Posts mit dem Label Darsteller: Ben Johnson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Darsteller: Ben Johnson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 17. Dezember 2021

Rio Grande (Rio Grande)


Regie: John Ford

Vater und Sohn...

John Ford ist natürlich eine große Regie-Legende, besonders wenn es um das Westerngenre geht. Im Alter von 78 Jahren verstarb er im Jahr 1973. Er hinterließ ein Erbe von etwa 124 Filmen und erhielt insgesamt viermal den Oscar als bester Regisseur: "The Informer" (1936), "Früchte des Zorns" (1941), "So grün war mein Tal" (1942) und "Der Sieger" (1953). Mit dem großen Westernstar John Wayne drehte er besonders häufig und beide schufen unsterbliche Klassiker wie "Ringo", "Der schwarze Falke" oder "Der Mann, der Liberty Valance erschoß". Auch in allen drei Kavallerie-Auftrragswestern, die Ford zwischen zwischen 1947 und 1950 drehte, spielte John Wayne die Hauptrolle."Rio Grande" entstand 1950 und bildet somit den Abschluß dieses Trios, bei dem John Ford wieder in schwarz-weiß drehte, obwohl ja der Vorgängerfilm "Der Teufelshauptmann" gerade wegen seiner Farbkamera den Oscar bekam. Nichtsdestotrotz ist auch die Location vom weiten, besetzen Land durch amerikanische Soldaten atmosphärisch stark in schwarz-weiß Aufnahmen bebildert.
Durch die Gesangseinlagen der "Sons of Pioneers" erhält der Film auch ein starke musikalische Handschrift, die die beiden Filmelemente "Familiendrama" und "Schlacht" auflockern soll. Ich fands eher zuviel Gesang, aber dafür sorgt Faktotum Victor McLaglen - genau wie in "Der Teufelshauptmann" - als rechte Hand des Colonels für guten Humor und eine gewisse Herzenswärme, die dann aufs ganze Regiment auszustrahlen scheint. John Wayne ist als Colonel Kirby Yorke zu sehen, der mit seinen Männern nicht nur das Fort bewacht, sondern auch immer wieder gegen widerständige Apachen in den Kampf ziehen muss. Diese Krieger machen es der US-Kavallerie aber immer wieder schwer, da sie nach ihren Überfällen den Rio Grande überqueren und am anderen Ufer dann auch schon in Mexiko sind. Und den US-Soldaten ist es strengstens untersagt die Grenze zu überschreiten. Aber nicht nur dieses Problem macht dem Colonel zu schaffen. Sein Sohn Jeff ((Claude Jarman jr) hat die Prüfung in Westpoint wegen Mathematik vermasselt und hat sich nun als ganz normaler Rekrut wie andere junge Männer (u.a. Harry Carey jr, und Ben Johnson) bei der Army gemeldet. Zufälligerweise wird er nun ins Regiment seines Vaters versetzt, den er seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat. Seine Eltern leben seit dieser Zeit getrennt, da sich der Vater nicht von der Armee trennen konnte und seine Frau nicht das Dasein einer Soldatenfrau im Fort führen wollte. Doch Kathleen Yorke (Maureen O'Hara) taucht kurze Zeit später auch im Fort auf um ihren Sohn wieder mitzunehmen. Vater Kirby ist da ganz anderer Meinung: Er ist sich sicher, dass ein Mann seine Verantwortung übernehmen muss und zu seinem Wort zu stehen hat, selbst wenn er sich dadurch zerstört. Bald lassen die Angriffe der Apachen nicht auf sich warten. Und Jeff bekommt seine Bewährungsprobe. Die Apachen haben einige Kinder aus dem Fort entführt und sie nach Mexico verschleppt. General Sheridan (J. Carrol Naish) gibt nun Yorke den langersehnten inoffizellen Befehl die Grenze zu überqueren..


Somit fällt der Hauptteil von "Rio Grande" um einiges actionhaltiger aus als der ruhige erste Part, der sich vor allem auf die Figurenkostellation und Charakterzeichnungen fixiert. Dass auch die ruhigeren Töne gut funktionieren ist der guten Ensembleleistung zuzuschreiben. Ford engagierte dafür einige "Stammschauspieler" wie  Chill Wills, Victor McLaglen, Ben Johnson und Harry Carey jr. Die Szene mit Wills und McLaglen, in der Letzterer seine Brandstiftung erwähnt, ist besonders witzig und zeigt die Klasse des Regisseurs.  Maureen O'Hara spielt zum ersten Mal John Waynes Frau - es sollte aber nicht bei diesem einen Mal bleiben. Für John Ford wiederholten sie diese Paargeschichte weils so schön war noch zwei weitere Male. Wenn man alle drei Kavallerie-Film von Ford miteinander vergleicht, dann ist "Rio Grande" eindeutig der schwächste Teil. Wie gesagt es war eine Auftragsarbeit und vielleicht legte Ford da etwas weniger Motivation hinein, aber die Realisierung dieses Streifens war die Bedingung für die Studio Bewilligung für den geplanten Film "Der Sieger". Da fürchtete man Verluste.Dennoch ist "Rio Grande" ein Klassiker. Er hat zwar nicht diese markanten Szenen und Bilder wie "Bis zum letzten Mann" oder "Der Teufelshauptmann" - aber er ist überzeugend bei diesem Vater-Sohn Konflikt. Und wie immer zeigt es sich wie undankbar doch der Job als Held bei der Armee war. Gerade für so einen ausgezeichneten Soldaten wie Kirby Yorke, der alle seine privaten Wünsche und Sehnsüchte hinten an stellt.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Freitag, 26. November 2021

Westlich St. Louis (Wagonmaster)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Wagenführer...

"Westlich St. Louis" (Original: Wagonmaster) ist vielleicht John Fords persönlichster Film überhaupt. Ein Film ohne seine üblichen Hauptdarsteller wie die Kinohelden John Ford oder Henry Fonda. Dafür aber mit vielen Schauspielern, die Ford immer wieder gerne für seine Filme verpflichtete: Ward Bond, Harry Carey Jr. oder Ben Johnson, der nie zum großen Filmstar aufstieg, aber in Herbst seines Lebens für die großartige Darstellung in Bogdanovichs "Die letzte Vorstellung" als ehemaliger Cowboy und Kinobetreiber Sam the Lion einen sowas von verdienten Oscar als bester Nebendarsteller im Jahr 1972 gewann und in ein paar Monate später in Richard Brooks Spätwestern "700 Meilen westwärts" diese unvergessliche Sterbeszene als namenloser Cowboy hatte, bei der Gene Hackman den Satz sagt "Ich wusste nicht mal, wie er heißt".
Seine Figur Travis Blue, ein junger Cowboy, der mit seinem Freund, Pferde verkauft könnte so ein namenloser Cowboy sein, der als Emmigrant einer dieser vielen Menschen war, die den Westen eroberten, die aber sehr schnell in Vergessenheit gerieten, weil es eine Kollektivaufgabe war und viele bei der Zivilisierung des Wilden Westens ihr Leben ließen.
Ford zeigt seine Figuren zwar immer wieder in vielsagenden Close-ups, dennoch ist das Land der Hauptdarsteller und die Reise einer Planwagenkarawane in den Wilden Westen wirkt immer etwas untergeordnet angesichts dieser majestätischen Landschaft und Natur, die nur mit eisenharter Stärke bezwungen werden kann. Wie die meisten großen Western ist "Wagonmaster" natürlich im Monument Valley in Arizona gedreht worden. Seine Bilder sind bestimmt vom Dualismus Natur-Mensch und die Felsen am Himmel oder die Flüsse, die durchquert werden, hätten ein gewisses Eigenleben, es wirkt als könnten sie sehen und denken. Kameramann Ben Lawrence Glennon zeigt dem Zuschauer die Landschaft in der Totalen. Ein winzig wirkende Wagenkarawane zieht neben diesen hochgetürmten, erhabenen Felsen in Richtung Zielort. Seine Geschichte bringt so den Mythos hervor, der hinter der harten Reise steckt. Diese harte Realität, die Ford zeigt, macht den Westernmythos erst richtig glaubwürdig.
"Westlich von St. Louis" mag nicht so bekannt sein wie andere Ford-Klassiker, es ist aber definitiv einer sehr besten und schönsten Filme. Die Laufzeit mit 86 Minuten ist knackig kurz und trotzdem hat er hier ein feines Epos geschaffen.
Am Anfang des Films steht ein Banküberfall der Bande von Onkel Shilo Clegg (Charles Kemper), die aus ihm und seinen missratenen Söhnen (u.a. Hank Worden, James Arness) besteht. Mit der Schlußszene knöpft Ford wieder an die Brutalität dieser Banditen an, die irgendwann im Lauf der Handlung zu diesem Wagentreck stoßen.
Eine Gruppe von Mormonen, die von dem ruppigen Ältesten Elder Wiggs (Ward Bond) angeführt wird, hat vor den gefährlichen Weg durch den Westen zum Colorado River zu durchqueren. Ihr Ziel ist Utah, immerhin kann Wiggs die beiden jungen Pferdehändler Travis (Ben Johnson) und Sandy (Harry Carey jr,) als Wagenführer verpflichten. Unterwegs trifft der kleine Treck auf den Planwagen des Komödianten Dr. Hall (Allan Mowbray), der mit den Schauspielerinnen Miss Fleuretty (Ruth Glifford) und Miss Denver (Joane Dru) unterwegs war, als ihnen das Wasser ausging. Rettung in letzter Sekunde...die Komödianten sind ebenso wie die Mormonen in den aufstrebenden Städten des Wilden Westens nicht besonders willkommen. Daher schließen sich die Aussenseiter anderen Aussenseitern an und mit den Shilo Banidten kommt noch eine weitere Aussenseitergruppe hinzu. Zu guter Letzt treffen sie auch auf Navajo Indianer, die keine guten Erfahrungen mit dem weißen Mann gemacht haben, aber sich dann doch den Menschen des Trecks friedlich einigen, weil sie sich mit den Mormonen solidarisch zeigen wollen. Bei einer gemeinsamen Feier am Abend kommt es aber zu einer unschönen Begebenheit, denn einer von Shilos Söhnen wollte eine Indianerin (Movita Castaneta) vergewaltigen...

Ford beweist sich einmal mehr als großartiger Chronist amerikanischer Geschichte und setzt hier den einfachen Menschen sowie den Außenseitern dieser Zeit ein sehr schönes Denkmal. Ein bisschen erinnert die Romanze von Dallas und Denver an die Lovestory in "Ringo" - auch dort verliebt sich der Cowboy John Wayne in Dallas, gespielt von Claire Trevor,  eine Frau mit nicht gerade bestem Ruf. Dernnoch sind die beiden Meisterwerke grundverschieden. "Ringo" ist in seiner Dramaturgie stark an die Hauptfigur gebunden und daher ist die Handlung auch spannenden Höhepunkten unterworfen. "Westlich St. Louis" kommt ohne diese übliche Dramaturgie aus und die vielen Figuren werden ebenbürtig feinfühlig skizziert.


Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 25. November 2021

Der Teufelshauptmann (She wore a yellow ribbon)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Sie trug ein gelbes Band...

Leitmotiv von John Ford Klassikers "Der Teufelshauptmann" aus dem Jahr 1949 ist der populäre US-Militär Song "She wore a yellow ribbon", der sogleich auch der Originaltitel des Films ist. Nach dem düsteren Vorgängerfilm "Bis zum letzten Mann" (Fort Apache) war "Der Teufelshauptmann" der zweite Film von Fords "Kavallerietrilogie". Alle diese drei Filme sind ziemlich patriotisch angehaucht und die Armee wird auch liebevoll verklärt, besonders die US-Kavallerie. Die Feinde, Indianer auf dem Kriegspfad, kommen nicht immer so gut weg. Es waren Auftragsarbeiten für den legendären John Ford, weil er Kohle brauchte und er lieferte den Studios drei gute Blockbuster ab. Western wie man sie damals mochte: Gute Weiße, böse Indianer, viel Spannung. Wer sich daran nicht stört, der wird auch bei "Der Teufelshauptmann" bestens unterhalten. Es ist ein prächtiger Farbfilm und der lockerste und heitere der drei Filme. Die Geschichte zeigt John Wayne als Hauptmann kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand.
Die Geschichte spielt im Jahr 1976. Ein Schicksalsjahr für die US-Armee, denn erst vor kurzer Zeit fand die verheerende Schlacht am Little Big Horn statt, wo die Soldaten eine überraschende Schlappe gegen die Lakota Sioux, Arapaho und Cheyenne unter ihrer Führern Sitting Bull, Crazy Horse und Gall hinnehmen musste. Die Niederlage endete auch mit dem Tod des Befehlshabers General Custer, der durch die Aufteilung seines Regiments in kleinere Gruppen die Kampfeskraft schwächte.
Angesport durch diesen Sieg der Indianer macht man sich im eher unbedeutenden Fort Starke im Westen Sorgen. Denn auch dort wird registriert, dass sich Stämme plötzlich zusammenschließen, um im Kampf mit den weißen Eindringlingen siegreich zu sein. Dort verrichtet der angesehene Hauptmann Brittles (John Wayne) seinen Dienst. Er streicht jeden Tag - zu seinem Bedauern - einen Tag auf seinem Wandkalender weg. Nur noch 5 Tage - dann gehört er zum alten Eisen und wird auch heimatlos sein. Ja, die Armee war sein Zuhause. Brittles verlor Frau und Töchter – oft besucht er deren Gräber am Friedhof im Fort. In seinem Büro hat Brittles Bilder der verstorbenen Frau und Töchter platziert, umwickelt von einem gelben Band. Sehr nahe steht ihm der ungefähr gleichaltrige Sergeant Qinncannon (Viktor McLaglen), ein irischer Einwanderer, dessen Schlagkraft und Durst gleichermaßen gefürchtet sind und der ebenfalls nur noch 3 Wochen Soldat ist. Dann beginnt auch seine Pensionierung. Befehlshaber des Forts ist Major Alshard (George O´Brien), der sich aufgrund der aufgeheizten Stimmung bei den Indianern immer mehr Sorgen um seine Frau Abby (Mildred Natwick) und Nichte Olivia Dandridge (Joane Dru) macht. Sie sollen von der Patrouille bis zu einer Postkutsche eskortiert weden, die sie dann raus aus dieser unruhigen Gegend bringt.
Brittles bekommt den Auftrag die Frauen sicher zu eskortieren. Olivia selbst ist etwas enttäuscht, dass sie das Fort verlassen soll, denn sie war doch sehr heftig am Flirten mit den beiden Jungoffizieren Leutnant Cohill (John Agar) und Leutnant Penell (Harry Carey jr.). Sie trägt dieses gelbe Band im Haar. Es soll lt. traditionellem Brauch bei der Kavallerie signalisieren, dass sie ihr Herz bereits an einen Verehrer vergeben hat. Die Patrouille setzt sich in Gang und findet wenige Tage später die Station völlig zerstört vor. Damit ist klar, dass die Reisenden wieder umkehren müssen....

Auch wenn man oft schmunzeln muss, hat "Der Teufelshauptmann" ein eher trauriges oder melancholisches Leitmotiv. Es geht um Abschied. Dabei wird mit der Kavallerie ein Zuhause für einsame Männer geboten. Dort gibts auch Heldentum zu verzeichnen. Diese heroischen Taten werden von Ford oft in Szene gesetzt. So ist auch der Scout Sergeant Tyree, gespielt von Ben Johnson, ein Retter für einige Bewohner der Postkutschenstation. Ein schwerverletzter Soldat lässt es sich nicht nehmen selbst Meldung zu machen, obwohl er sich fast nicht mehr auf den Beinen halten kann. Dank der herausragenden Kameraarbeit von Winton C. Hoch ist der Film auch optisch ein Geniestreich, vor allem wegen seinen wunderbaren Farben. Er erhielt für seine Leistung verdient den Oscar. John Ford hat sich bei der Bildgestaltung versucht, sich an den Gemälden von Frederic Remington anzulehnen und zu orientieren. Dies verleiht dem Film eine gewisse Erhabenheit, egal ob die Kamera ein Gewitter zeigt oder einen stolzen Indianer am Monument Valley. 
 
Bewertung: 9 von 10 Punkten.