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Sonntag, 20. Februar 2022

Die Comancheros (The Comancheros)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Michael Curtiz

Der Spieler und der Texas Ranger...

"Die Comancheros" war der letzte Film des Hollywoodregisseurs Michael Curtiz. Bereits während der Dreharbeiten war er schon sehr durch sein Krebsleiden geschwächt. Um die Dreharbeiten nicht zu unterbrechen, übernahm John Wayne die Regie, wann immer es die Situation erforderte. Für die Qualität der Actionszenen sorgte Second Unitd Director Cliff Lyons. Wayne verzichtete auf eine Benennung als Co-Regisseur in den Credits, er überließ dem todkranken Curtiz die ganze Ehre.
Curtiz wurde 1888 in Budapest geboren. Mitte der 20er Jahre kam er bereits auf Betreiben von Harry Warner nach Hollywood und konnte ab den 30er Jahren in die Topriege der großen Regisseure aufsteigen. Er lieferte immer gut gemachte Unterhaltung und erhielt 1936 seine erste Oscarnominierung für "Unter Piratenflagge". Drei Jahre später gabs die nächste für "Chicago - Engel mit den schmutzigen Gesichtern". 1943 gelang ihm die dritte Nominierung für "Yankee Doodle Dandy". Aber erst der 4. Anlauf wurde mit einem Sieg gekrönt. Und dann gleich mit seinem berühmtesten Film: Casablanca.  Auch das Kult-Noir Melodram "Mildred Pierce" hat er gedreht. Auch der beste "Robin Hood" Film wurde im Jahr 1937 von ihm gedreht.
In "Die Comancheros" setzte Curtiz auf das Gleichgewicht zwischen Spaß und Spannung und unter dieser Sicht erinnert der Western auch an John Waynes Vorgängerfilm "Land der 1000 Abenteuer" unter der Regie von Henry Hathaway. Wayne war zu dieser zeit bereits einer der größten Stars von Hollywood und er durfte seine Rollen so spielen, wie es das Publikum von einem Alphatier wie Wayne auch erwartete...hart aber fair, immer die Oberhand behaltend, schlagkräftig mit gutem Herzen und vor allem mit einer gewissen Ironie und einem Augenzwinkern versehen so als ob der Duke sagen wollte "Ich bin unbesiegbar".
Dennoch kommt er in dem spannungsgeladenen Western doch immer wieder in große Bedrängnis. Nur gut, dass er, der unfehlbare Texas Ranger Catpain Jake Cutter seinen gewitzten Gefangenen Paul Regret (Stuart Whitman) mit sich führt. Der sorgt für einige Überraschungen. Regret ist ein Glücksspieler und ein Frauenheld. Er lebt im Staat Louisiana und muss dort ein Duell mit Emil Bouvier (Gregg Palmer) absolvieren, dem Sohn eines angesehenen Richters. Grund war eine Frau. Und Regret erschießt seinen Gegner im Duell. Nur dumm, dass es in Louisiana ein neues Gesetz gibt, dass Duelle verbietet und den Überlebenden an den Galgen bringen kann. Noch dazu kommt, dass das Opfer Sohn eines Richters war. Nun heißt es sofort aus dem Staat verschwinden. Auf einem Mississippi Dampfer trifft er auf die geheimnisvolle Pilar Graile (Ina Balin), in die er sich verliebt. Doch die ist nach einer stürmischen Nacht plötzlich verschwunden, stattdessen hat ihn der Texas Ranger Jake Cutter (John Wayne) aufgespürt und nimmt ihn sofort fest. Der Henker wartet schon, doch der kann immer mal wieder entkommen und durch eine selbstlose Aktion werden die beiden Männer sogar zu Freunden. Was aber noch lange nicht heißt, dass er dem Galgen entgeht. Denn Gesetz ist nun mal Gesetz und als Texas Ranger hat man einen Eid geschworen. Aber ein Trick machts möglich, dass es gelingt den Regrets Hals aus der Schlinge zu ziehen. Nun reiten die beiden Männer gemeinsam, um Waffenhändlern - den Comancheros - den Garaus zu machen, denn die verkaufen den kriegsbegeisterten Komanchen die Gewehre...

In Nebenrollen sind auch Lee Marvin, Jack Elam und Nehemiah Persoff zu sehen. Wie alle guten John Wayne Spätwestern hat man sehr viel Wert auf eine großartige Optik gelegt. Diese hervorragenden Landschaftsaufnahmen stammen von Kameramann William H. Clothier, der in seiner langen Laufbahn zweimal für einen oscar nominiert wurde. 1961 für John Wayne ambitionierte Regiearbeit "Alamo" und vier Jahre später für "Cheyenne". Es sind tatsächlich zwei seiner besten Kamera-Arbeiten, zu denen aber auch "Liberty Valance" und "Der Siebente ist dran" zählen. Ein bisschen Liebe schadet einem Western auch nicht. So darf Whitman mit Ina Balin flirten und auch John Wayne hat heimlich ein Auge auf Joan O´Brien, die die besten Steaks in ganz Texas macht.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Mittwoch, 5. Januar 2022

Zwei ritten zusammen (Two Rode Together)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: John Ford

Der schwarze Falke 2....

Wenn man die Genialität von John Fords Meisterwerk "Der schwarze Falke" zu schätzen weiss, dann flacht der 5 Jahre später entstandene enge Verwandte "Zwei ritten zusammen" doch merklich ab.
Warum ? Die Thematik ist zwar ähnlich, wird aber nicht (und das ist die Schwäche des Films) konsequent genug umgesetzt.
Dennoch ist "Zwei ritten zusammen" kein schlechter Western, er hat sogar einige Szenen, die bemerkenswert und atmosphärisch gut gelungen sind.
Das Thema ist vor allem psychologisch sehr interessant. Wie verändern sich Menschen, die aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden und ab sofort gezwungen sind, sich in einem anderen Kulturkreis zurecht zu finden.
Im Wilden Westen kam es vor, dass Indianer ihre Gefangenen (vor allem Kinder, meistens Jungen) leben ließen und sie aufzogen. Manchmal wurden Frauen verschleppt, die dann irgendwann Squaw eines Kriegers wurde.
Die Neubürger, die den wilden Westen besiedelten, mussten damit klar kommen, dass ihre Familienmitglieder weg waren, wahrscheinlich gar nicht mehr am Leben waren. Aber die Hoffnung trieb diese Menschen dazu an, nach ihren verlorenen Kindern oder Frauen zu suchen.
In "Der schwarze Falke" sucht Ethan Edwards, der Onkel von zwei von den Komantschen entführten Mädchen, jahrelang nach den Verschleppten. Begleitet wird er von dem besonnenen Martin Pawley, der in dem Indianerhass seines Onkels eine große Gefahr sieht, wenn die Mädchen tatsächlich gefunden werden. Wird Ethan diese Mädchen, die zu Indianerinnen wurden, auch annehmen können.
John Wayne spielte den Ethan Edwards und er hat als Suchender eine starke emotionale Motivation.
Die ist bei den beiden suchenden Männern in "Zwei ritten zusammen" eher nicht gegeben. Für First Lieutenant Jim Gary (Richard Widmark) ist es vor allem ein Befehl von seinem Vorgesetzten Major Frazer (John McIntire). Er sieht abr zumindest einen Sinn darin, die verschleppten Familienangehörigen von Richter Edward Purcell (Paul Birch) und dessen Tochter Marty (Shirley Jones) oder von Reverend Henry Clegg (Ford Rainey) zu suchen. Denn Purcells Sohn, der als kleines Kind entführt wurde und Cleggs Frau könnten vielleicht noch leben. Und eine Familienzusammenführung eine Art Happy End nach jahrelanger Verzweiflung und Trauer. Da ist Marshall Guthrie M. Cabe (James Stewart) viel realistischer. Er hält es für keine gute Idee nah Weißen zu suchen, die seit Jahren vermisst werden und die höchstwahrscheinlich auch schon die Mentalität der Rothäute angenommen haben. Ausserdem ist der Marshall einer der nur dann ins Indianergebiet geht, wenn dafür auch viel Profit herausspringt. Ein Mann also mit gutem Geschäftssinn und der für diesen gefährlichen Spaziergang ins Gebiet der Komantschen besonders geeignet ist, weil er die Indianer kennt und auch den Häuptling Chief Quanah Parker (Henry Brandon). Nur zögerlich lässt er sich überreden gemeinsam mit seinem Freund Jim diese Mission auszuführen. Im Lager der Indianer treffen sie tatsächlich auf Weiße. Der junge Indianer Running Wolf (David Kent) will aber gar nicht zurück und Cleggs Frau weigert sich sogar mitzukommen, obwohl der Häuptling dem Tausch mit Gewehren zustimmt. Im Lager treffen die Beiden auf den kriegerischen Stone Calf (Woody Stroode), dessen Squaw (Linda Cristal) ebenfalls eine weiße Frau (Mexikanerin) ist. Ohne Stone Calfs Wissen tauscht der Häuptling auch die Frau. Dann beginnt der gefährliche Ritt zurück ins Fort. Noch dramatischer wird aber das Wiedersehen mit den Verschollenen. Es kommt zu katastrophalen Konflikten..

James Stewart, der einen korrupten Sympathieträger spielt und Widmark als sein Freund bestreiten in "Zwei ritten zusammen" sehr viele Dialoge.
Der Stoff würde mehr Spannung versprechen, aber Ford amüsiert sich eher über die zwei Labertaschen und öfters verliert das Hauptthema dadurch an Aufmerksamkeit.
Stewart und Widmark, die zwar verschiedene Ansichten haben und sich trotzdem mögen - da wird in dem Film einfach zuviel gequatscht.
Auch der Höhepunkt "das Entdecken der Verschleppten" wird eher locker und beiläufig inszeniert, ein bisschen fehlt da die Dramatik.
Der Schlussplot (die Verwechslung des Heimgeholten und sein unausweichliches Schicksal) kommt allerdings wie ein Hammerschlag und durch eine Spieldose aus der Kindheit wird die Herkunft des Indianerjungen gelüftet. Dies ist eine sehr starke Szene. Weitere Auflockerung in dem ernsten Thema sind die Gefühle des Marshalls für die hübsche Mexikanerin.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Freitag, 17. Dezember 2021

Der Besessene (One Eyes Jack)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Marlon Brando

Rios Rache...

Der 2004 verstorbene Marlon Brando gilt als einer der größten Charakterdarsteller und Filmstars des 20. Jahrhunderts. Unsterblich sind seine Rollen in Filmen wie "Endstation Sehnsucht", "Die Faust im Nacken", "Der Pate" und "Apocalypse Now" - weniger bekannt dagegen ist seine einzige Regiearbeit in "Der Besessene". Dieser packende Western entstand 1961, heißt im Original "One Eyes Jack" und darf dennoch zu den ganz großen klassischen Western gezählt werden und man merkt, dass Brando sehr stark daran interessiert war an einer guten Figurenzeichnung. Darüberhinaus dürfte "Der Besessene" einer der besten Genrebeiträge zum Thema Doppelmoral, Ambivalenz und Betrug sein.
Maßgeblich am Gelingen des Films war auch der Kameramann Charles Lang verantwortlich, der an vielen anderen Hollywoodklassikern wie "Peter Ibbetson", "Schiffbruch der Seelen", "Der unheimliche Gast", "Heißes Eisen", "Zwei rechnen ab", "Der letzte Zug von Gun Hill" oder "Charade" beteiligt war - er hat die Geschichte in wunderschöne Bilder verpackt. Marlon Brando war als Regisseur sehr ambitioniert und engagiert. Er ließ sich sehr lange Zeit zum Drehen und bald hatten seine ängstlichen Finanziers Sorge, dass das Budget gesprengt werden könnte. Insgesamt dauerten die Dreharbeiten 6 Monate und eine 4 1/2 Stunden-Version sollte ins Kino kommen, wenn es nach dem Willen des Machers gegangen wäre. Doch man entschied fast 2 Stunden zu kürzen, am Ende wäre es beinahe so weit gekommen, dass sich Brando vom eigenen Film distanziert hätte. Obwohl er passable 4,3 Millionen Dollar in den USA einspielen konnte, waren die Kosten am Ende doch höher und so wurde "Der Besessene" zum Mißerfolg abgestempelt. Das mag in finanzieller Hinsicht vielleicht so gewesen sein, auf den künstlerischen Aspekt trifft aber dies überhaupt nicht zu.
Interessanterweise sind die meisten Figuren in Brandos Film überhaupt keine Sympathieträger und die Hauptfigur, die von Brando selbst verkörpert wird, ist ein Schurke, ein Lügner und hat nur einen Gedanken im Kopf: Sich zu rächen. Er spielt den Rio, den man auch "The Kid" nennt.
Sein Hass gilt seinem früheren besten Freund und Mentor Dad Longworth (Karl Malden), der mit ihm gemeinsam und einem dritten Mann namens Doc eine Bank in Sonora, Mexiko ausraubten. Doch die berittene Polizei verfolgt die Männer und kann Doc in einer Cantina erschießen. Rio und Dad Longworth gelingt zuerst die Flucht - doch auf einem hohen Bergkamm werden sie in die Enge getrieben. Da sie nur noch ein Pferd haben, soll einer möglichst rasch mit zwei neuen Pferden kommt, damit die Flucht doch noch gelingt. Die Wahl fällt auf Longworth, der aber nach einem kurzen Ritt beschließt alleine zu flüchten und seinen Freund alleine auf dem Berg zu lassen. Der wird gefasst und sitzt 5 Jahre in einem menschenunwürdigen Gefängnis ab, bevor ihm die Flucht gelingt. Angetrieben vom Hass hat er nur ein Ziel: Dad Longworth ausfindig zu machen und sich zu rächen. Diese ist inzwischen in Monterey Sheriff geworden - hat also die Seiten gewechselt und ist verheiratet mit der Mexikanerin Maria (Katy Jurado), auch deren Tochter Louisa (Pina Pellicier) nennt Longworth inzwischen "Dad".
Er kommt mit seinen neuen Kumpanen Chico Modesto (Larry Duran) und Bob Emory (Ben Johnson) nach Monterey und besucht dort den alten Freund, ohne jedoch zu erzählen, dass er wegen seines damaligen Verrats 5 Jahre im Knast saß. Dad Longworth ist zwar auch etwas irritiert, dass Rio anscheinend keine Rachegedanken hegt und auch nicht nach dem Geld fragt, mit dem Dad damals fliehen konnte. Es sieht beinahe so aus als wäre zwischen den beiden Freunden nie etwas gewesen - Rio wird sogar eingeladen noch einen Tag länger zu bleiben, denn zufällig feiert die Stadt ein Fest und Rio und Dads Stieftochter Louise kommen sich näher. Die beiden übernachten am Strand - am Morgen danach gesteht Rio dem Mädchen seine Lügen der Nacht und sie kehrt erst sehr früh am Morgen heim. Von Deputy Lon (Slim Pickens) erfährt Longworth von dieser Liason. Nun bricht die verborgene Feindschaft zwischen beiden Männern auf und Longworth lässt Rio auspeitschen und zerschlägt auch dessen Hand mit dem Gewehrkolben. Danach wird er aus der Stadt gejagt. Doch dies ist noch lange nicht das Ende...

In dem Film beschäftigt sich Brando mit komplexen Familien- und Beziehungsangelegenheiten. Psychologisch orientiert sich die Geschichte an den Ödipus-Konflikten und auch verdrängte Homosexualität kommt als weiterer interessanter Aspekt hinzu. Nicht nur als Regisseur, sondern auch als Darsteller der Hauptrolle macht Brando eine überzeugende Figur. Kein Wunder, wenn er seinen alten Kumpel Karl Malden als Kontrahent engagiert hat. Der liefert wie gewohnt eine hervorragende Performance ab. Auch Neuling Pina Pellicier, die im Grunde die einzig "gute" Haupt-Figur des Films ist, hat viele richtig gute Szenen. Die Szene am Strand, die ungefähr 10 Minuten dauert, ist vielleicht sogar die beste Szene dieses Westerns, den ich zu den ganz großen Meisterwerken dieser Sparte zählen und der immer noch irgendwie ein Schattendasein führt. Leider.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Sonntag, 12. Dezember 2021

El Perdido (The Last Sunset)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Robert Aldrich

Das hübsche Mädchen im gelben Kleid...

Regisseur Robert Aldrich ließ kein gutes Haar an seinem 1961 gedrehten Film "El Perdido" (Original: The Last Sunset). Er gab zum einen die Schuld Kirk Douglas, der nicht nur der Hauptdarsteller war, sondern den Film auch mitproduzierte - und in dieser Eigenschaft mischte er sich oft in die Regie ein und soll den Film im Schnitt völlig zerstört haben. Auch mit Drehbuchautor Dalton Trumbo war Aldrich äusserst unzufrieden. Er warf ihm mangelnde Motivation vor. Trumbo, der berühmte amerikanische Drehbuchautor, gehörte in den späten 40er Jahren zur Gruppe der sogenannten Hollywood Ten - unter Berufung auf den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung weigerten sie sich vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe auszusagen. Als Konsequenz gabs Geld- oder Haftstrafen und Berufsverbot. Daher verbrachte er nicht nur einige Monate im Knast, sondern wurde auf eine schwarze Liste gesetzt. Trumbo musste jahrelang unter Pseudonym arbeiten. Er bekam zwar zwei Oscars für die besten Storys in "Ein Herz und eine Krone" und "Roter Staub" - aber sein Name wurde nie genannt. Erst Jahre später wurde seine Urheberschaft auch offiziell anerkannt. Durch den Einfluß des linksliberalten Superstar Kirk Douglas bekam er unter eigenem Namen Anfang der 60er Jahre wieder Arbeit. Auch Otto Preminger hatte Trumbo versprochen, ihn offiziell als Drehbuchautor für den Film "Exodus" zu nennen. Aldrich hatte das Gefühl Trumbo würde "El Perdito" vernachlässigen und sich viel mehr auf den Preminger Film zu konzentrieren.
Dennoch geht Aldrich mit seinem Film viel zu hart ins Gericht. Aldrich, der aus seiner Kritik am Hollywoodsystem nie einen Hehl machte, überzeugte durch unübliche kritisch-direkte Themen und brisante gesellschaftliche Fragen. Und so gestaltet ist auch dieser ungewöhnliche Western, dessen einzige Schwachstelle m.E. die Gesangseinlagen von Kirk Douglas mit einem mexikanischen Gesangstrio ist. Ansonsten ist das ein klasse Western, der reichlich unterbewertet in seinem Genre ist und als griechische Tragödie angelegt ist. Trumbos Drehbuch bietet schon einiges: Zum Beispiel eine Liebesgeschichte zwischen Vater und Tochter.
Das Grundgerüst der Geschichte ist allerdings in der Westernsparte weit verbreitet und beliebt. Ein Gesetzesmann und ein Bandit sind gemeinsam unterwegs. In dieser hindernisreichen Reise gibts viele Gefahren in der Gestalt von Banditen, Indianern, Naturkatastrophen und vor allem durch die zwei mitfahrenden Frauen.
Seit längerer Zeit wird der Herumtreiber, Revolverheld und Frauenheld Brendan O´Malley (Kirk Douglas) von einem gewissen Dana Stribling (Rock Hudson) verfolgt. Aus gutem Grund: Nicht nur dass er steckbrieflich gesucht wird, Stribling hat auch eine persönliche Rechnung mit O´Malley offen. Denn dieser hat Striblings Schwager ermordet und er gibt ihm auch die Schuld für den Selbstmord seiner Schwester. Doch inzwischen hat O´Malley mexikanischen Boden erreicht. Also offiziell ist der Haftbefehl dort ungültig. Dennoch gibt Stribling die Suche nicht auf. Er taucht auf der Ranch des alten und verbitterten Alkoholikers John Brekkenridge (Joseph Cotten) auf. Dieser hat eine große Rinderherde, die er über die Grenze nach Texas treiben lassen will. Er will dort mit seiner jüngeren Frau Belle (Dorothy Malone) und der 16jährigen Tochter Missy (Carol Lynley) eine neue Existenz aufbauen. Für den Treck kommt daher O´Malley wie gerufen. Und dieser ist nicht nur rein zufällig dort aufgetaucht. Denn Mrs. Brekkenridge war als junges Mädchen seine Geliebte. Bald taucht auch Stribling auf, der viel vom Viehtreck versteht und sich auch von dem Rancher engagieren lässt. So beginnt eine gefahrvolle Reise, wo die Reisenden alle ihre eigenen Absichten verfolgen. Am Ende soll ein Duell der beiden Kontrahenten stehen, denn O´Malley hat zwar versprochen mit nach Texas zu kommen. Aber von Stribling gefangen nehmen lassen wird er sich auf keinen Fall....

So steht am Ende dann wieder ein unausweichliches Duell von zwei grundverschiedenen Männern. Rock Hudson spielt den sensiblen Typen, der einem verwaisten Kalb wieder auf die Beine hilft. Kirk Douglas dagegen spielt einen innnerlich zerissenen Mann, der nur schwer seine Aggressionen im Zaun halten kann. Besonders wird dies in einer Szene sichtbar als er vor lauter Wut einen Hund würgt, um seinen Frust abzureagieren. Er hat aber vor ein neues Leben mit seiner damals angebeten Geliebten zu beginnen und geht mit Brekkenridge sogar eine Wette ein, dass er am Ende des Trecks nicht nur ein Fünfel der Herde will, sondern auch dessen Ehefrau bekommt. Mit schallendem  Gelächter geht der Rancher sogar auf diese ungewöhnliche Wette ein. Doch die Reise offenbart o´Malley die brutale Tatsache, dass auch Stribling eine Auge auf Belle geworfen hat...als die heranwachsende Tochter im gelben Kleid der Mutter erscheint, dass O´Malley von früher kennt und ihre Liebe gesteht, gibt er diesen Avancen begeistert nach. Doch die Tragödie offenbart sich erst im Schlußteil des Films. Ohne Perspektive geht O´Malley ins Duell. Und auch sein Kontrahent hat eine andere Seite des Verfolgten kenenngelernt und meint am Ende "Man kann keinen länger hassen, wenn man ihn erst näher kennt". Für beide Hollywoodstars bietet der Aldrich Film eine gute Rolle - am meisten beeindruckt jedoch die junge Carol Lynley, die man später noch in den beiden Preminger Filmen "Der Kardinal" und "Bunny Lake ist verschwunden" sah und hier als 16jährige Missy eine ganz starke Frauenfigur - trotz des jugendlichen Alters - verkörpert.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Sonntag, 5. Dezember 2021

Misfits - Nicht gesellschaftsfähig (The Misfits)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Huston

Aussenseiter und kollektiver Wahnsinn...

The Misfits" ist sehr schwere Kost, aber dennoch einer meiner Filmfavoriten, denn die Aussagen, die der Film trifft sind radikal und elementar.
Ausserdem brilliert Marilyn Monroe mit einer sehr sensiblen und intelligenten Darstellung der jugen Roslyn Tabor.
Der Film spielt irgendwo in der westlichen Wüste von Nevada, zuerst in Reno. Denn dort wird die Ehe der jungen, einsamen Rosyln geschieden. Sie wird von ihrer älteren Freundin Isabelle Steers (Thelma Ritter) zum Scheidungsrichter begleitet. Ihr Mann (Kevin McCarthy) steht schon vor dem Eingang zum Gerichtsgebäude, möchte die junge Frau noch einmal umstimmen. Doch die bleibt hart, denn er liess sie die ganze Zeit alleine.
An diesem Tag lernt sie den Mechaniker Guido (Eli Wallach) kennen, der sofort Feuer und Flamme für die Blondine ist. Er macht sie mit seinem Kumpel Gay Langland (Clark Gable) bekannt, der als alternder Cowboy von der Pferdejagd lebt und unzählige Affären mit Frauen hat.
Zu Viert geht es dann in die Einöde, hinaus auf die Berge - dort steht ein halbfertiges Haus, das Guido für seine verstorbene Frau baute.
Unbeschwert trinkt und tanzen das Quartett. Obwohl Gay gar nicht der Typ der jungen Roslyn ist, kommen die beiden zusammen und verbringen eine gewisse Zeit miteinander.
Erste Spannungen gibt es, als Rosyln Mitleid mit einem Kaninchen hat, dass sich an Gays Gemüsegarten vergriffen hat.
Doch der Besuch von Isabelle und Guido uterbricht die Unstimmungkeiten. Gemeinsam besuchen sie das Rodeo, um einen Cowboy zu finden, der ihnen hilft Mustangs für gutes Geld einzufangen. Dort auf dem Weg treffen sie auf Perce Howland (Montgomery Clift), der ebenfalls am Rodeo teilnimmt.
Gay will Perce das fehlende Startgeld zahlen, wenn er mitmacht. Der willigt auch ein. Isabelle setzt sich ab. Am anderen Tag machen sie sich auf zur Pferdejagd. Als Rosyln von Gay erfährt, dass die Tiere geschlachtet und zu Hundefutter verarbeitet werden, kochen die Emtionen extrem hoch...


 

John Huston hat mit "The Misfits" einen selten unangenehmen Film gemacht, der sich eben in dieser brutalen Pferdejagd gipfelt und seine Akteure dabei mit allen emotionalen Facetten ins schonungslose Bild rückt. Nie wird man die grausamen Szenen vergessen als die Pferde gefesselt auf dem Boden liegen. Hier gibt der Film viel Potential zum Nachdenken und zeichnet mit diesem schonungslosen Abgesang auf die guten alten Zeiten des Wilden Westens eine bittere Parallele zum heutigen, zerstörerischen Konsumverhalten, insbesondere auch dem Umgang mit den Tieren. Immer noch ist der Mensch der Jäger und noch viel mehr zählt heute dieser Profitgedanke. Für mich ist und bleibt "The Misfits" ein ganz wichtiger Film, der vieles exakt auf den Punkt bringt.  Man muss sich allerdings auch auf einen sehr dialoglastigen Film einlassen können.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.