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Mittwoch, 5. Januar 2022

Zwei ritten zusammen (Two Rode Together)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: John Ford

Der schwarze Falke 2....

Wenn man die Genialität von John Fords Meisterwerk "Der schwarze Falke" zu schätzen weiss, dann flacht der 5 Jahre später entstandene enge Verwandte "Zwei ritten zusammen" doch merklich ab.
Warum ? Die Thematik ist zwar ähnlich, wird aber nicht (und das ist die Schwäche des Films) konsequent genug umgesetzt.
Dennoch ist "Zwei ritten zusammen" kein schlechter Western, er hat sogar einige Szenen, die bemerkenswert und atmosphärisch gut gelungen sind.
Das Thema ist vor allem psychologisch sehr interessant. Wie verändern sich Menschen, die aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden und ab sofort gezwungen sind, sich in einem anderen Kulturkreis zurecht zu finden.
Im Wilden Westen kam es vor, dass Indianer ihre Gefangenen (vor allem Kinder, meistens Jungen) leben ließen und sie aufzogen. Manchmal wurden Frauen verschleppt, die dann irgendwann Squaw eines Kriegers wurde.
Die Neubürger, die den wilden Westen besiedelten, mussten damit klar kommen, dass ihre Familienmitglieder weg waren, wahrscheinlich gar nicht mehr am Leben waren. Aber die Hoffnung trieb diese Menschen dazu an, nach ihren verlorenen Kindern oder Frauen zu suchen.
In "Der schwarze Falke" sucht Ethan Edwards, der Onkel von zwei von den Komantschen entführten Mädchen, jahrelang nach den Verschleppten. Begleitet wird er von dem besonnenen Martin Pawley, der in dem Indianerhass seines Onkels eine große Gefahr sieht, wenn die Mädchen tatsächlich gefunden werden. Wird Ethan diese Mädchen, die zu Indianerinnen wurden, auch annehmen können.
John Wayne spielte den Ethan Edwards und er hat als Suchender eine starke emotionale Motivation.
Die ist bei den beiden suchenden Männern in "Zwei ritten zusammen" eher nicht gegeben. Für First Lieutenant Jim Gary (Richard Widmark) ist es vor allem ein Befehl von seinem Vorgesetzten Major Frazer (John McIntire). Er sieht abr zumindest einen Sinn darin, die verschleppten Familienangehörigen von Richter Edward Purcell (Paul Birch) und dessen Tochter Marty (Shirley Jones) oder von Reverend Henry Clegg (Ford Rainey) zu suchen. Denn Purcells Sohn, der als kleines Kind entführt wurde und Cleggs Frau könnten vielleicht noch leben. Und eine Familienzusammenführung eine Art Happy End nach jahrelanger Verzweiflung und Trauer. Da ist Marshall Guthrie M. Cabe (James Stewart) viel realistischer. Er hält es für keine gute Idee nah Weißen zu suchen, die seit Jahren vermisst werden und die höchstwahrscheinlich auch schon die Mentalität der Rothäute angenommen haben. Ausserdem ist der Marshall einer der nur dann ins Indianergebiet geht, wenn dafür auch viel Profit herausspringt. Ein Mann also mit gutem Geschäftssinn und der für diesen gefährlichen Spaziergang ins Gebiet der Komantschen besonders geeignet ist, weil er die Indianer kennt und auch den Häuptling Chief Quanah Parker (Henry Brandon). Nur zögerlich lässt er sich überreden gemeinsam mit seinem Freund Jim diese Mission auszuführen. Im Lager der Indianer treffen sie tatsächlich auf Weiße. Der junge Indianer Running Wolf (David Kent) will aber gar nicht zurück und Cleggs Frau weigert sich sogar mitzukommen, obwohl der Häuptling dem Tausch mit Gewehren zustimmt. Im Lager treffen die Beiden auf den kriegerischen Stone Calf (Woody Stroode), dessen Squaw (Linda Cristal) ebenfalls eine weiße Frau (Mexikanerin) ist. Ohne Stone Calfs Wissen tauscht der Häuptling auch die Frau. Dann beginnt der gefährliche Ritt zurück ins Fort. Noch dramatischer wird aber das Wiedersehen mit den Verschollenen. Es kommt zu katastrophalen Konflikten..

James Stewart, der einen korrupten Sympathieträger spielt und Widmark als sein Freund bestreiten in "Zwei ritten zusammen" sehr viele Dialoge.
Der Stoff würde mehr Spannung versprechen, aber Ford amüsiert sich eher über die zwei Labertaschen und öfters verliert das Hauptthema dadurch an Aufmerksamkeit.
Stewart und Widmark, die zwar verschiedene Ansichten haben und sich trotzdem mögen - da wird in dem Film einfach zuviel gequatscht.
Auch der Höhepunkt "das Entdecken der Verschleppten" wird eher locker und beiläufig inszeniert, ein bisschen fehlt da die Dramatik.
Der Schlussplot (die Verwechslung des Heimgeholten und sein unausweichliches Schicksal) kommt allerdings wie ein Hammerschlag und durch eine Spieldose aus der Kindheit wird die Herkunft des Indianerjungen gelüftet. Dies ist eine sehr starke Szene. Weitere Auflockerung in dem ernsten Thema sind die Gefühle des Marshalls für die hübsche Mexikanerin.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Montag, 27. Dezember 2021

Meuterei am Schlangenfluß (Bend of the River)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Anthony Mann

An der Biegung des Flusses...

Anthony Manns erster Western mit James Stewart war der in düstere schwarz-weiß Bilder gekleidete "Winchester 73". Der Film wurde ein riesiger Erfolg und es folgten 4 weitere Universal Pictures Western dieses kreativen Gespanns. Schon der zweite Streich, der 1952 inszenierte "Meuterei am Schlangenfluß" erschien im prächtigsten Technicolor. Rückblickend gilt für alle diese Filme, dass die Bebilderung einfach perfekt ist und es nur wenige Western der 50er Jahre gibt, die die Kamera besser nutzten, um dem Zuschauer das weite, neue Land nahezubringen. Es gelang dem Regisseur vortrefflich die Wirklichkeit der abenteuerlichen und beschwerlichen Reisen und den starken Willen dieser Pioniere einzufangen und zu visualisieren. Man kann beinahe sogar den Scheiß und die Tränen spüren, die dieses Risiko der neuen Heimat in sich barg. Großartige Panoramaaufnahmen von Flüssen und Bergen (in Meuterei auf dem Schlangenfluß wurde am Columbia River und am Mount Hood gedreht) passen perfekt zu den angestrengten Bildmotiven der Siedler, die mit ihren Karren einen beschwerlichen Weg ans Ziel suchen. Dabei basiert Borden Chases Drehbuch auf zwei unterschiedliche Geschichten, die miteinander verbunden werden. Zum einen diese schwierige Reise einer Siedlerkaranwane und zum anderen die Geschiche zweier Männer, die sich treffen und die sich immer wieder gegenseitig das Leben retten. Dabei haben die beiden auch die gleiche dunkle Vergangenheit.
Der Waldläufer Glyn McLyntock (James Stewart) war in seinem früheren Leben ein gefürchteter Bandit, doch er hat sich verändert. So hat er jetzt die Aufgabe übernommen ein paar Siedlerfamilien, darunter Jeremy Baile (J. C. Flippen) mit seinen beiden Töchtern Laura (Julia Adams) und Marjie (Lori Nelson), nach Oregon zu führen. Während dieser Reise rettet McLyntock einem Mann (Arthur Kennedy) das Leben, der von einer Gruppe von Männern aufgehängt werden soll. Er soll ein Pferd gestohlen haben. McLyntock zieht diesem Emerson Cole in der letzten Sekunde den Hals aus der Schlinge und so schließt sich auch Emerson Cole dem kleinen Treck an. Sie meistern einen Indianerangriff und kommen glücklich in Portland an, wo die Reise in die neue Heimat bald weitergehen soll. #Von dem Händler Tom Hendricks (Howard Petrie) kaufen sie Saatgut, Obstbäume, Rinder, Pferde, Werkzeuge für einen guten und fairen Preis. Julie, die beim Indianerübefall verletzt wurde, setzt die Reise nicht fort und soll später - wenn die Waren von Hendricks zu dem neuen Land der Siedler geliefert werden sollen - nachkommen. Emerson Cole, der ebenso wie McLyntock eine Vergangenheit als Bandit hat, findet Gefallen am Stadtleben und bleibt in Portland. Marjie verguckt sich etwas in den jungen Revolverhelden und Spieler Trey Wilson (Rock Hudson). Doch Zeit für mehr als Flirt ist nicht drin, da die Siedler weitermüssen. Einen Teil des Weges können sie auf Captain Mellos (Chubby Johnson) Mississippi Dampfer absolvieren, dann gehts aber beschwerlicher weiter. Einige Monate später kommen aber Baile ernsthafte Zweifel ob die Ware tatsächlich geliefert wird. Versprochen war September, nun ist der Termin schon einen Monat überschritten und Schnee kündigt sich an. Ohne Lebensmittel sind die Siedler am Ende. McLyntock und der alte Baile machen den beschwerlichen Weg zurück nach Portland um nach dem Rechten zu sehen. Dort hat der Goldrausch den Ort und auch die Menschen völlig verändert...

Und schließlich kommt es auch irgendwann zum unausweichlichen Konflikt zwischen den beiden ehemaligen Banditen, von denen einer das alte Leben hinter sich lassen will und der andere immer Bandit bleiben wird und auch will. Ein bisschen ist die Geschichte auch von dem großartigen "Red River" von Howard Hawks abgekupfert. Sehr offensichtlich bei der Machart wie der Indianerüberfall inszeniert wird und später bei der Meuterei auf den Bergen, wo die beiden Freunde dann zu erbitterten Feinden werden. Genau wie John Waynes Figur Tom Dunson schwort auch der überwältigte McLyntock Rache bis in den Tod. Und genau wie Tom Dunson überwindet auch der Held in "Meuterei am Schlangenfluß" alle physischen Strapazen und schafft das Unmögliche. Er holt mit seinem eisernen Willen die Banditen unter der Führung von Cole Emerson wieder ein. Dann natürlich kommt es zum Showdown. Dabei erweist sich auch Arthur Kennedy als sehr guter Filmbösewicht. Der junge Rock Hudson ist in einer wichtigen Nebenrolle zu sehen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

 

Freitag, 17. Dezember 2021

Der Mann von Laramie (The Man from Laramie)


Regie: Anthony Mann

Auf der Suche nach dem Mörder...

Leider wurde "Der Mann aus Laramie" aus dem Jahr 1955 zur letzten gemeinsamen Arbeit von Regisseur Anthony Mann und seinem Hauptdarsteller James Stewart. Erstmalig nutzte Mann dabei das Cinemascope Verfahren. Damit sahen die herrlichen Landschaftsaufnahmen in Technicolor, die man schon in "Meuterei am Schlangenfluß", "Nackte Gewalt" und in "Über den Todespass" bewundert konnte noch großartiger aus. Leider kam es bei dem nächsten geplanten Projekt "Die Uhr ist abgelaufen" zum Bruch zwischen Mann und Stewart. Filmhistorisch kann man aber auf fünf der besten Western der Filmgeschichte blicken, der mit dem noch in düsteren schwarz weiß Bildern gedrehte "Winchester 73" begonnen hatte.
Auch hier spielt James Stewart einen Mann, der von Rache getrieben wird. Er hat aber diesmal keine düstere Vergangenheit vorzuweisen oder schon einen gesellschaftlichen Bruch machen müssen...Will Lockhart (James Stewart) wird deshalb zum Rächer, weil er den Mörder seines Bruders sucht. Zwar wurde der von den Indianern massakriert, aber Lockhart sucht den skrupellosen Waffenhändler, der dem Indianerstamm Repetiergewehre verkauft hat. Durch diese frevelhaften Geschäftemacher verlor er sein Leben. Als Captain der US-Armee aus Laramie ließ er sich auf unbestimmte Zeit beurlauben und führt eine Warenkolonne nach New Mexiko. Dort in der Nähe des Städtchens Coronado muss das Verbrechen geschehen sein. In der ersten Szene erreicht er mit seinen Männern, darunter der alte Halbindianer Charley O´Leary (Wallace Ford),  dieses Schlachtfeld und die Kamera schenkt über einen beeindruckenden Horizont. "Wir haben zwar kaum 10 Worte während der Reise miteinander geredet, aber ich vertraue ihnen" sagt dieser alte Trapper zu dem Mann aus Laramie, von dem er vermutet, dass er in einer geheimen Mission unterwegs sein könnte. Im Ort selbst lernt er die hübsche Ladenbesitzerin Barbara Waggoman (Kathy O´Donnell) kennen, die Nichte des alten Ranchers Alec Waggoman (Donald Crisp), dem das ganze Land und vermutlich auch die Stadt gehört. Dieser hat einen völlig missratenen Sohn Dave (Alec Nicol), der Lockharts Maulesel tötet und die Wagen in Brand steckt, als dieser ausserhalb der Stadt Salz aufladen will. Alecs Vorarbeiter Vic Hansboro (Arthur Kennedy) kommt in letzter Sekunde dazu und kann Dave bändigen. Er empfielt dem Fremden aber so schnell wie möglich wieder die Stadt zu verlassen. Der alte Alec Waggoman begleicht Lockharts Schaden und gibt ebenfalls zu verstehen, dass Fremde hier in Coronado nicht willkommen sind. Der indianische Angestellte (John War Eagle) von Barbara, die mit Vic liiert ist, aber auch mit Will ein bisschen flirtet, benimmt sich auch reichlich verdächtig und ein anderer Mann (Jack Elam) beobachtet Will, der immer mehr in die Nähe der Waffenhändler rückt. Mit Kate Canaday (Aline MacMahon), der resoluten Nachbarin von Waggoman, findet er immerhin eine Verbündete...

Einmal mehr begeistert Anthony Mann mit dieser beleibten Geschichte eines Mannes, der von irgendwoher kommt und am Ende auch wieder irgendwohin geht, einer der verzweifelt seinen inneren Frieden versucht mit dem Rachegedanken zu stillen. Diesen Typus hat James Stewart immer genial gespielt. Er ist als Will Lockhart ein ruhiger und besonnener Westernheld, der keinen Streit sucht und sich friedlich umsieht. Aber wenn er bedroht ist, wird er zum gefährlichsten Mann des Wilden Westens. Unvergessen die Szene, in der James Stewart von zwei Cowboys festgehalten wird, während ihm Alex Nicol als Dave die Hand durchschießt. Das Geheimnis des Erfolgs liegt auch in der guten Besetzung von Stewarts Widersachern. Da wäre einmal ein übergroßer Patriarch, gespielt von Donald Crisp (So grün war mein Tal), der langsam sein Augenlicht verliert und an seinem ichschwachen Sohn verzweifelt. Immer wieder wird er von dem gleichen bösen Traum geplagt, das ein Mann in die Stadt kommt, der seinen Dave dann erschießt. In Lockhart meint er diesen Mann aus seinem Traum zu erkennen. Auch Arthur Kennedy als Vic ist wie bereits schon in "Meuterei auf dem Schlangenfluß" ein für Stewart ebenbürtiger Kontrahent. Ein toller Filmschurke, der nicht ins Schema "Nur böse" passt und auch gefühlsorientierte Motive für sein Handeln abliefert, warum er ins Verbrechen ableitet. Kathy O´Donnell ist wie in ihren anderen Filmrollen bezaubernd und vielleicht ist sie am Ende ja auch frei für Will, der vielleicht wiederkommt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Montag, 13. Dezember 2021

Der Mann, der Liberty Valance erschoß (The Man who shot Liberty Valance)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Legenden und Mythen des Wilden Westen...

"Der Mann, der Liberty Valance erschoß" von John Ford enstand 1962 - im gleichen Jahr wie Sam Peckinpahs "Sacramento" (Ride the High Country). Beide Filme begründen den Spätwestern, denn die alten Zeiten des Wilden Westens sind vorbei. Erhalten hat sich neben den müde gewordenen Helden und vor allem ein wehmütiger Blick auf die Vergangenheit. Denn die hat Legenden und Mythen erschaffen, die irgendwann zu Wahrheiten wurden. John Ford stellt dieses Phänomen in Frage und zeigt dem Zuschauer und macht den Mechanismus durchschaubar. Doch statt einer Demontage ist es eine der schönsten Liebeserklärungen für den Western, wenn das Bild des wegfahrenden Zuges, in den der Mann, der Liberty Valance sitzt, den Schlußpunkt setzt.
Es ist Senator Ransom "Ranse" Stoddard (James Stewart) mit seiner Frau Hallie (Vera Miles). Doch die Wahrheit ist anders: Ransoms Freund Tom Doniphan (John Wayne), der gerade in der kleinen Grenzstadt Shinbone beerdigt wurde, hat den Banditen Valance aus dem Hinterhalt erschossen. Er kann dies begründen mit der höheren Gerechtigkeit und hat aber den ungeschriebenen Ehrenkodex des Wilden Westens "Auge und Auge" gebrochen. "Es war glatter Mord, aber ich kann damit gut leben" wird Doniphan einmal in der Geschichte zu Stoddart sagen, der bisher annahm, dass er tatsächlich mit viel Glück das ungleiche Duell gegen Liberty Valance auf den Straßen von Shinbone für sich entschieden hat. Entschieden hat er dadürch auch, dass er - der Anwalt - das Mädchen bekommt, dass auch Doniphan liebte.
Aber die melancholische Geschichte fängt ganz anders und sehr hart an. Und sie wird von Stoddard, inzwischen angsehener Senator im Rückblick erzählt, denn der Chefredakteur der Lokalzeitung will um jeden Preis wissen, warum der berühmte Politiker zu der Beerdigung des unbekannten Tom Doniphan kommt. Und Stoddard fängt zu erzählen an: Als junger Mann reist Ransom Stoddard in einer Postkutsche in Richtung Westen. Er kommt von der Ostküste und will sich im Weiten Land niederlassen. Doch die Reise endet in Shinbone, denn die Kutsche wird von Liberty Valance (Lee Marvin) und seinen Männern (Lee van Cleef, Strother Martin) überfallen. Als Stoddard eine Frau verteidigt, wird er von dem Banditen beinahe zu Tode geschlagen. Schwerverletzt wird er von Doniphan gefunden und dessen Freund Pompey (Woody Stroode) gefunden und in die nächste Stadt Shinbone gebracht. Die junge Hallie (Vera Miles), die im Wirtshaus von von Peter (John Qualen) und Nora Ericson (Jeanette Nolan) arbeitet, kümmert sich um den Verletzten Mann. Eigentlich müsste Sheriff Link Appleyard (Andy Devine) den Verbrecher verhaften, aber er ist ein Hasenfuß und so werden die Banditen weiterhin in der Gegend ihr Unwesen mit Raub und Schlägereien treiben können. Auch macht sich der Herausgeber der Lokalzeitung Dutton Peabody (Edmond O´Brien) bei Liberty unbeliebt, weil er unverfälscht über die Geschehnisse im Umkreis berichtet. Über die Macht der Viehbarone und über deren Verstrickungen zu den Banditen. Liberty Valance hat es ausserdem immer wieder auf Stoddard abgesehen, er weiß genau, dass dieser mit seinen Gesetzesbüchern keinen Stich gegen ihn - den großen Revolverhelden - machen kann. Die Waffen der Gerechtigkeit und des geltenden Rechts versagen, so stellt sich der schießunerfahrene Stoddard dennoch zum ungleichen Duell. Der Bandit fällt tot zu Boden. Stoddard wird umjübelt - er wurde Sieger im Duell und hat Liberty Valance besiegt. Eine Legende wird geboren...

"Der Mann, der Liberty Valance erschoß" ist der vorletzte Western des großen John Ford und für mich sein zweitbester nach "Der schwarze Falke". An diesem Film stimmt alles - großen Anteil am Erfolg hatte sicherlich das perfekt herausgearbeitete Drehbuch von James Warner Beelah und Willis Goldbeck. Der Score von Cyril C. Mockridge und Alfred Newman verströmt eine gewisse Sentimentalität, die aber sehr gut zum Thema "Glorifizierung längst vergangener Zeiten" passt und etwas Wehmut vermittelt. Ausserdem wie so oft eine großartige Leistung des Kameramanns William H. Clothier, der hier wunderschöne schwarz-weiß Bilder erschuf.
Getragen wird dieser herrliche klassiker aber von den hervorragenden Schauspielerleistungen von John Wayne und James Stewart. Die beiden Westerntitanen liefern hier ganz starke Rollen ab. Zudem sind auch die Nebenrollen mit Vera Miles, Lee Marvin, Woody Stroode, Andy Devine oder John Carradine perfekt besetzt.

 Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

 

Sonntag, 12. Dezember 2021

Die Uhr ist abgelaufen (Night Passage)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: James Neilson

Zugfahrt mit Akkordeon und 10.000 Dollar...

Nach den großen Erfolgen mit "Winchester 73" (1950), "Meuterei auf dem Schlangenfluß" (1952), "Nackte Gewalt" (1953), "Über den Todespass" (1954) und "Der Mann aus Laramie" (1955) sollte es 1957 zur 6. Zusammenarbeit von James Stewart und Anthony Mann in Sachen Western kommen. Doch es kam ganz anders. Da Anthony Mann vom Drehbuch von Borden Chase überhaupt nicht angetan war, kam es zum Bruch zwischen ihm und James Stewart, der sich in den Kopf gesetzt hatte, von dem ganz harten Typen mit krimineller Vergangenheit abzuweichen und stattdessen einen softeren Mann mit einem Faible für das Akkordeonspielen spielen zu wollen. Als Sänger und Musiker gibt er dann auch einige Westernsongs im Film zu Besten, einer davon ist dramaturgisch sehr wichtig, da das Lied von der Eisenbahn handelt und es das Lieblingslied des verstorbenen, gottgläubigen Vaters dieses Filmhelden Grant McLaine (James Stewart) war. Anthony Mann fand diese musikalischen Einlagen  "Follow the River" und "You can´t get far without a Railroad" eher lächerlich und so ging eine der kreativsten Kooperationen der 50er Jahre zwischen Darsteller und Regisseur zu Ende. Anthony Mann wurde durch den unbekanntenJames Neilson ersetzt. Der Zuschauer bekommt allerdings die Möglichkeit sich von den geringen Gesangstalent von James Stewart zu überzeugen. So gesehen hat der Film auch liebenswerte und kuriose Anteile.
Wie schon die Mann/Stewart Western glänzt aber auch "Die Uhr ist abgelaufen" mit tollen Aufnahmen. Der Film wurde in Durango. Colorado gedreht und überzeugt in den sattesten Technicolor-Technirama Farben.
Eine Vergangenheit hat Grant McLaine, der singende Waldläufer mit seinem Akkordeon, natürlich auch. Aber viel weniger spektakulär. Er wurde lediglich vor 5 Jahren von der Eisenbahngesellschaft fristlos gefeuert, weil er sich dem Verdacht aussetzte, dass er an einem Überfall auf die Eisenbahn beteiligt gewesen sei. Er sollte damals den Banditen Utica Kid (Audie Murphy) verfolgen und gefangennehmen. Doch statt der Verhaftung, verhalf er diesem sogar mit einem Pferd zur erfolgreichen Flucht. Was man nicht für die Familie alles tut...im Laufe des Films wird sich herausstellen, dass Grant McLaine und Utica Kid Brüder sind. Der Film beginnt mit idyllischen Bildern vom Lager der streckenarbeiter. Grant McLaine animiert die Menschen dort mit seiner Musik zum Tanzen. Doch die Idylle ist trügerisch. Der Bandit Whitey Harbin (Dan Duryea) hat schon zum dritten Mal den Zug mit den Lohngeldern für die Arbeiter ausgeraubt. Deshalb bekommt McLaine auch eine Nachricht von der Baugesellschaft. Er soll wieder für die Eisenbahn arbeiten. Ben Kimball (Jay C. Flippen) und dessen jüngere Frau Verna (Elaine Stewart) vertrauen Grant McLaine die Lohngelder in Höhe von 10.000 Dollar an. Der soll sie als Zuggast sicher zu den Arbeitern bringen. Da er kurz zuvor Joey Adams (Brandon de Wilde) das Leben gerettet hat, schließt sich dieser Junge McLaine an. Dabei wird bald klar, dass der Junge schon einmal in der Gewalt von Whiteys Gang war und auch einen Utica Kid kennt, der die rechte Hand des Banditenbosses sein soll. Und dann kommt es auch schon zum Überfall auf den fahrenden Zug...

Der Film floppte an der Kasse und auch Anthony Mann ließ kein gutes Haar an dem Film. Er meinte, dass die Geschichte so unzusammenhängend gewesen wäre, dass der Zuschauer rein gar nicht davon verständen hätte. Dies ist natürlich schon etwas übertrieben. Im Vergleich zu den Mann/Stewart Western fehlt zwar ein bisschen die Dramatik, aber insgesamt bietet auch "Die Uhr ist abgelaufen" gute Spannung und ein schönes Westernfeeling. Audie Murphy als missratener Bruder mit einer soliden Leistung, dafür war Dan Duryea als Bösewicht auch schon mal schillernder. Es gibt auch ein Wiedersehen mit dem damals 15jährigen Brandon de Wilde, der 1953 mit der Rolle des Joey Starrett in "Mein großer Freund Shane" berühmt wurde und leider mit 30 Jahren am 6. Juli 1972 im Alter von 30 Jahren bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückte. Ein dramaturgischer Fehler am Ende wäre natürlich Anthony Mann nicht passiert. Charlotte Drew (Dianne Foster), die heimliche Freundin von Utica Kid wirkt relativ unbeteiligt beim Showdown und dessen Folgen. Das wirkt sehr unlogisch und auch unglaubwürdig.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Der Mann vom großen Fluß (Shenandoah)


Regie: Andrew V. McLaglen

Patriarch und Pazifist....

Der britsche Regisseur Andrew V. McLaglen war der Sohn des oscarpreisgekrönten Schauspielers Victor McLaglen und ist vor allem bekannt, weil er sehr in der späten Phase von John Wayne dessen Filme inszenierte. Durch seinen Vater, ein Freund von Wayne, kam er schon als Jugendlicher mit dem Film in Berührung, bekam zuerst kleine Rollen und später arbeitete er als Regieassistent für John  Ford, William A. Wellmann oder Budd Boetticher. 1963 übernahm er die Regie von "MacLintock" und der Western sollte sein favorisiertes Genre bleiben. Er führte Regie in "Der Weg nach Western", "Bandolero" oder "Geier kennen kein Erbarmen" - sein vielleicht größter Kassenerfolg erzielte er in der Hochphase des Söldnerfilm-Genres mit "Die Wildgänse kommen". Es folgten ähnliche Streifen wie "Die Seewölfe kommen", "Sprengkommando Atlantik" oder "Steiner - das eiserne Kreuz 2".
Einer seiner beliebtesten Filme ist sicherlich "Der Mann vom großen Fluß" (im Original "Shenandoe) und zeigt James Stewart in einer seiner Paraderollen als verwitweter Farmer Charlie Anderson. Seiner sehr früh verstorbenen Frau hat der Patriarch versprochen, seine sechs Söhne Jacob (Glen Corbett), James (Patrick Wayne), Nathan (Charles Robinson), John (Jim McMullan), Henry (Jim McIntire)und Boy (Philip Alford) sowie seine einzige Tochter Jennie (Rosemary Forsyth) zu gottesfürchtigen Christenmenschen zu erziehen. So ist es Pflicht jeden Sonntag zum Gottesdienst zu gehen - auch wenn die Andersons mit schöner Regelmässigkeit zu spät kommen. Sehr zum Leidwesen von Pastor Bjoerling (Denver Pyle). Eine echte Bedrohung wird zunehmend der Bürgerkrieg zwischen Süd- und Nordstaaten. Charlie als Patriot für Virginia ist aber dennoch ein entschiedener Gegner der Sklaverei, so hat er sich bisher immer aus dem Krieg und den Schlachten heraushalten können, obwohl vor allem sein Ältester Jacob für den Süden kämpfen würde. James ist als einziger der Jungs bereits verheiratet, seine hübsche Frau Ann (Katherine Ross) ist schwanger. Tochter Jennie ist verliebt in den Konföderiertenoffizier Sam (Doug McClure), der bald um ihre Hand anhält. Immer näher kommt der Krieg an die Farm heran. Eines Tages findet Boy am Fluß eine Südstaatensmütze, die er einfach aufsetzt, weil sie ihm gefällt. Diese Mütze der Rebellen wird dann bei einer Waschbärjagd mit seinem dunkelhäutigen Freund Gabriel (Eugene Jackson jr.) zum Verhängnis. Er wird von Nordstaatlern gefangen genommen und verschleppt. Damit ist die Neutralität der Familie Anderson beendet. Gemeinsam mit dem Vater machen sie die Söhne und die Töchter auf, den Jüngsten zu suchen. Zuhause bleiben nur James und Ann..


Der Originaltitel Shenandoe  bezieht sich auf den gleichnamigen Fluß. MacLaglens Film galt 1965 sogar als ein Statement gegen den Krieg, angesichts des beginnenden Vietnamkrieges. Doch irgendwann kann die Neutralität nicht mehr gehalten werden - eben dann, wenn der Verbund der Familie in Gefahr gerät. Der vor allem auf den Western spezialisierte Kameramann William H. Clothier liefert natürlich die passenden Bilder des Familiendramas während des Sezessionskriegs. Clothier wurde zweimal völlig zu Recht für den Oscar nominiert, konnte jedoch weder für "The Alamo" noch für "Cheyenne" den begehrten Filmpreis gewinnen. Weitere überzeugende Arbeiten lieferte er für "Im Höllentempo nach Fort Dobbs", "Der Siebente ist dran", "Der Mann, der Liberty Valance erschoß", "Die Gewaltigen" oder "Die fünf Vogelfreien" ab. Der Film ist an einigen Stellen ein bisschen sentimental ausgefallen, aber die Story ist gradlinig und spannend und von McLaglen routiniert inszeniert. Rosemary Forsyth bekam sogar den Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin. Es gibt auch ein erfreuliches Wiedersehen mit Philip Alford, der in "Shenandoe" den Boy spielt. Alford bleibt unvergessen in der Rolle als Jem Finch in "Wer die Nachtigall stört"


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Das war der wilde Westen (How the West was won)


Regie: Henry Hathaway, John Ford und George Marshall

Die Eroberung des Weiten Landes...

In den USA war "Das war der Wilde Westen" der zweiterfolgreichste Kassenhit des Jahres 1963. Der Film kam auf ein phänomenales Einspielergebnis von 76 Millionen Dollar.
Produzent Bernard Smith stellte den aufwendigen Western Monunentalfilm für MGM und Cinerama her. Beide Produktionsfirmen entschieden, den Film im dreistreifigen Cinerama Format zu drehen. Da dieses 2.65_1 Cinerama Format nur für tiefgewölbte Leinwände vorgesehen war, zeigt die frühere 35mm Fernsehfassung sphärisch verzerrte Ränder und nur einen Bruchteil des eigentlichen Bildes. Die Stöße zwischen diesen drei Filmstreifen waren auch optisch deutlich erkennbar. Diese Fehler wurden nun in der DVD Veröffentlichung weitestgehend korrigiert.
Dennoch sieht man sofort, dass so ein Film die großen Kinoleinwände braucht. Um die riesige Länge dieses Kinobildes komplett zu zeigen, sind die schwarzen Balken unten und oben beinahe genauso groß wie das Bild selbst.
Mehrere Regisseure waren an dem Film beteiligt. Henry Hathaway drehte drei Episoden (Der Fluß, Der Planwagen, Die Desperados). John Ford war der Regisseur der Sequenz "Der Bürgerkrieg" und George Marshall war verantworlich für "Die Eisenbahn".
Neben den opulenten Bildkompositionen, die teilweise schon richtig begeistern können, hat auch die Musik eine tragende Rolle in dieser Saga der Pionierstage. So wurde der "Main Title" von Alfred Newman weltbekannt, auch der von Debbie Reynolds vorgetragene Song "A home in the meadows" (eine Abwandlung des alten Volksliedes "Greensleeves") trägt viel zu einer melancholischen bis sentimentalen Grundstimmung der Geschichte bei.
Bei der Oscarverleihung wurde der Film mit drei Trophäen (Bestes Originaldrehbuch, bester Schnitt und bester Ton) belohnt. In fünf weiteren Kategorien (Bester Film, Beste Kamera, Beste Ausstattung, Beste Kostüme, Beste Originalmusik) war er nominiert.
Für mich ist gleich die erste Sequenz "Am Fluß" die beste des ganzen Films. Sie zeigt die Immigranten auf dem beschwerlcichen Weg in den Wilden Westen. Eine dieser Familien sind die Prescotts. Vater Zebulon (Karl Malden) und Ehefrau Rebecca (Agnes Moorehead) werden eine Floßfahrt nicht mehr überleben, als sie in den falschen Flußarm abbiegen und in Stromschnellen geraten. Die beiden Töchter Eve (Carroll Baker) und Lilith (Debbie Reynolds) überleben. Eve heiratet den Waldläufer Linus (James Stewart) und wird Farmerin. Lilith findet als Barsängerin eine Anstellung und erbt eine kalifornische Goldmine. In "Der Planwagen" ist sie Teil eines Siedlertrecks, wird von zwei Männern (Gregory Peck, Robert Preston) umworben und muss viele Gefahren beim Überqueren des wilden Landes bestehen. Teil 3 ist dem Bürgerkrieg gewidmet. Ein vertrauliches Gespräch der Generale Grant (Harry Morgan) und Sherman (John Wayne) nach der Schlacht von Shilo wird von zwei Soldaten, die desertieren wollen - einer aus dem Norden /Richard Widmark), einer aus dem Süden (Russ Tamblyn) belauscht. Auch Zeb Rawlings (George Peppard), Sohn von Linus und Eve, will in den Krieg ziehen. Er gibt das Leben als Farmer auf. In Teil 4 wird er für die Eisenbahn arbeiten und erkennt immer mehr, dass die Indianer aus ihrem Land vertrieben werden. Doch ein Einsiedlerleben wie Jethro Stewart (Henry Fonda) wäre nichts für ihn. Deshalb heiratet er Julie (Carolyn Jones) und gemeinsam mit ihren Kindern treffen sie Tante Lilith wieder. Aber der Gangster Charlie Gant (Eli Wallach) hat noch eine Rechnung mit ihm offen...


 Der Film ist zwar überlang (ca. 160 Minuten) - wird aber dennoch nie langweilig. Ein Grund dafür ist weniger die Story, sondern vor allem durch die grandiosen Bilder, die tatsächlich ein Feeling des Vergangenen entstehen lassen. Der Wilde Westen - so hat man das Gefühl - steht für diese 2 1/2 Stunden von den Toten auf und der Zuschauer wird gefüttert mit Westernromantik und mit dem Mythos der Eroberung einer unbezähmbaren Natur. Alles an "Das war der Wide Westen" ist überlebensgroß gezeichnet.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

 

Montag, 29. November 2021

Nackte Gewalt (The Naked Spur)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Anthony Mann

Leichen pflastern seinen Weg...

Der amerikanische Filmkritiker Leonard Maltin bezeichnete Anthony Manns Film "Nackte Gewalt" aus dem Jahr 1953 als einen der besten Western aller Zeiten und diesem hohen Lob möchte ich mich uneingeschränkt anschließen. Lange vor dem Siegeszug der Italowestern, die irre Kopfgeldjäger bei der Jagd zeigten, machte auch Mann Filme über diese wahnsinnigen Westerner, die von Geldgier aber auch von Rache angetrieben werden. Auch "Nackte Gewalt" erzählt von diesen Männern und leistet sich darüberhinaus die Eigenheit, dass in der Geschichte kein einziger richtigen Sympathieträger auftaucht. Mal abgesehen von dem jungen Mädchen, das den flüchtigen Banditen bekleitet. So wird der Film auch zu einer perfekten Charakterstudie, weil sich die Figuren der Geschichte gegenseitig misstrauen, sich beobachten, sich gegenseitig herausfordern und zuerst noch subtil und dann immer offensichtlicher bekämpfen müssen. Jeder der Männer hat eine dunkle Seite und auch eine Schwäche. Auch wird dieser Weg nach Abilane zum Ziel und er offenbart immer wieder grimmige Kommentare, die für einen Western seiner Zeit höchst ungewöhnlich waren. Vielleicht ist "Nackte Gewalt" sogar noch vor "Winchester 73" DAS Westernmeisterwerk des großartigen Anthony Mann.
Howard Kemp (James Stewart) ist so ein Kopfgeldjäger, auch wenn er sich lieber unter dem Deckmantel von Gesetz und Ordnung verstecken würde. Er hat einen weiten Weg von Kansas hinter sich und ist dem Banditen Ben Vangerdroat (Robert Ryan) auf der Spur. Auf den Kopf des Gesetzlosen gibt es eine üppige Prämie von 5.000 Dollar. Soviel wie Kemp braucht um seine Ranch zurückzukaufen, die er wegen einer betrügenden Frau verlor. Als der den alten Goldsucher Jesse Tate (Millard Mitchell) aufspürt, bedroht er diesen zuerst mal mit seiner Waffe und gibt sich als Sheriff aus, der auf der Jagd nach dem Banditen ist. Er bietet dem alten Waldläufer 20 Dollar, wenn der ihm bei der Ergreifung des Gesuchten etwas behilflich ist. Dieser Vandergroat hat sich auch schon ganz in der Nähe auf einer Anhöhe verschanzt und kann Steine auf seine Verfolger herabwerfen. Von den Schüssen alarmiert wird auch der degradierte Offizier Roy Anderson (Ralph Meeker) auf den Kampf aufmerksam. Der Mann, der wegen einer Affäre mit einer Indianerin unehrenhaft aus der Armee entlassenw wurde, wird so ebenfalls zu Kemps Helfer. Es gelingt den drei Männern den Banditen zu überwältigen. Zur Überraschung aller ist er nicht allien, er wird von der jungen Lina Patch (Janet Leigh) begleitet. Doch nun kommt erst noch der gefährliche Teil der Reise. Einerseits ist keinem der Beteiligten wirklich zu trauen, weil keiner sich in die Karten schauen lässt. Dies macht sich der manipulativ geschickte Gefangene zunutzte und versucht die drei, die sich nun das hohe Lösegeld teilen müssten, gegeneinander aufzuwiegeln. Andererseits nahen auch schon die Krieger der Schwarzfußindianer in der nächsten Waldlichtung...

Man merkt sehr schnell, dass James Stewart wie immer bei Mann einen an sich guten Mann spielen muss, der aber durch seine Vorgeschichte seine eigenen Gespenster jagt und irgendwie mit der Gesellschaft gebrochen hat. Und auch sein jetziges Unterfangen, bei dem auch seine weniger schönen Charaktereigenschaften zum Tragen kommen, wird sich immer mehr als katastrophales Fiasko herausstellen. Die allerstärkste Szene ist der Blick von Kemp auf das gerade eben hinterlassene Schlachtfeld im Wald, wo 12 Indianer tot auf dem Boden liegen. Dabei hatten die Krieger allen Grund dem Offizier zu stellen, denn wie sich herausstellt hat dieser die Indianerin vergewaltigt. Da aber Anderson im Hinterhalt versteckt ist, was die anderen nicht wissen können, wird die zuerst friedliche Begrüßung mit den Rothäuten schnell zur ultimativen Schlacht. Auch in vielen weiteren Szenen geht Mann nicht zimperlich um, die Gewalt ist allgegenwärtig, selbst als sich die junge Lina eher von ihrem Begleiter abwendet und sich mehr zu Kemp hingezogen fühlt. So muss sich der Kopfgeldjäger auch sich entscheiden, ob die Liebe einer Frau stärker wiegt als die Belohnung. Doch vorher pflastern noch weitere Leichen den beschwerlichen Heimweg.
James Stewart mit einer seiner besten Schauspielleistungen, sein Howard Kemp ist einer dieser verzweifelten Männer und Pioniere, die wie Ethan Edwards aus "Der schwarze Falke" die verflucht sind etwas zu suchen, von dem sie gar nicht wissen, was es denn genau ist.


Bewertung: 10 von 10 Punkten

Sonntag, 28. November 2021

Über den Todespass (The Far Country)


Regie: Anthony Mann

Zwischen Skagway und Dawson...

Nachdem "Winchester 73", "Meuterei am Schlangenfluß" und "Nackte Gewalt" große Publikumserfolge wurden. ließ die 4. erfolgreiche Zusammenarbeit des Regisseurs Anthony Mann mit seinem Zugpferd James Stewart nicht lange auf sich warten. "Über den Todespaß" aus dem Jahr 1954 wurde der 4. Western der Beiden und mit "Der Mann aus Laramie" sollte das Quintett noch komplettiert werden. Beim 6. Projekt "Die Uhr ist abgelaufen" kam dann der Bruch. Anthony Mann war vom Drehbuch überhaupt nicht überzeugt und wurde dann durch den Neuling James Neilson ersetzt.
Insgesamt gelang es dem Duo aber mit ihren Arbeiten grandiose Meilensteine des Genre zu entwerfen. "Über den Todespaß" zeigt vor allem eindrucksvoll das Zusammenspiel von Mensch und Natur. In keinem anderen seiner Western spielt die Auseinandersetzung der Figuren mit der Landschaft aus Berg und Fels eine so tragende Rolle wie in diesem Film. Der Held führt dabei einen genauso verzweifelten wie später triumphierenden Kampf gegen die Herausforderung der unbändigen Wildnis.
Interessant auch die Figur des Jeff Webster, gespielt von James Stewart, der im Laufe der Handlung sich entwickeln muss und auch neue Erkenntnisse für sich gewinnen kann.
Der Film spielt 1896 in Alaska zur Zeit des legendären Klondike Goldrauschs. Jeff Webster kommt mit seiner Herde Rinder von Wyoming nach Seattle. Dort sollen die Tiere nach Skagway verschifft werden. Diese Stadt in Alaska ist für die vielen Goldgräber ein wichtiger Stützpunkt und Ausgangspunkt über White und den Chilkoot Pass. Auch Jeff will dort mit seinem treuen Freund Ben Tatum (Walter Brennan) nicht nur die Herde gewinnbringend verkaufen sondern auch unter die Goldsucher gehen. Doch beinahe wird er auf dem Dampfer nach Skagway noch wegen Mordes verhaftet. Doch die hübsche Saloonbesitzerin Ronda Castle (Ruth Roman) versteckt ihn. So gelingt es ihm sich gegen die Verhaftung zu widersetzen. Er muss aber auch bei der Ankunft in Skagway zu einem Trick greifen. Mit Nachdruck treibt er die Herde aus dem Schiff und er treibt die Tiere durch die Hauptstaße der Stadt, ohne zu ahnen, dass in diesem Augenblick eine Hinrichtung stattfinden soll, die durch Jeff und die Rinder empfindlich gestört wird. In der Stadt herrscht der selbsternannte Richter und Geschäftemacher Gannon (John McIntire), der Jeff für diese Ordnungswidrigkeit ins Gefängnis steckt und bestrafen wird. Sein Urteil lautet die Einziehung von Jeffs Vieh. Um nicht gehängt zu werden, muss Jeff wohl akzeptieren. Dabei war die Viehherde das Kapital für ihn und seinen Freund für ein Schürfrecht im Goldgebiet von Dawson. Später kann er durch einen Trick seine Tiere wieder bekommen, doch Gannon und seine Männer verfolgen ihm bis zur kanadischen Grenze. Im kanadischen Dawson lernt er viele nette Leute kennen. Die junge Französin Renee Vallon (Corinne Calvet) verliebt sich in ihn. Aber mit Ronda kommt starke Konkurrenz in der Ort. Auch Gannon taucht dort auf und versucht den Leuten mit Furcht und Schrecken die Goldminen wegzunehmen...

 Dabei ist Jeff zunächst ein Mensch, der nur sich selbst vertraut und auch egoistisch seine eigenen Ziele verwirklichen will. Der einzige Mensch, dem er etwas vertraut ist seinem alten Freund Ben, der nicht nur gerne Kaffee trinkt, sondern auch gerne quasselt. Er wird aber im Laufe der Geschichte seine Sichtweise auf die Menschen ändern. Dies geschieht aber nicht von alleine, sondern er wird durch die Realität dazu gezwungen. Einge Szenen sind großartig. So ist auch die Landschaft immer sehr grandios eingefangen, sie strahlt aber gleichzeitig auch immer eine bedrohliche Komponente aus. Beispielsweise als eine Lawine zur tödlichen Gefahr wird. Auch der Moment als Jeff und Ben bei der Flucht über den Fluß plötzlich von Banditen beschossen werden ist sehr gut gelungen. Hinzu kommt die Szene mit dem Jeffs Pferd, dass von den Gangstern deshalb im Dunkel identifiziert wird, weil ein Glöckchen am Sattel befestigt ist, dass man hört. Die Kamerafahrt zeigt die Beine des reiterlosen Pferdes. Dann fährt die Kamera hoch zum Kopf des Tieres, dann zum Sattel und anschließend zum Glöckchen. Von Jeff fehlt jede Spur. Der hat sich eines Tricks bedient und hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Banditen, die ihn vor dem Saloon erwarten.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Samstag, 27. November 2021

Winchester 73


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Anthony Mann

Eine unter Tausend...

Das Unternehmen Winchester Repeating Arms Company entwickelt und baut seit 1860 in den USA Gewehre. Seit 1866 werden diese Repetiergewehre unter dem bekannten Markennamen Winchester vertrieben und verkauft. Schon in den Anfangsjahren wurden die vielen Modelle immer wieder mit dem Jahr der Entstehung gekennzeichnet: Winchester 66, Winchester 76, Winchester 86...die berühmteste von allen war die Winchester 73. Um dieses legendäre Gewehr geht es im gleichnamigen Film "Winchester 73" von Anthony Mann aus dem Jahr 1950. Mit diesem Western begann auch gleichzeitig die sehr konstruktive Zusammenarbeit des Regisseurs mit seinem Hauptdarsteller James Stewart. Nach dem Erfolgsfilm wurden vier weitere ähnlich konzipierte Western inszeniert.  1952 entstand "Meuterei am Schlangenfluß", es folgte ein Jahr später "Nackte Gewalt". Danach "Über dem Todespaß", den Schlußpunkt setzte "Der Mann aus Laremie". Dabei spielte Stewart eigentlich immer den Westerner, der bereits ein Bruch mit er Gesellschaft hinter sich hat und im Grunde nicht den typischen "guten Kerl" präsentiert, sondern einen Mann, der entweder von Rache oder Enttäuschung getrieben und emotionale, zum Teil auch materielle Anreize (Nackte Gewalt) für sein Handeln braucht. So gesehen hat dieses Western-Quintett auch einen gewissen Einfluss auf die Antihelden und Inhalte des Italo Western.  Im Jahr 1876 verfolgen die beiden Freunde Lin McAdam (James Stewart) und High Spade Frankie Wilson (Millard Mitchell) einen Mann, mit dem Lin noch eine Rechnung offen hat. Dieser Mann hat allerdings als Dutch Henry Brown (Stephen McNally) einen anderen Namen angenommen und hält sich seit kurzem in Dodge City, Kansas auf. Dort hat Wyatt Earp (Wll Geer) das Zepter in der Hand und sorgt mit strenger Hand für Gesetz und Ordnung. Anlässlich des 100sten amerikanischen Unabhängigkeitstags findet dort ein attraktives Wettschießen statt. Als Siegerprämie erwartet den Gewinner das legendäre Präzsisionsgewehr, die Winchester 73. Dementsprechend groß ist der Andrang der Teilnehmer. Lin trifft an diesem Tag seinen Todfeind, doch der Sheriff hat vorher allen Besuchern der Stadt die Waffen abgenommen. So muss die unvermeidliche Konfrontation warten. Lin gewinnt zwar das Schießen, doch er ist nicht lange Eigentümer der Waffe. Der Besitz der Waffe wechselt. Er fällt irgendwann auch einem Waffenhändler (John McIntire) in die Hände, später einem jungen Indianderhäuptling auf Kriegspfad (Rock Hudson) und für einige Minuten einem namenlosen jungen Soldaten (Tony Curtis). Lin macht derweil Bekanntschaft mit Lola Manners (Shelley Winters), deren Verlobten Steve Miller (Charles Drage) und dem Outlaw Waco Johnny Dean (Dan Duryea).  In einer atmosphärischen Felsenlandschaft entscheidet sich das Schicksal...


"Winchester 73" gehört zweifelsohne zu den ganz großen Western der Filmgeschichte. Die Kamera von Wiiliam H. Daniels ist sowohl dicht bei den Akteuren als auch der Präsentator eines weiten Landes, dass langsam von den Weißen erschlossen wird. Ebenfalls massgeblich am Erfolg beteiligt war der Drehbuchautor Borden Chase, der kurz vorher mit "Red River" eine hervorragende Drehbucharbeit ablieferte und später auch für "Meuterei am Schlangenfluß" und "Über dem Todespaß" verpflichtet wurde. Der ausgezeichnete Film über Rache und Gier ist bestens durchkomponiert, neben reichlich Spannung und Action kommen auch nicht die leisen Töne und eine differenzierte Charakterzeichnung zu kurz.

Bewertung: 10 von 10 Punkten.