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Montag, 13. Dezember 2021

Weites Land (The Big Country)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: William Wyler

James McKay im Wilden Westen..

Kurz vor seinem größten Filmerfolg "Ben Hur" im Jahr 1959 drehte Regisseur William Wyler zwei Filme, die sich mit der amerikanischen Geschichte befassen. "Lockende Versuchung" aus dem Jahr 1956 war ein Drama, das in Indiana während des Bürgerkrieges spielte und bei dem 1958 entstandenen "Weites Land" handelt es sich sogar um einen echten Western. Allerdings ein Genrevertreter, der mit den gängigen Mustern und Klischees aufräumt und einen pazifistischen Anspruch erhebt. Dieser Mut zum Traditionsbruch macht bis heute den Reiz des Films aus. Man weiß nie, wie Gregory Peck ragiert und hat keine Ahnung wie die nächste Szene enden wird. Burl Ives wurde für seine Rolle als Rufus Hannassey sogar mit dem Oscar ausgezeichnet. Eine weitere Nominierung ging an den furiosen Soundtrack von Jerome Moross. Somit viel zu wenig Würdigung für diesen Hollywood Klassiker, dessen Kameramann Franz F. Planer eine perfektes Auge für die grandiosen Einstellungen hat, die das "weite Land" immer wieder spürbar werden lassen. Es zeigt sich dann eindrücklich wie klein der Mensch tatsächlich ist inmitten dieser fantastischen Natur.
Auch die Darstellerleistungen sind allesamt exzellent und nicht nur der ausgezeichnete Burl Ives, der in diesem Oscarjahr sogar noch eine weitere, mindestens gleich gute Rolle in Richard Brooks "Die Katze auf dem heißen Bleichdach" spielte. Gregory Peck als der Mann, den die Leute im wilden Westen für einen feinen Pinkel und auch für einen Feigling halten, agiert ebenso hervorragend. Ein Mann, der der Meinung ist, dass er nur sich selbst etwas beweisen muss, aber keinesfalls den Anderen.
So findet die berühmte Prügelszene mit Charlton Heston sozusagen auch unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Gregory Peck und Charlton Heston tragen ihren Faustkampf im Halbdunkel in der offenen Prärie aus. Planers Kamera bleibt dabei diskret auf Distanz.
James Mac Kay (Gregory Peck) kommt von der Ostküste der Vereinigten Staaten und ist als Sohn eines Reeders auch begeisterter Seemann. Als er dort die hübsche Patricia Terrill (Carroll Baker), die Tochter des Ranchers Major Henry Terrill (Charles Bickford) kennenlernt, ist es "Liebe auf den ersten Blick". Die beiden wollen unbedingt heiraten und so hat sich der Städter und feine Pinkel McKay entschlossen mit seiner zukünftigen Braut im Wilden Westen auf deren Vaters Ranch zu leben. Gleich bei der Ankunft mit der Postkutsche machen sich die wilden Hannassey Jungs (Chuck Connors, Chuck Hayward, Buff Brady und Jim Burke) lustig über den schicken Hut des Fremden, der ja überhaupt nicht zum Bild des Cowboys passt. So wird ihm und seiner Braut auch gleich aufgelauert, als die beiden von der Stadt zur Ladder Ranch fahren. McKay wird von den Rüpeln angegangen, doch der wehrt sich zum Entsetzen seiner Braut gar nicht. Im Gegenteil: Er findet diese Angelegenheit kaum der Rede wert. Auch will er partout nicht auf dem wilden Pferd "Old Thunder" reiten. Ein Ritual, dass der Vormann Steve Leech (Charlton Heston) jedem Neuling anbietet. Zur Belustigung aller soll er natürlich im Staub landen. Und bei McKay macht es Leech doppelt so viel Spass, denn schließlich hat der "Stutzer" ihm sein Mädchen vor der Nase weggeschnappt. Auch dort verweigert sich der sonderbare Mann aus dem Osten seinen männlichen Verpflichtungen. Der Braut ist aber diese Mannesehre schon wichtig. Insgeheim fürchtet Patricia, die sich nie von ihrem mächtigen Vater lösen könnte, dass ihr Zukünftiger ein Feigling sein könnte. Ganz anders denkt da ihre Freundin, die Lehrerin Julie Maragon (Jean Simmons). Sie ist die Besitzerin der Big Muddy Ranch. Ein kleines Anwesen mit ganz wichtiger Wasserstelle, wo auch der von Major Terrill gehasste Todfeind Rufus Hannassey (Burl Ives) sein Vieh tränken konnte. Durch den unschönen Zwischenfall, dem McKay und Patricia ausgesetzt waren, spitzt sich dieser uralte Konflikt der beiden Kontrahenten wieder zu. Denn der Major hat entschieden die Rüpel von seinen Männern verprügeln zu lassen. Währenddessen versucht sich McKay heimlich an "Old Thunder" und hat vor für seine schmollende Braut ein Hochzeitsgeschenk zu erwerben. Mit seinem Pferd und einem Kompass reitet er los...

Dieser Ausflug führt dann zu weiteren Missverständnissen und am Ende von "Weites Land" erreicht nicht nur die Feindschaft zweier Rivalen den Höhepunkt und auch das Ende. Auch die Karten in der Liebe wurden neu gemischt in diesem prachtvollen Film, der wie viele andere Klassiker zu den Meisterwerken des Ausnahmeregisseurs William Wyler gezählt werden muss. Mit einer Laufzeit von 165 Minuten lässt sich Wyler viel Zeit die Figuren vorzustellen, die alle sehr interessant und facettenreich dargestellt werden. "Weites Land" spielte in den USA 3,5 Millionen Dollar ein und erreichte damit Platz 10 der Kinojahrescharts. Das Filmdrehbuch enstand nach dem dem gleichnamigen Roman von Donald Hamilton.

Bewertung: 10 von 10 Punkten

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Das war der wilde Westen (How the West was won)


Regie: Henry Hathaway, John Ford und George Marshall

Die Eroberung des Weiten Landes...

In den USA war "Das war der Wilde Westen" der zweiterfolgreichste Kassenhit des Jahres 1963. Der Film kam auf ein phänomenales Einspielergebnis von 76 Millionen Dollar.
Produzent Bernard Smith stellte den aufwendigen Western Monunentalfilm für MGM und Cinerama her. Beide Produktionsfirmen entschieden, den Film im dreistreifigen Cinerama Format zu drehen. Da dieses 2.65_1 Cinerama Format nur für tiefgewölbte Leinwände vorgesehen war, zeigt die frühere 35mm Fernsehfassung sphärisch verzerrte Ränder und nur einen Bruchteil des eigentlichen Bildes. Die Stöße zwischen diesen drei Filmstreifen waren auch optisch deutlich erkennbar. Diese Fehler wurden nun in der DVD Veröffentlichung weitestgehend korrigiert.
Dennoch sieht man sofort, dass so ein Film die großen Kinoleinwände braucht. Um die riesige Länge dieses Kinobildes komplett zu zeigen, sind die schwarzen Balken unten und oben beinahe genauso groß wie das Bild selbst.
Mehrere Regisseure waren an dem Film beteiligt. Henry Hathaway drehte drei Episoden (Der Fluß, Der Planwagen, Die Desperados). John Ford war der Regisseur der Sequenz "Der Bürgerkrieg" und George Marshall war verantworlich für "Die Eisenbahn".
Neben den opulenten Bildkompositionen, die teilweise schon richtig begeistern können, hat auch die Musik eine tragende Rolle in dieser Saga der Pionierstage. So wurde der "Main Title" von Alfred Newman weltbekannt, auch der von Debbie Reynolds vorgetragene Song "A home in the meadows" (eine Abwandlung des alten Volksliedes "Greensleeves") trägt viel zu einer melancholischen bis sentimentalen Grundstimmung der Geschichte bei.
Bei der Oscarverleihung wurde der Film mit drei Trophäen (Bestes Originaldrehbuch, bester Schnitt und bester Ton) belohnt. In fünf weiteren Kategorien (Bester Film, Beste Kamera, Beste Ausstattung, Beste Kostüme, Beste Originalmusik) war er nominiert.
Für mich ist gleich die erste Sequenz "Am Fluß" die beste des ganzen Films. Sie zeigt die Immigranten auf dem beschwerlcichen Weg in den Wilden Westen. Eine dieser Familien sind die Prescotts. Vater Zebulon (Karl Malden) und Ehefrau Rebecca (Agnes Moorehead) werden eine Floßfahrt nicht mehr überleben, als sie in den falschen Flußarm abbiegen und in Stromschnellen geraten. Die beiden Töchter Eve (Carroll Baker) und Lilith (Debbie Reynolds) überleben. Eve heiratet den Waldläufer Linus (James Stewart) und wird Farmerin. Lilith findet als Barsängerin eine Anstellung und erbt eine kalifornische Goldmine. In "Der Planwagen" ist sie Teil eines Siedlertrecks, wird von zwei Männern (Gregory Peck, Robert Preston) umworben und muss viele Gefahren beim Überqueren des wilden Landes bestehen. Teil 3 ist dem Bürgerkrieg gewidmet. Ein vertrauliches Gespräch der Generale Grant (Harry Morgan) und Sherman (John Wayne) nach der Schlacht von Shilo wird von zwei Soldaten, die desertieren wollen - einer aus dem Norden /Richard Widmark), einer aus dem Süden (Russ Tamblyn) belauscht. Auch Zeb Rawlings (George Peppard), Sohn von Linus und Eve, will in den Krieg ziehen. Er gibt das Leben als Farmer auf. In Teil 4 wird er für die Eisenbahn arbeiten und erkennt immer mehr, dass die Indianer aus ihrem Land vertrieben werden. Doch ein Einsiedlerleben wie Jethro Stewart (Henry Fonda) wäre nichts für ihn. Deshalb heiratet er Julie (Carolyn Jones) und gemeinsam mit ihren Kindern treffen sie Tante Lilith wieder. Aber der Gangster Charlie Gant (Eli Wallach) hat noch eine Rechnung mit ihm offen...


 Der Film ist zwar überlang (ca. 160 Minuten) - wird aber dennoch nie langweilig. Ein Grund dafür ist weniger die Story, sondern vor allem durch die grandiosen Bilder, die tatsächlich ein Feeling des Vergangenen entstehen lassen. Der Wilde Westen - so hat man das Gefühl - steht für diese 2 1/2 Stunden von den Toten auf und der Zuschauer wird gefüttert mit Westernromantik und mit dem Mythos der Eroberung einer unbezähmbaren Natur. Alles an "Das war der Wide Westen" ist überlebensgroß gezeichnet.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

 

Donnerstag, 25. November 2021

Cheyenne (Cheyenne)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Die aussichtslose Reise nach Hause...

John Fords letzter Western "Cheyenne" ist sicherlich sein indianerfreundlichster Western. Dennoch kommt der epische und bildgewaltige Film nicht ganz an Fords Meisterwerke in diesem Genre wie "Der schwarze Falke", "Der Mann, der Liberty Valance erschoß", "Ringo" oder "Bis zum letzten Mann" heran. Dennoch ist auch diese selbstkritische Reflektion mit den Native Americans beachtlich. Während Ford in seinen früheren Filmen den Indianer immer als stolzen Krieger präsentierte, hat sich in dem 1964 entstandenen Spätwerk die Rolle vom Täter zum Opfer gewandelt. Er zeigt schonungslos das Leiden der Ureinwohner, sie wurden nach dem unterlegenen Kampf vertrieben, in den ihnen zugewiesenen Reservaten herrscht Armut und Hunger. Der systematische Völkermord nimmt seinen Lauf. Und Ford weist auch am Anfang bitter darauf hin, dass die hier gezeigten Ereignisse lediglich als kleine, wenig bedeutende Fußnote in den amerikanischen Geschichtsbüchern auftaucht. Im Jahr 1878 leben die Cheyenne in einem sehr unwirtlichen Reservat im "Indian Territory" in Oklahoma. Die Zwangsumsiedlung hat verursacht, dass von vielen 1000 Menschen nur noch 286 Überlebende existieren. Der Winter steht bevor und in dieser kargen Gegend bedeutet dies wieder für viele den sicheren Tod. So beschließt der Rest des erschöpften Stammes in ihre Heimat Yellowstone, in Montana zu den ehemaligen Jagdrevieren zurückzukehren. Unter der Führung der beiden Häuptlinge Dull Knife (Gilbert Roland) und Little Wolf (Ricardo Montalban) soll der anstrengende 1.500 Meilen Marsch gelingen. Begleitet wird die Gruppe von der engagierten Quäkerin Deborah Wright (Carroll Baker), die noch vor kurzem als Lehrerin im Fort die indianischen Kindern unterrichtet hatte. Der sehr vernünftige Captain Archer (Richard Widmark) von der US-Kavallerie hat die undankbare Aufgabe die Indianer aufzuhalten und wieder ins Reservat zurückzubringen. Dabei gibt es sowohl bei den Indianern als auch bei den Soldaten hitzköpfige Menschen. Der junge Krieger Red Shirt (Sal Mineo) will seine Waffe sprechen lassen, auch Lieutenant Scott (Patrick Wayne), dessen Vater von den Indianern getötet wurde, erhofft sich den Schlagabtausch mittels Waffengewalt. Archer erkennt die unmenschliche Aktion und versucht den US-Innenminister Carl Schurz (Edward G. Robinson) dazu zu bewegen sich für die Cheyenne einzusetzen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da die Presse von arglistigen und bösartigen Rothäuten berichtet und so weiterhin das Feindbild schürt. Auf dem Weg in die Heimat trennt sich aufgrund des großen Hungers der Stamm. Ein Teil sucht Hilfe im Fort. Dort verschlechtert sich die Lage der Cheyenne drastisch, da der befehlshabende Captain Wessels (Karl Malden) ganz stur darauf beharrt Befehle zu befolgen...


Der Film hat eine Laufzeit von 151 Minuten. In der Mitte des Films fügt Ford eine vergnügliche Sequenz, die in "Dodge City" spielt und mit den Gaststars James Stewart als Wyatt Earp, Arthur Kennedy als Doc Holliday und John Carradine als Richter Blair der tragischen Geschichte eine Art "Break" aufzwingt. Diese Szene spielt im Saloon und zeigt die drei Männer beim Pokern. Der Rest der Stadt ist völlig aus dem Häuschen, weil die Soldaten abziehen und man befürchtet, dass die Rothäuse auf Kriegspfad die Stadt angreifen könnten. Vier Siedler sprachen auch, dass sie von Rothäuten angegriffen wurden. Dabei weiß es der Zuschauer besser, denn diese vier Männer begegneten zwei Indianern, die die weißen Männer freundlich begrüßten und auf ihre leeren Mägen aufmerksam machten. Einer der Siedler nahm die Pistole und knallte einen der Cheyenne einfach ab. Der zweite floh. Auch wenn Wyatt die Angaben dieser Männer durchschaute, es gehört zum Tenor des Films, dass aus dem Mord keine Konsequenz erfolgt. Tatsächlich gibt es keine Hoffnung für ein sterbendes Volk.
Die Kameraarbeit von William H. Clothier ist dabei so gut, dass sie für einen Oscar nominiert wurde. Diese Leistung rückt den Film auch in die Kategorie eines bildgewaltigen Epos. Auch bei den Golden Globe Nominees des Jahres 1964 erfuhr "Cheyenne" eine Würdigung. Nebendarsteller Gilbert Roland ging als Bester Nebendarsteller ins Rennen, er unterlag allerdings Edmund O´Brien für John Frankenheimers "Seven Days in May".

Bewertung: 8 von 10 Punkten.