mit seinem beflissenen Deputy Ben Latta (Jeremy Slate) den Zug, der an diesem Tag am Bahnhof anhält. Es steigt allerdings nur ein gefährlich wirkenden Fremder (George Kennedy) aus. Auch drei Brüder warten, aber John scheint nicht zu kommen. Als die Beerdigung stattfindet, steht dieser versteckt hinter einem Felsen. Wegen seinem schlechten Ruf hat er entschieden der Beerdigung nur heimlich beizuwohnen. Später trifft er sich mit seinen Brüdern und von Sheriff Bill erfahren sie, dass der Vater sechs Monate zuvor getötet wurde. Am Abend vor seinem Tod soll er zudem die Elder Farm bei einem Glücksspiel an den mächtigen Morgan Hastings (James Gregory) verloren haben. Die Elders ahnen, dass an der Geschichte etwas faul sein muss. Dies sieht zwar auch der Sheriff so, aber er hat keine Beweise gegen Hastings in der Hand, der diverse Zeugen benennen konnte, die seine Geschichte bestätigen. Die hübsche Mary Gordon (Martha Hyer) kümmert sich ein bisschen um das Wohl der Brüder. Als die Elders Hastings einen Besuch abstatten, ist nur dessen unsicherer Sohn Dave (Dennis Hopper) anwesend, der aber durch sein eigenartiges Verhalten den Verdacht der Elders noch verstärkt. Hastings hat auch einen Auftragskiller angeheuert und bezichtigt die Brüder bald des Mordes...

"Die vier Söhne der Katie Elder" ist einer der populärsten Western von John Wayne. Der Film ist perfekt auf den Star zugeschnitten. Im Grunde muss John Wayne wie so oft nur John Wayne spielen. Eine schauspielerische Höchstleistung wie in "Der schwarze Falke", "Red River" oder "Der Mann, der Liberty Valance erschoß" muss Wayne nicht erbringen. Dennoch funktioniert der Film super, auch wenn er manchmal etwas übertrieben und albern wird, vor allem dann, wenn die vier Brüder miteinander kommunizieren. Dennoch tun diese humorigen Einlagen der Spannung keinen Abbruch. Aber Highlight ist natürlich John Wayne...und vor allem auch die tolle Kameraarbeit von Lucien Ballard, der nur einmal in seiner langen Filmkarriere eine Oscar-Nominierung erhalten hat. Das war 1964 für "Frauen, die nicht lieben dürfen".
Seine Filmographie ist aber reichhaltig an Klassikern: "Marocco" (1930), "Fünf Perlen" (1952), "Prinz Eisenherz" (1954) "Die weiße Feder" (1955), "Weint um die Verdammten" (1957), "Sacramento" (1962), "Nevada Smith" (1966), "Der Verwegene" (1968), "The Wild Bunch" (1969), "Der Marshall" (1969), "Abgerechnet wird zum Schluß" (1970) oder "Nevada Pass" (1976). Viele Western wurden durch seine edlen Bilder aufgewertet und so ist auch "Die vier Söhne der Katie Elder" für jeden Westernfan ein Augenschmaus. 2005 versuchte sich John Singleton an einem Remake - seine vier Brüder kehrten aber ins Ghetto zurück und nahmen Rache für ihre Mutter. Hauptdarsteller war Mark Wahlberg.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.