
Regie: George Stevens
Comes a Horseman...
"Shane" von George Stevens ist schon sehr erstaunlich. Die relativ
einfache Geschichte, die sich vor einem gewaltigen Naturpanormama auf
einer kleinen Farm und im nahegelegenen Westernkaff abspielt, hatte
filmgeschichtlich wie genrebezogen bis Heute einen extrem nachhaltigen
Einfluss und eine grosse Inspiration nach sich gezogen, vor allem
bezogen auf den Prototyp des "lonesome Rider".
Clint Eastwood drehte sogar mit "Pale Rider" vor einigen Jahren eine Art
düstere Variante für das heutige, mehr Brutalität erwartende
Kinopublikum.
Es blieb der einzige Western des Filmemachers Stevens, der bekannt dafür
war, ein ausgesprochener Perfektionist zu sein, einer der jede Szene
sorgfältig plante und die Schauspieler teilweise mit endlosen
Wiederholungen der Einstellungen marterte. Trotzdem konnte er für
"Shane" die grosse Jean Arthur noch einmal ins Filmgeschäft zurückholen,
die notorisch schüchterne Darstellerin hatte seit Wilders "A foreign
Affair" keine Rolle mehr angenommen.
"Shane" ist die Geschichte dieses einsamen Reiters, der einfach aus dem
Nichts auftaucht und der am Ende seiner "Mission" auf sein Pferd steigt
(vermutlich tödlich getroffen) und im Sonnenuntergang verschwindet.

Tage vorher ritt der geheimnisvolle Fremde zufällig an der Farm von Jo
Starret (Van Heflin) und dessen Frau (Jean Arthur) vorbei. Joey, der
kleine Sohn der Beiden (Brandon de Wille, fast vergessener Kinderstar,
der 1974 tödlich verunglückte) vergöttert schon nach kurzer Zeit
Aufenthalt diesen von Alan Ladd gespielten "Shane", weil sein Idol mit
der Pistole extrem gut umgehen kann und dem Vater in einer brenzligen
Situation mit dem Feind, Grossgrundbesitzer Rufus Ryker (Emile Meyer)
beisteht.
Ryker will diese vielen lästigen Kuhbauern loswerden, die sich inzwischen auf dem weiten Land niedergelassen haben.
Er schreckt auch nicht davor zurück, einen Revolverhelden (Jack Palance) zu engagieren, um die Farmer einzuschüchtern.
Der Streit eskaliert und wird lebensgefährlich...
"Shane" ist alles andere als ein dialogreicher Film, er zeichnet sich
dadurch aus, dass längst nicht alles ausgesprochen wird, vor allem die
Beziehungen, die die Figuren zueinander haben - er bringt den Zuschauer
in die Positiion, über die Gefühle und Motive nachzudenken...dies
geschieht durch Bildsprache und sehr treffende emotionale Dialoge, die
andererseits voller Rätsel stecken.
So bleibt Shane schweigsam, der Zuschauer kennt aber längst sein
Geheimnis, ohne dass es ausgesprochen wird. Ein gebrochener
Revolverheld, der vor seiner Vergangenheit, vor den vielen toten
Duellgegnern flüchtet, im Innern aber genau weiss, dass diese Flucht vor
der eigenen Identität niemals gelingt...der aber gerne sesshaft und von
der Familie geliebt wie sein Freund Starett wäre. Im entscheiden Moment
überwältigt er Starett und tritt so für den ausgeschalteten Freund das
alles entscheidende Duell mit den Gegnern an..
Bewertung: 8 von 10 Punkten.