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Sonntag, 8. Januar 2023

Der Mann ohne Furcht (Jubal)


Regie: Delmer Daves

Jubal...
 
Delmer Daves gilt als einer der großen Westernregisseure der 50er Jahre. Er drehte Genreklassiker wie "Der gebrochene Pfeil", "Der letzte Wagen", "Der Galgenbaum" oder "Zähl bis drei und bete" - Filme, die noch heute zu den besten Western aller Zeiten gezählt werden. Sein 1956 entstandener Film "Der Mann ohne Furcht" ist etwas weniger bekannt.
Er gilt als einer der eher raren erwachsenen Western der 50er Jahre und die Hauptrolle spielen diesmal nicht die gewohnten Schießereien oder Kämpfe mit Indianern. Auch das Gut und Böse Schema hat hier Zwischenstufen. Daves setzt auf eine Art Drama von Shakespeare...das sich aber im Wilden Westen abspielt.
Die Hauptfigur heißt Jubal Troop (Glenn Ford) und es ist einer der Cowboys, die einfach irgendwo auftauchen und durch ihre Anwesenheit für große Veränderungen sorgen. Aber Jubal ist kein Held wie Shane, der mit seinem Pferd vorbeireitet, dann für Ordnung sorgt und wieder weiterreitet. Jubal hat noch nicht mal mehr ein Pferd, als der Rancher Shep Horgan (Ernest Borgnine) ihn findet. Horgan nimmt den erschöpften Fremden mit aufs Pferd und bringt ihn in sein Haus. Dort lernt Jubal auch Mae (Valerie French), die junge Ehefrau von Shep kennen. Shep wird von seinen Arbeitern Pinky (Rod Steiger) oder Sam (Noah Beery jr) als der beste Chef bezeichnet. Tatsächlich pflegt Shep einen kollegialen Umgang mit seinen Männern. Er hat zwar eine raue Schale, wirkt manchmal etwas derb - aber er hat ein gutes Herz. So nimmt Jubal bei ihm eine Stellung als Cowboy an, obwohl er weiterziehen wollte. Denn er meint "ich ziehe immer irgendwo das Unglück an" und mit Pinky hat er gleich einen Feind in nächster Nähe. Mae macht ihm sofort klar, dass sie mit ihm ein Verhältnis eingehen will. Obwohl ihm die heißblütige Frau gefällt, gibt er ihr einen Korb. Denn Shep ist inzwischen so etwas wie ein echter Freund geworden. Es überrascht dann auch nicht, dass Jubal bald die stelle als Vorarbeiter bekommt. Shep vertraut Jubal vollkommen. Eines Tages tauchen christliche Siedler auf dem Land auf. Eine davon ist die hübsche Naomi Hoktor (Felicia Farr), die sich in Jubal verliebt...

In einer Nebenrolle ist guter Cowboy ist auch Charles Bronson zu sehen. Wenn schauspielerische Größen wie Ernest Borgnine und Rod Steiger tragende Rollen spielen, dann kann der Film natürlich nicht schlecht sein. Tatsächlich erweist sich "Der Mann ohne Furcht" als prächtiger Edelwestern mit dramatischer Struktur. Statt rauchenden Colts gibts vor allem Liebe, Begierde, Eifersucht und Intrigenspiele. Der Film spielte bei seinem Erscheinen in den USA ca. 1,8 Millionen Dollar ein.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

 

Samstag, 8. Januar 2022

Der schwarze Falke (The Searchers)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Auf der Suche...

"Der schwarze Falke" von John Ford ist neben Howard Hawks "Red River" und Fred Zinnemanns "12 Uhr mittags" sicherlich der beste klassische Hollywood Western. Unvergessen schon die erste Einstellung, die Kamera wandert vom Haus hinaus und gibt den Blick auf eine Wüstenlandschaft irgendwo in Texas frei. Jemand reitet auf das Farmhaus zu. Es ist Ethan Edwards (John Wayne), der Kriegsveteran des Bürgerkriegs. Der Krieg ist schon Jahre zu Ende, nun kehrt der verlorene Bruder heim. Auf der kleinen Farm lebt sein Bruder Aaron (Walter Coy) mit Frau Martha (Dorothy Jordan), den Kindern Lucy (Pippa Scott), Ben (Robert Lyden) und Nesthäkchen Debbie (Lana Wood). Ausserdem gehört Pflegesohn Martin Pawley (Jeffrey Hunter) zur Familie, der als Baby von Ethan gefunden wurde, nachdem die Indianer die Eltern getötet hatten und der geistig etwas zurückgebliebene Mose Harper (Hank Worden) . Das weite, wilde Land ist noch lange nicht erschlossen. Die nächsten Nachbarn sind der aus Schweden Stammende Lars Jorgensen (John Qualen) mit seiner Frau ( Olive Carey) mit den bereits erwachsenen Kindern Brad (Harry Carey Jr.) und Laurie (Vera Miles). Zwischen den beiden einsam gelegenen Farmen weit und breit nur Wildnis, erschwerend kommt hinzu, dass es Indianerland ist. Aus Blicken und Gesten erkennt der Zuschauer die tiefe, heimliche Zuneigung zwischen dem Heimkehrer Onkel Ethan und Martha. Am nächsten Tag formiert sich unter der Leitung von Reverend Samuel Johnson Clayton (Ward Bond) eine Bürgerwehr, bestehend aus den Jorgensens, den Edwards und weiteren Farmern der Gegend. Die Männer wollen Banditen, vielleicht auch Indianer verfolgen, die Vieh gestohlen haben. Ethan reitet anstelle seines Bruders Aaron mit, der bei der Familie bleiben und diese schützen soll, falls die Indianer tatsächlich auf dem Kriegspfad wären. Als die Männer irgendwann das tote Vieh entdecken ist klar, dass eine der Farmen im Umkreis überallen werden soll. Die Komantschen haben die Männer fortgelockt und tatsächlich wird die Ranch der Edwards vom Häuptling Scar (in der deutschen Fassung "Schwarzer Falke" gespielt von Henry Brandon) dem Erdboden gleich gemacht. Die beiden Mädchen Lucy und Debbie entführt, alle anderen werden tot aufgefunden. Als Ethan die brennende Ranch erreicht ruft er nach Martha, die er tot findet, vorher wurde sie brutal vergewaltigt. Danach zieht der hasserfüllte Ethan, besessen wie ein Kapitän Ahab aus "Moby Dick" auf der Suche nach den Mädchen kreuz und quer durch den Wilden Westen. Begleitet wird er von dem jungen Martin, der immer mehr erkennt, dass die Suche nur gemeinsam einen Sinn macht, da er merkt, dass Ethan von seinen fanatsichen Rachegedanken geleitet wird und damit das Leben der Verschleppten gefährdet. Zudem erweist sich Ethan als Indianerhasser..



John Ford drehte sein Meisterwerk im bekannten Monument Valley zwischen Utah und Arizona. Die markanten roten Sandsteinfelsen sind grandios einfangen, sie bieten sowohl einen majestätischen als auch einen ehrfruchsgebietenden Anblick. Diese unglaubliche Weite lässt die darin agierenden Menschen sehr verletzlich erscheinen. Es ist der ständige und tagtägliche Kampf ums Überleben spürbar.
Die Haupthandlung erzählt von einer obsessiven Suche. John Wayne spielt als Onkel Ethan die Rolle seines Lebens. Der unbeugsame Antiheld ist verzehrt von Haß und sein unversöhnlicher Rassismus treibt ihn an immer weiterzusuchen. 5 lange Jahre. Gemeinsam mit Martin, dem "Achtel Cherokee, der Rest ist walisisch und englisch" wie der junge Mann zu sagen pflegt. Die gemeinsame Odyssee verbindet die beiden unterschiedlichen Männer. Zuhause wartet Laurie auf Martin. In der Zeit schreibt er seiner Geliebten nur einen einzigen Brief und erzählt darin auch noch wie er bei den Indianern einen Teppich erstehen wollte und schließlich eine junge Squaw (Beluah Archuletta) für einen Hut ihrem Vater abgekauft hat. Mit diesen Szenen lockert John Ford den düsteren Hauptpart immer wieder auf. Der Zuschauer sieht die Freude bei den Jorgensens als innert von einem Jahr sogar ein zweiter Brief durch den Postboten Charlie McCorry (Ken Curtiz) zugestellt wird. Und wie Laurie an ihrem Martin immer wieder verzagt "er unterschreibt so förmlich mit Martin Pawley, warum kann er nicht einfach Martin schreiben". Dies führt auch zum Auftauchen der beiden Heimkehrer, kurz bevor Laurie aus lauter Verzweiflung vorhat Charlie McCorry zu heiraten. Als sich die beiden Kontrahenten prügeln, sieht man im Hintergrund eine begeisterte Laurie, die sehr geschmeichelt zu sein scheint, weil sich zwei Männer wegen ihr raufen.  "Der schwarze Falke" ist ein Film mit unvergessenen Filmszenen, etwa die als der Suchtrupp durch ein breites Tal reitet. Auf den Höhezügen rechts und links erscheinen in Kolonne die Najeki-Komantschen, die nun ihren Verfolgern als tödliche Eskorte folgen und nur der schnelle Ritt zum Fluß kann die fatale Umzingelung auflösen. Am Ende des brillianten Westernepos scheint der Zuschauer zu wissen, dass Ethan die kleine Debbie als unrettbar verdorben durch den Kontakt mit den Indianern hält. In einer Schlüsselszene des Films sitzen Ethan und der Häuptling Auge um Auge im Wigwam. Es wird nicht nur deutlich, dass auch "Scar" geliebte Menschen durch den Kampf zwischen Rot und Weiß verloren hat, sondern er sogar eine Art Spiegelbild von Ethan darstellt. Auch wenn Ethan Edwards, dieser besiegte Soldat in Friedenszeiten, immer wieder Kriegsschauplätze aufmacht und als Rassist auftritt - Ford gelingt es dennoch die Sympathie für den gebrochenen Charakter beim Publikum aufrechtzuerhalten. Vermutlich deshalb weil die Verzweiflung bei ihm viel tiefer sitzt als bei allen andern Figuren. Am Ende des Films kristallisiert sich der Narr Mose Harper sogar als der erfolgreichste Sucher heraus, er gibt Ethan den entscheidenden Hinweis. Mit diesem Ende wird auch ein brutaler Überfall auf das Indianerdorf gezeigt. Eine Szene zeigt einen Indianervater, der ganz schnell sein kleines Kind in Sicherheit bringen will, als die reitende Kavallerie ohne Rücksicht auf Verluste das Dorf niedermetzelt.
Sowohl Ford als auch Wayne waren der Ansicht, dass "The Searchers" der beste Film sei, den sie zusammen gedreht hatten. Deutsche Filmregisseure wählten den Ausnahmewestern 1995 zum besten Film aller Zeiten. Bei den Filmkritikern von "Sight and Sound" rangiert der Film auf Platz 7 der besten Filme aller Zeiten. Auch das American Film Institute wählte ihn auf Platz 12 der einflussreichsten und besten US-Filme. In der Best of Liste von "Cahiers du Cinema" belegt Fords Western mit den vielen Bedeutungen, Inhalten und Sinnebenen ebenfalls einen Top 10 Rang. Bei seinem Erscheinen war er ein guter Publikumserfolg, konnte aber keine einzige Oscar-Nominierung erhalten Kurioserweise gabs dann aber einen Golden Globe - die bekam John Waynes Sohn Patrick, der an der Seite seines Vaters den Grünschnabel Lt. Greehill spielen durfte. Die komisch angelegte Rolle brachte ihm den Preis als Bester Nachwuchsdarsteller ein. RocknRoller Buddy Holly nahm Ethans Spruch "That´ll be day" für seinen Song auf und landete damit einen Riesenhit in den Charts des Jahres 1957

Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Das Geheimnis der fünf Gräber (Backlash)


Regie: John Sturges

Auf der Suche nach dem Vater...

Regisseur John Sturges ist für viele tolle Westernklassiker verantwortlich. Sein bekanntester Western dürfte auf jeden Fall "Die glorreichen Sieben" sein. Sehr populär sind auch "Der letzte Zug von Gun Hill" oder "Zwei reichnen ab". Ab den frühen 50er Jahren begründete er seinen guten Ruf im Genre mit Werken wie  "Verrat in Fort Bravo" oder "Der Schatz des Gehenkten". 1956 realisierte er mit Hauptdarsteller Richard Widmark einen weiteren ungewöhnlichen Western: "Das Geheimnis der fünf Gräber". Dieser Film ist ein eher ungewöhnlicher Western, denn er wartet mit psychologischer Tiefe auf. Die Suche des Helden ist zwar kein ungewöhnliches Motiv des Genres, aber Jim Slaters Suche nach dem Mörder seines Vaters erweist sich als Trip zu seinen familären Wurzeln. Die ersten 10 Minuten gestaltet Sturges sehr ruhig und die Atmosphäre nimmt fast schon ein bisschen den Italo Western vorweg, so weitscheifend ist diese Auftakt Szene in den Bergen von Arizona konzipiert. Ein Reiter ist zu sehen, er wird von einem Mann auf dem Berg beobachtet, der sein Gewehr in die Hand nimmt. Der Reiter entpuppt sich als schöne Lady. Karyl Orton (Donna Reed) steigt ab und trifft dort bei einer Hausruine auf einen weiteren Mann. Es ist Jim Slater (Richard Widmark), der dort gerade versucht ein Grab zu öffnen. Als er auf die Bitte der Frau zu deren Pferd läuft, wird er von oben beschossen. Hat ihn die Fremde in eine Falle gelockt ? Er erledigt den Schützen, wird aber nun etwas vorsichtig und misstrauisch sein, obwohl ihm Karyl sehr gut gefällt. Bei der Untersuchung des Toten entdeckt er den Stern des Deputys. Er bringt den Leichnam zurück nach Silver City und wird informiert, dass der Tote zwei schießwütige Brüder (Robert J. Wilke/Harry Morgan) hat. Der Sheriff fordert ihn auf die Gegend zu verlassen. Aber das kann Jim nicht. Denn er will nach Jahren Antworten auf seine Fragen. Besagtes Grab ist eines von fünf im Tal. Diese 5 Männer fielen alle einem Indianerangriff zum Opfer. Der 6. Mann entkam angeblich mit 60.000 Dollar in Gold. Diesen Mann muss Jim unbedingt finden. Denn er geht davon aus, dass dieser Bösewicht seinen Vater an die Indianer ausgeliefert hat. Er vermutet seinen toten Vater in einem dieser Gräber. Auch Karyl vermisst ihren Mann und auch er könnte unter den Toten sein. In der nächsten Zeit versucht Jim Informationen herauszubekommen, es können drei der Männer identifiziert werden. Weiterhin unklar ist der Verbleib von Jims Vater und Karyns Ehemann. Immer wird die Suche zu einer Odyssee. Und die beiden werden auch noch in den Krieg der verfeindete Rancher Major Carson (Roy Roberts) und Jim Bonniwell (John McIntire) hineingezogen..

Als ungezügelter Revolverheld wird Richard Widmark noch mit dem jungen William Campbell konfrontiert, der den Johnny Cool spielt. Die Geschichte war so effektiv, dass sie später in vielen anderen Western wieder auftaucht - diese Suche des Sohnes, der sich gewzungen sieht seinen Vater oder eine Vater-Figur zu töten. "Das Geheimnis der 5 Gräber" darf für sich aber in Anspruch nehmen einer der ersten und besten dieser Ödipus Western zu sein. Das Drehbuch ist ausgezeichnet gestaltet. Borden Chase hat es geschrieben. Er hat auch drei Meisterwerke von Anthony Mann verfasst: "Winchester 73", "Meuterei am Schlangenfluß" und "Über den Todespass" gehen auf sein Konto. Richard Widmark in einer seiner besten Westernrollen, aber auch John McIntire als übler Bösewicht spielt einen tollen Part.

 Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Dienstag, 30. November 2021

Der letzte Wagen (The Last Wagon)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Delmer Daves

Comanche-Todd...

In den Jahren 1956 bis 1959 drehte Regisseur Delmer Daves (Die schwarze Natter, Der gebrochene Pfeil) insgesamt sechs Western: "Der Mann ohne Furcht", "Der letzte Wagen", "Cowboy", "Zähl bis drei und bete", "Geraubtes Gold" und "Der Galgenbaum". Alle sechs sind gute Beispiele für das Können des Regisseurs, mein Favorit ist wohl der 1956 gedrehte "Der letzte Wagen", der in De Luxe Color und Cinemascope gedreht wurde und optisch noch heute ein Wucht ist. Ausserdem ist die Geschichte spannend, hat Charme und präsentierte neben dem Topstar Richard Widmark eine ganze Reihe von jungen und unverbrauchten Filmgesichtern.
"Der letzte Wagen" kostete ca. 1,5 Millionen Dollar und spielte in den USA gleich viel in die Kasse. Er lief aber im Rest der Welt auch gut, was die Produzenten sicherlich sehr erfreute.
Ein Mann auf der Flucht, gejagt und gehetzt. Es ist ein gewisser Comanche Todd (Richard Widmark), der seit seinem 8. Lebensjahr bei den Komanchen lebte und nun von der Gebrüdern Harper gejagt wird. Diese Hatz geht auf Leben und Tod und zwei der Harper Brüder werden von den Verfolgten getötet. Nur einer, Sheriff Bull Harper (George Matthews) kann ihn schließlich verhaften. Der Sheriff beschuldigt Commanche Todd des Mordes an seinen Brüdern. Jäger und Gefangener schließen sich einer Karawane von Siedlern an, der von Colonel Normand (Douglas Kennedy) geführt wird. Unter den Reisenden ist auch die hübsche Jenny (Felicia Farr) mit ihrem jüngeren Bruder Billy (Tommy Rettig), Normands Töchter Jodie (Susan Kohner) und Valinda (Stephanie Griffin), der hitzköpfige Ridge (Nick Adams) und der ruhige Clint (Ray Stricklyn), der mit seiner Mutter und der kleinen Schwester reist.
Der Sheriff behandelt seinen Gefangenen sehr unmenschlich und brutal, was einigen des Trecks deutlich missfällt. Der kleine Billy freundet sich sogar mit ihm an. In der Nacht kommen die Jugendlichen auf die Idee den Treck zu verlassen, um im nahe gelegenen Fluß zu baden. Am anderen Morgen müssen sie schockiert feststellen, dass die Apachen den Treck überfallen haben. Niemand wurde verschont, alle sind tot. Nur Todd hat überlebt. Wohl oder übel müssen sie nun ihr Leben in dessen Hände geben, denn er ist der Einzige, der sie aus dem Kriegsgebiet der Apachen führen könnte....

Der Film zeigt, dass das Misstrauen der Jugendlichen langsam schwindet, weil so gar nichts von einem gemeinen Mörder in diesem Führer steckt. Im Gegenteil: Er rettet den Jugendlichen mehr als einmal das Leben. Richard Widmark überzeugt in der Rolle als tief in der Seele verletzter Trapper, der den Richter davon überzeugen kann, dass die Harpers seine Frau und seine beiden Söhne ermordet hatten. Ein klarer Justizirrtum und da ist Rache natürlich in Zeiten des Wilden Westens durchaus legitim. Der Held, der seine Familie gerecht hat, darf nun sein altes Leben hinter sich lassen und mit dem Mädel und ihrem kleineren Bruder ein neues Familienleben beginnen. All dies zeichnet beweist den Charme, die Naivität und die Schönheit dieses Westerns durchs wilde Apachenland. Kameramann war Wilfred M. Cline, ein Experte in Sachen Western (Die siebente Nacht, Zwischen zwei Feuern, Auf heißer Fährte).

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Samstag, 27. November 2021

Die letzte Jagd (The Last Hunt)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Richard Brooks

Satan im Sattel...

Schade, dass es noch immer keine deutschsprachige DVD des Westernklassikers "Die letzte Jagd" (Alternativtitel: Satan im Sattel) von Richard Brooks gibt. Denn er gehört zweifelsohne zu den besten und wichtigsten Arbeiten des Genres in den 50er Jahren. Richard Brooks schrieb vor seiner Karriere als Regisseur viele Drehbücher, darunter für die von der Kritik und Publikum gelobten Filme wie "Gangster in Key Largo", "Rächer der Unterwelt", "Im Kreuzfeuer" oder "Zelle R 17". 1950 wagte er sich auch auf den Regiestuhl - er produzierte seine Filme und bestand auch darauf, das Drehbuch zu verfassen oder mitzuwirken. Daher darf man Richard Brooks als einen der klassischen Vertreter des Autorenfilms bezeichnen. Er realisierte Filme wie "Die Saat der Gewalt", "Mädchen ohne Mitgift", "Die Brüder Karamasow", "Die Katze auf dem heißen Blechdach", "Elmer Gantry", "Kaltblütig" oder "Auf der Suche nach Mr. Goodbar".
Neben "Die letzte Jagd" drehte er noch zwei weitere einflussreiche Western. "Die gefürchteten Vier" kam sogar zu einer für einen Western seltenen Oscar-Nominierung als bester Film. An der Kinokasse erfolgreich war auch sein 1975 gedrehter Western "700 Meilen westwärts". "Die letzte Jagd" endete mit einem Verlustgeschäft, obwohl der Film sowohl in den USA als auch in Europa ein Kinoerfolg wurde und über 3 Millionen Dollar weltweit einspielte. MGM hatte da ein viel besseres Geschäft erwartet. Kein Wunder, denn Richard Brooks erklärte den Mißerfolg wie folgt "Die meisten Länder weigern sich, Tiermassaker zu zeigen. Sie schneiden systematisch die zu gewalttätig erscheinenden Szenen. Mein Film baute auf diese Gewalttätigkeit auf, denn nur so konnte ich sie anprangern. Brooks wollte mit seinem ambitionierten Westen dem Publikum klarmachen, wie sinnlos es war, für ein paar Dollar Tiere abzuschlachten, die die einzige Nahrung für die Indianer waren. Ausserdem wurde die Mentalität der Amerikaner in Frage gestellt, denn gerne mal ihre Waffe nehmen und einfach im Wald ein Tier jagen, egal ob Hirsch oder Ente. Man kann sich dann vorstellen wie widerwillig der Zuschauer im Publikum dieses Szenario sieht, weil er sich in diesen Büffeljägern wiedererkennt.
Geschichtlich ist es erwiesen, dass aber in Amerika fünfzehn Millionen Büffel einfach abgeschossen wurden - Hauptgrund war das Hauptnahrungsmittel der Indianer auszurotten.
So sehr die Bilder von Kameramann Russell Harlan die Schönheit des Wilden Westens zeigen, so sehr entgegengesetzt und destruktiv ist diese letzte Jagd, die in Brooks Film beschrieben wird.
Sandy McKenzie (Stewart Granger) ist müde, er ist berühmt und berüchtigt als Büffeljäger, doch immer mehr plagt ihn sein Gewissen und er ist des Tötens überdrüssig geworden. Er hat auch schon längst mit dem Beruf abgeschlossen, aber so einfach ist das nicht. Denn es fehlen ihm die finanziellen Mittel sein Leben als Farmer weiterzuführen. Deshalb kann ihn auch der ehemalige Soldat Charlie Gilson (Robert Taylor) überreden, noch einmal eine großangelegte Büffeljagd mitzumachen. Als Tierhäuter werben die beiden Männer den alten Woodfoot (Lloyd Nolan) und das junge Halbblut Jimmy (Russ Tamblyn) an. Sehr schnell merken die anderen drei, dass Gilson die Türe aus reinem Jagdfieber, aus reiner Lust tötet. Er sagt auch einmal "Wenn man tötet, beweist man dass man lebt und dass man stark ist". Als einige Indianer die Pferde stehen wollen, jagt Gilson ihnen nach und tötet sie gnadenlose. Ein Indianermädchen (Debra Paget) und ein Baby überleben das Massaker. Gilson nimmt die beiden mit und sieht die junge Frau als sein Eigentum, über die er bestimmen kann. Dies führt zu weiteren Spannungen mit Sandy, der sich ebenfalls für die Indianerin interessiert. Da Gilson Indianer nicht leiden kann, ist auch die Beziehung zum jungen Jimmy gestört, ebenso nerven Gilson die sarkastischen Sprüche von Woodfoot. Eines Tages entdecken die Männer einen seltenen weißen Büffel. Gison tötet ihn, damit wird die Stimmung immer brenzliger...

 
Robert Taylor hat hier eine sehr starke Rolle als Psychopath, der langsam immer paranoider und wahnsinniger wird. Eine Warnung von Woodfoot nimmt er nicht ernst, als dieser ihm prophezeit, dass die Lust zum Töten zur Sucht wird und auch zum Untergang und Tod führt "Der Büffel bekommt dich eines Tages. Er bekommt alle, die so sind wie du, erst wirst du wahnsinnig und dann bekommt er dich".
Insgesamt ist der Film aber auch großartig besetzt. Alle Akteure spielen sehr glaubwürdig und die Figuren sind vor allem nie eindimensional. Großes Lob daher auch an Stewart Granger, Lloyd Nolan, Debra Paget und Russ Tamblyn.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.