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Montag, 27. Dezember 2021

Meuterei am Schlangenfluß (Bend of the River)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Anthony Mann

An der Biegung des Flusses...

Anthony Manns erster Western mit James Stewart war der in düstere schwarz-weiß Bilder gekleidete "Winchester 73". Der Film wurde ein riesiger Erfolg und es folgten 4 weitere Universal Pictures Western dieses kreativen Gespanns. Schon der zweite Streich, der 1952 inszenierte "Meuterei am Schlangenfluß" erschien im prächtigsten Technicolor. Rückblickend gilt für alle diese Filme, dass die Bebilderung einfach perfekt ist und es nur wenige Western der 50er Jahre gibt, die die Kamera besser nutzten, um dem Zuschauer das weite, neue Land nahezubringen. Es gelang dem Regisseur vortrefflich die Wirklichkeit der abenteuerlichen und beschwerlichen Reisen und den starken Willen dieser Pioniere einzufangen und zu visualisieren. Man kann beinahe sogar den Scheiß und die Tränen spüren, die dieses Risiko der neuen Heimat in sich barg. Großartige Panoramaaufnahmen von Flüssen und Bergen (in Meuterei auf dem Schlangenfluß wurde am Columbia River und am Mount Hood gedreht) passen perfekt zu den angestrengten Bildmotiven der Siedler, die mit ihren Karren einen beschwerlichen Weg ans Ziel suchen. Dabei basiert Borden Chases Drehbuch auf zwei unterschiedliche Geschichten, die miteinander verbunden werden. Zum einen diese schwierige Reise einer Siedlerkaranwane und zum anderen die Geschiche zweier Männer, die sich treffen und die sich immer wieder gegenseitig das Leben retten. Dabei haben die beiden auch die gleiche dunkle Vergangenheit.
Der Waldläufer Glyn McLyntock (James Stewart) war in seinem früheren Leben ein gefürchteter Bandit, doch er hat sich verändert. So hat er jetzt die Aufgabe übernommen ein paar Siedlerfamilien, darunter Jeremy Baile (J. C. Flippen) mit seinen beiden Töchtern Laura (Julia Adams) und Marjie (Lori Nelson), nach Oregon zu führen. Während dieser Reise rettet McLyntock einem Mann (Arthur Kennedy) das Leben, der von einer Gruppe von Männern aufgehängt werden soll. Er soll ein Pferd gestohlen haben. McLyntock zieht diesem Emerson Cole in der letzten Sekunde den Hals aus der Schlinge und so schließt sich auch Emerson Cole dem kleinen Treck an. Sie meistern einen Indianerangriff und kommen glücklich in Portland an, wo die Reise in die neue Heimat bald weitergehen soll. #Von dem Händler Tom Hendricks (Howard Petrie) kaufen sie Saatgut, Obstbäume, Rinder, Pferde, Werkzeuge für einen guten und fairen Preis. Julie, die beim Indianerübefall verletzt wurde, setzt die Reise nicht fort und soll später - wenn die Waren von Hendricks zu dem neuen Land der Siedler geliefert werden sollen - nachkommen. Emerson Cole, der ebenso wie McLyntock eine Vergangenheit als Bandit hat, findet Gefallen am Stadtleben und bleibt in Portland. Marjie verguckt sich etwas in den jungen Revolverhelden und Spieler Trey Wilson (Rock Hudson). Doch Zeit für mehr als Flirt ist nicht drin, da die Siedler weitermüssen. Einen Teil des Weges können sie auf Captain Mellos (Chubby Johnson) Mississippi Dampfer absolvieren, dann gehts aber beschwerlicher weiter. Einige Monate später kommen aber Baile ernsthafte Zweifel ob die Ware tatsächlich geliefert wird. Versprochen war September, nun ist der Termin schon einen Monat überschritten und Schnee kündigt sich an. Ohne Lebensmittel sind die Siedler am Ende. McLyntock und der alte Baile machen den beschwerlichen Weg zurück nach Portland um nach dem Rechten zu sehen. Dort hat der Goldrausch den Ort und auch die Menschen völlig verändert...

Und schließlich kommt es auch irgendwann zum unausweichlichen Konflikt zwischen den beiden ehemaligen Banditen, von denen einer das alte Leben hinter sich lassen will und der andere immer Bandit bleiben wird und auch will. Ein bisschen ist die Geschichte auch von dem großartigen "Red River" von Howard Hawks abgekupfert. Sehr offensichtlich bei der Machart wie der Indianerüberfall inszeniert wird und später bei der Meuterei auf den Bergen, wo die beiden Freunde dann zu erbitterten Feinden werden. Genau wie John Waynes Figur Tom Dunson schwort auch der überwältigte McLyntock Rache bis in den Tod. Und genau wie Tom Dunson überwindet auch der Held in "Meuterei am Schlangenfluß" alle physischen Strapazen und schafft das Unmögliche. Er holt mit seinem eisernen Willen die Banditen unter der Führung von Cole Emerson wieder ein. Dann natürlich kommt es zum Showdown. Dabei erweist sich auch Arthur Kennedy als sehr guter Filmbösewicht. Der junge Rock Hudson ist in einer wichtigen Nebenrolle zu sehen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

 

Sonntag, 12. Dezember 2021

El Perdido (The Last Sunset)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Robert Aldrich

Das hübsche Mädchen im gelben Kleid...

Regisseur Robert Aldrich ließ kein gutes Haar an seinem 1961 gedrehten Film "El Perdido" (Original: The Last Sunset). Er gab zum einen die Schuld Kirk Douglas, der nicht nur der Hauptdarsteller war, sondern den Film auch mitproduzierte - und in dieser Eigenschaft mischte er sich oft in die Regie ein und soll den Film im Schnitt völlig zerstört haben. Auch mit Drehbuchautor Dalton Trumbo war Aldrich äusserst unzufrieden. Er warf ihm mangelnde Motivation vor. Trumbo, der berühmte amerikanische Drehbuchautor, gehörte in den späten 40er Jahren zur Gruppe der sogenannten Hollywood Ten - unter Berufung auf den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung weigerten sie sich vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe auszusagen. Als Konsequenz gabs Geld- oder Haftstrafen und Berufsverbot. Daher verbrachte er nicht nur einige Monate im Knast, sondern wurde auf eine schwarze Liste gesetzt. Trumbo musste jahrelang unter Pseudonym arbeiten. Er bekam zwar zwei Oscars für die besten Storys in "Ein Herz und eine Krone" und "Roter Staub" - aber sein Name wurde nie genannt. Erst Jahre später wurde seine Urheberschaft auch offiziell anerkannt. Durch den Einfluß des linksliberalten Superstar Kirk Douglas bekam er unter eigenem Namen Anfang der 60er Jahre wieder Arbeit. Auch Otto Preminger hatte Trumbo versprochen, ihn offiziell als Drehbuchautor für den Film "Exodus" zu nennen. Aldrich hatte das Gefühl Trumbo würde "El Perdito" vernachlässigen und sich viel mehr auf den Preminger Film zu konzentrieren.
Dennoch geht Aldrich mit seinem Film viel zu hart ins Gericht. Aldrich, der aus seiner Kritik am Hollywoodsystem nie einen Hehl machte, überzeugte durch unübliche kritisch-direkte Themen und brisante gesellschaftliche Fragen. Und so gestaltet ist auch dieser ungewöhnliche Western, dessen einzige Schwachstelle m.E. die Gesangseinlagen von Kirk Douglas mit einem mexikanischen Gesangstrio ist. Ansonsten ist das ein klasse Western, der reichlich unterbewertet in seinem Genre ist und als griechische Tragödie angelegt ist. Trumbos Drehbuch bietet schon einiges: Zum Beispiel eine Liebesgeschichte zwischen Vater und Tochter.
Das Grundgerüst der Geschichte ist allerdings in der Westernsparte weit verbreitet und beliebt. Ein Gesetzesmann und ein Bandit sind gemeinsam unterwegs. In dieser hindernisreichen Reise gibts viele Gefahren in der Gestalt von Banditen, Indianern, Naturkatastrophen und vor allem durch die zwei mitfahrenden Frauen.
Seit längerer Zeit wird der Herumtreiber, Revolverheld und Frauenheld Brendan O´Malley (Kirk Douglas) von einem gewissen Dana Stribling (Rock Hudson) verfolgt. Aus gutem Grund: Nicht nur dass er steckbrieflich gesucht wird, Stribling hat auch eine persönliche Rechnung mit O´Malley offen. Denn dieser hat Striblings Schwager ermordet und er gibt ihm auch die Schuld für den Selbstmord seiner Schwester. Doch inzwischen hat O´Malley mexikanischen Boden erreicht. Also offiziell ist der Haftbefehl dort ungültig. Dennoch gibt Stribling die Suche nicht auf. Er taucht auf der Ranch des alten und verbitterten Alkoholikers John Brekkenridge (Joseph Cotten) auf. Dieser hat eine große Rinderherde, die er über die Grenze nach Texas treiben lassen will. Er will dort mit seiner jüngeren Frau Belle (Dorothy Malone) und der 16jährigen Tochter Missy (Carol Lynley) eine neue Existenz aufbauen. Für den Treck kommt daher O´Malley wie gerufen. Und dieser ist nicht nur rein zufällig dort aufgetaucht. Denn Mrs. Brekkenridge war als junges Mädchen seine Geliebte. Bald taucht auch Stribling auf, der viel vom Viehtreck versteht und sich auch von dem Rancher engagieren lässt. So beginnt eine gefahrvolle Reise, wo die Reisenden alle ihre eigenen Absichten verfolgen. Am Ende soll ein Duell der beiden Kontrahenten stehen, denn O´Malley hat zwar versprochen mit nach Texas zu kommen. Aber von Stribling gefangen nehmen lassen wird er sich auf keinen Fall....

So steht am Ende dann wieder ein unausweichliches Duell von zwei grundverschiedenen Männern. Rock Hudson spielt den sensiblen Typen, der einem verwaisten Kalb wieder auf die Beine hilft. Kirk Douglas dagegen spielt einen innnerlich zerissenen Mann, der nur schwer seine Aggressionen im Zaun halten kann. Besonders wird dies in einer Szene sichtbar als er vor lauter Wut einen Hund würgt, um seinen Frust abzureagieren. Er hat aber vor ein neues Leben mit seiner damals angebeten Geliebten zu beginnen und geht mit Brekkenridge sogar eine Wette ein, dass er am Ende des Trecks nicht nur ein Fünfel der Herde will, sondern auch dessen Ehefrau bekommt. Mit schallendem  Gelächter geht der Rancher sogar auf diese ungewöhnliche Wette ein. Doch die Reise offenbart o´Malley die brutale Tatsache, dass auch Stribling eine Auge auf Belle geworfen hat...als die heranwachsende Tochter im gelben Kleid der Mutter erscheint, dass O´Malley von früher kennt und ihre Liebe gesteht, gibt er diesen Avancen begeistert nach. Doch die Tragödie offenbart sich erst im Schlußteil des Films. Ohne Perspektive geht O´Malley ins Duell. Und auch sein Kontrahent hat eine andere Seite des Verfolgten kenenngelernt und meint am Ende "Man kann keinen länger hassen, wenn man ihn erst näher kennt". Für beide Hollywoodstars bietet der Aldrich Film eine gute Rolle - am meisten beeindruckt jedoch die junge Carol Lynley, die man später noch in den beiden Preminger Filmen "Der Kardinal" und "Bunny Lake ist verschwunden" sah und hier als 16jährige Missy eine ganz starke Frauenfigur - trotz des jugendlichen Alters - verkörpert.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Samstag, 27. November 2021

Winchester 73


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Anthony Mann

Eine unter Tausend...

Das Unternehmen Winchester Repeating Arms Company entwickelt und baut seit 1860 in den USA Gewehre. Seit 1866 werden diese Repetiergewehre unter dem bekannten Markennamen Winchester vertrieben und verkauft. Schon in den Anfangsjahren wurden die vielen Modelle immer wieder mit dem Jahr der Entstehung gekennzeichnet: Winchester 66, Winchester 76, Winchester 86...die berühmteste von allen war die Winchester 73. Um dieses legendäre Gewehr geht es im gleichnamigen Film "Winchester 73" von Anthony Mann aus dem Jahr 1950. Mit diesem Western begann auch gleichzeitig die sehr konstruktive Zusammenarbeit des Regisseurs mit seinem Hauptdarsteller James Stewart. Nach dem Erfolgsfilm wurden vier weitere ähnlich konzipierte Western inszeniert.  1952 entstand "Meuterei am Schlangenfluß", es folgte ein Jahr später "Nackte Gewalt". Danach "Über dem Todespaß", den Schlußpunkt setzte "Der Mann aus Laremie". Dabei spielte Stewart eigentlich immer den Westerner, der bereits ein Bruch mit er Gesellschaft hinter sich hat und im Grunde nicht den typischen "guten Kerl" präsentiert, sondern einen Mann, der entweder von Rache oder Enttäuschung getrieben und emotionale, zum Teil auch materielle Anreize (Nackte Gewalt) für sein Handeln braucht. So gesehen hat dieses Western-Quintett auch einen gewissen Einfluss auf die Antihelden und Inhalte des Italo Western.  Im Jahr 1876 verfolgen die beiden Freunde Lin McAdam (James Stewart) und High Spade Frankie Wilson (Millard Mitchell) einen Mann, mit dem Lin noch eine Rechnung offen hat. Dieser Mann hat allerdings als Dutch Henry Brown (Stephen McNally) einen anderen Namen angenommen und hält sich seit kurzem in Dodge City, Kansas auf. Dort hat Wyatt Earp (Wll Geer) das Zepter in der Hand und sorgt mit strenger Hand für Gesetz und Ordnung. Anlässlich des 100sten amerikanischen Unabhängigkeitstags findet dort ein attraktives Wettschießen statt. Als Siegerprämie erwartet den Gewinner das legendäre Präzsisionsgewehr, die Winchester 73. Dementsprechend groß ist der Andrang der Teilnehmer. Lin trifft an diesem Tag seinen Todfeind, doch der Sheriff hat vorher allen Besuchern der Stadt die Waffen abgenommen. So muss die unvermeidliche Konfrontation warten. Lin gewinnt zwar das Schießen, doch er ist nicht lange Eigentümer der Waffe. Der Besitz der Waffe wechselt. Er fällt irgendwann auch einem Waffenhändler (John McIntire) in die Hände, später einem jungen Indianderhäuptling auf Kriegspfad (Rock Hudson) und für einige Minuten einem namenlosen jungen Soldaten (Tony Curtis). Lin macht derweil Bekanntschaft mit Lola Manners (Shelley Winters), deren Verlobten Steve Miller (Charles Drage) und dem Outlaw Waco Johnny Dean (Dan Duryea).  In einer atmosphärischen Felsenlandschaft entscheidet sich das Schicksal...


"Winchester 73" gehört zweifelsohne zu den ganz großen Western der Filmgeschichte. Die Kamera von Wiiliam H. Daniels ist sowohl dicht bei den Akteuren als auch der Präsentator eines weiten Landes, dass langsam von den Weißen erschlossen wird. Ebenfalls massgeblich am Erfolg beteiligt war der Drehbuchautor Borden Chase, der kurz vorher mit "Red River" eine hervorragende Drehbucharbeit ablieferte und später auch für "Meuterei am Schlangenfluß" und "Über dem Todespaß" verpflichtet wurde. Der ausgezeichnete Film über Rache und Gier ist bestens durchkomponiert, neben reichlich Spannung und Action kommen auch nicht die leisen Töne und eine differenzierte Charakterzeichnung zu kurz.

Bewertung: 10 von 10 Punkten.