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Freitag, 17. Dezember 2021

Der Besessene (One Eyes Jack)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Marlon Brando

Rios Rache...

Der 2004 verstorbene Marlon Brando gilt als einer der größten Charakterdarsteller und Filmstars des 20. Jahrhunderts. Unsterblich sind seine Rollen in Filmen wie "Endstation Sehnsucht", "Die Faust im Nacken", "Der Pate" und "Apocalypse Now" - weniger bekannt dagegen ist seine einzige Regiearbeit in "Der Besessene". Dieser packende Western entstand 1961, heißt im Original "One Eyes Jack" und darf dennoch zu den ganz großen klassischen Western gezählt werden und man merkt, dass Brando sehr stark daran interessiert war an einer guten Figurenzeichnung. Darüberhinaus dürfte "Der Besessene" einer der besten Genrebeiträge zum Thema Doppelmoral, Ambivalenz und Betrug sein.
Maßgeblich am Gelingen des Films war auch der Kameramann Charles Lang verantwortlich, der an vielen anderen Hollywoodklassikern wie "Peter Ibbetson", "Schiffbruch der Seelen", "Der unheimliche Gast", "Heißes Eisen", "Zwei rechnen ab", "Der letzte Zug von Gun Hill" oder "Charade" beteiligt war - er hat die Geschichte in wunderschöne Bilder verpackt. Marlon Brando war als Regisseur sehr ambitioniert und engagiert. Er ließ sich sehr lange Zeit zum Drehen und bald hatten seine ängstlichen Finanziers Sorge, dass das Budget gesprengt werden könnte. Insgesamt dauerten die Dreharbeiten 6 Monate und eine 4 1/2 Stunden-Version sollte ins Kino kommen, wenn es nach dem Willen des Machers gegangen wäre. Doch man entschied fast 2 Stunden zu kürzen, am Ende wäre es beinahe so weit gekommen, dass sich Brando vom eigenen Film distanziert hätte. Obwohl er passable 4,3 Millionen Dollar in den USA einspielen konnte, waren die Kosten am Ende doch höher und so wurde "Der Besessene" zum Mißerfolg abgestempelt. Das mag in finanzieller Hinsicht vielleicht so gewesen sein, auf den künstlerischen Aspekt trifft aber dies überhaupt nicht zu.
Interessanterweise sind die meisten Figuren in Brandos Film überhaupt keine Sympathieträger und die Hauptfigur, die von Brando selbst verkörpert wird, ist ein Schurke, ein Lügner und hat nur einen Gedanken im Kopf: Sich zu rächen. Er spielt den Rio, den man auch "The Kid" nennt.
Sein Hass gilt seinem früheren besten Freund und Mentor Dad Longworth (Karl Malden), der mit ihm gemeinsam und einem dritten Mann namens Doc eine Bank in Sonora, Mexiko ausraubten. Doch die berittene Polizei verfolgt die Männer und kann Doc in einer Cantina erschießen. Rio und Dad Longworth gelingt zuerst die Flucht - doch auf einem hohen Bergkamm werden sie in die Enge getrieben. Da sie nur noch ein Pferd haben, soll einer möglichst rasch mit zwei neuen Pferden kommt, damit die Flucht doch noch gelingt. Die Wahl fällt auf Longworth, der aber nach einem kurzen Ritt beschließt alleine zu flüchten und seinen Freund alleine auf dem Berg zu lassen. Der wird gefasst und sitzt 5 Jahre in einem menschenunwürdigen Gefängnis ab, bevor ihm die Flucht gelingt. Angetrieben vom Hass hat er nur ein Ziel: Dad Longworth ausfindig zu machen und sich zu rächen. Diese ist inzwischen in Monterey Sheriff geworden - hat also die Seiten gewechselt und ist verheiratet mit der Mexikanerin Maria (Katy Jurado), auch deren Tochter Louisa (Pina Pellicier) nennt Longworth inzwischen "Dad".
Er kommt mit seinen neuen Kumpanen Chico Modesto (Larry Duran) und Bob Emory (Ben Johnson) nach Monterey und besucht dort den alten Freund, ohne jedoch zu erzählen, dass er wegen seines damaligen Verrats 5 Jahre im Knast saß. Dad Longworth ist zwar auch etwas irritiert, dass Rio anscheinend keine Rachegedanken hegt und auch nicht nach dem Geld fragt, mit dem Dad damals fliehen konnte. Es sieht beinahe so aus als wäre zwischen den beiden Freunden nie etwas gewesen - Rio wird sogar eingeladen noch einen Tag länger zu bleiben, denn zufällig feiert die Stadt ein Fest und Rio und Dads Stieftochter Louise kommen sich näher. Die beiden übernachten am Strand - am Morgen danach gesteht Rio dem Mädchen seine Lügen der Nacht und sie kehrt erst sehr früh am Morgen heim. Von Deputy Lon (Slim Pickens) erfährt Longworth von dieser Liason. Nun bricht die verborgene Feindschaft zwischen beiden Männern auf und Longworth lässt Rio auspeitschen und zerschlägt auch dessen Hand mit dem Gewehrkolben. Danach wird er aus der Stadt gejagt. Doch dies ist noch lange nicht das Ende...

In dem Film beschäftigt sich Brando mit komplexen Familien- und Beziehungsangelegenheiten. Psychologisch orientiert sich die Geschichte an den Ödipus-Konflikten und auch verdrängte Homosexualität kommt als weiterer interessanter Aspekt hinzu. Nicht nur als Regisseur, sondern auch als Darsteller der Hauptrolle macht Brando eine überzeugende Figur. Kein Wunder, wenn er seinen alten Kumpel Karl Malden als Kontrahent engagiert hat. Der liefert wie gewohnt eine hervorragende Performance ab. Auch Neuling Pina Pellicier, die im Grunde die einzig "gute" Haupt-Figur des Films ist, hat viele richtig gute Szenen. Die Szene am Strand, die ungefähr 10 Minuten dauert, ist vielleicht sogar die beste Szene dieses Westerns, den ich zu den ganz großen Meisterwerken dieser Sparte zählen und der immer noch irgendwie ein Schattendasein führt. Leider.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Sonntag, 12. Dezember 2021

Nevada Smith (Nevada Smith)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Henry Hathaway

Der junge Rächer Max Sand...

1966 entstand mit "Nevada Smith" einer der letzten klassischen Western, der aber gleichzeitig aber schon als einer der ersten Spätwestern gilt. Regisseur Henry Hathaway inszenierte seine Rachegeschichte dabei stellenweise wie ein Epos. Die starken Bilder von Lucien Ballard, der auf etwa 46 verschiedene Standorte im Inyo National Forest in der Sierra Nevada und dem Owens Valley in Südkalifornien zurückgreifen. Hathaway war nicht nur ein Westernroutinier, er schuf mit "Garten des Bösen" (1954), "Schieß zurück, Cowboy" (1958), "Das war der wilde Westen" (1961), "Die 4 Söhne der Katie Elder" (1965) oder "Der Marshall" (1968) echte Klassiker.
Die Hauptrolle ging an den damaligen Kassenstar Steve McQueen, der auf den ersten Blick mit seinen 35 Jahren fast schon ein bisschen zu alt für die Rolle des jugenlichen Rächers Nevada Smith war, aber dann doch durch seine Ausstrahlung und Coolness so perfekt passt, dass dieses Manko keine Rolle mehr spielt. Die Figur selbst stammt aus dem Roman "Die Unersättlichen" von Harold Robbins, dort taucht die Figur Nevada Smith auf. In der Roman-Verfilmung des Robbins Bestsellers durch Edward Dmytryk wird Nevada Smith von Alan Ladd verkörpert.
Ein Trio von Outlows - Bill Bowdre (Arthur Kennedy), Jesse Coe (Martin Landau) und Tom Fitch (Karl Malden) tötet in brutaler Weise den weißen Vater und die indianische Mutter von Max Sand (Steve McQueen). Der junge Mann findet seine Eltern regelrecht massakriert vor und schwört Rache. Diese Aufgabe wird für ihn zum einzig sinnvollen Lebensinhalt, doch er muss auf dieser Suche nach den Mördern in vielen Dingen zuerst noch wachsen. Er kann weder schießen, auch das Schreiben und Lesen hat er nie gelernt. Er reagiert teilweise auch sehr unbesonnen und beinahe passiert ihm der Fehler unschuldige Männer mit den Mördern zu verwechseln. Er lernt auf seiner Reise der Rache den Wanderbüchsenmacher Jonas Cord. Sr (Brian Keith) kennen, der Max durchfüttert und ihm auch den Umgang mit dem Revolver lehrt.
Mit Hilfe des Saloongirls Neesa (Janet Margolin), einer Kiowafrau wie seine Mutter, kann er den ersten der Männer ausfindig machen. Für die Rache an dem zweiten Mann nimmt er es auf sich ins Gefängnis zu gehen, wo sich dieser Bowdre befindet. Gemeinsam mit einem Boot, dass das Cajun Mädchen Pilar (Suzanne Pleshette) für Max zur Flucht besorgt hat, soll auch der zweite Teil der Rache vollzogen werden. Mittlerweile wird aber Max auch selbst gesucht. Sein Steckbrief gelangt in die Hände von Fitch, der nun besonders auf der Hut ist vor diesem Rächer, der all die Jahre nie seine Mission ausser Acht ließ. Die Begegnung mit einem Padre (Raf Vallone) bringt ihn aber auch nicht davon ab weiter nach Fitch zu suchen...

 Das Finale erweist sich nicht nur als letztes Mosaik im Racheplan, sondern auch als bittere Bestandsaufnahme und Reifeprüfung für den zielgerichteten Max, der plötzlich erkennen muss, dass auch er sich durch seine Ausrichtung als Rächer verändert hat. Durch die Rachegeschichte rückte "Nevada Smith" in seiner Zeit auch sehr nahe an den in seinem Einfluß immer stärker werdenden Italo-Western. Vor allem ist "Nevada Smith" aber auch einer der ganz großen Arbeiten des Lucien Ballard, der zwar nur einmal für den Oscar nominiert wurde, aber unvergessen bleibt für seine grandiosen Kameraarbeit in den beiden Peckinpah Meisterwerken "Sacramento" und "Wild Bunch" wurde. Auch hier hat für "Nevada Smith" hat er imposante Bilderkompositionen geschaffen, die dem Film eine epische Kraft verleihen. Leider ist dieser Western filmgeschichtlich etwas unterbewertet, denn auch die Musik von Alfred Newman steuerte viel dafür bei, dass ein Klassiker geboren wurde. Die Geschichte selbst ist auch immer ein bisschen Odyssee, zuzuschreiben von dem großen Willen des Protagonisten, aber auch von dessen Unvernunft alles andere diesem Ziel unterzuordnen. Der Mann nimmt daher ganz viel destruktive Strömung in Kauf. Wenn er im Schlußbild wegreitet, dann prägt zum ersten Mal Bitterkeit sein Gesicht. Der Film endet dort, wo Nevada Smith, wie der junge Max sich irgendwann im Film selbst umbenannte, seine neue Bestimmung suchen muss

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Montag, 29. November 2021

Der Scharfschütze (The Gunfighter)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Henry King

Scharfschütze Jimmy Ringo...

Nach einer Geschichte von Andre de Toth drehte Regisseur Henry King seinen Western "Scharfschütze Jimmy Ringo" (Alternativtitel: Der Scharfschütze - Originaltitel: The Gunfifghter). Henry King hat im Laufe seiner Karriere viele Genres bedient, seine drei Western wurden alle sehr erfolgreich. 1939 drehte er seinen ersten mit "Jesse James, Mann ohne Gesetz" - ein ultimativer Klassiker der Sparte und auch der 1958 inszenierte Edelwestern "Bravados" gehört zu den Highlights des klassischen Westernfilms.
Vielleicht ist "Scharfschütze Jimmy Ringo" aus dem Jahr 1950 der ambitionionierteste dieser drei überzeugenden Arbeiten. Vor allem deshalb, weil er ohne das übliche Gut-Böse Schema auskommt. Die Geschichte erzählt vom Werdegang des Jimmy Ringo, gespielt von Gregory Peck, einem echten Aussenseiter der Gesellschaft. Er hat statt einer bürgerlichen Existenz mit seiner Frau (Helen Westcott) das Leben eines Outlaw und Revolverhelden gewählt, doch ist inzwischen in die Jahre gekommen und trägt sich mit dem Gedanken seßhaft zu werden. Was aber angesichts seines Rufes gar nicht so einfach scheint. Denn er - der Revolverheld - wird von jungen Männern, die gerne Revolverheld werden wollen, ständig herausgefordert. Und wenn so eine Konfrontation gerade im Gange ist, dann geht es sehr schnell um Leben und Tod.
Bei dem Duell mit dem jungen Cowboy Eddie (Richard Jaeckel) nutzen alle Schlichtungsversuche nichts, der Junge will wissen, wer der Schnellere ist. Aber nun liegt er tot auf dem Boden des Saloons, die Leute können bescheinigen, dass sich Jimmy Ringo nur gewehrt hat und der junge Cowboy zuerst seinen Colt zog. Doch das wird die drei älteren Brüder des Toten nicht interessieren. Wie so oft ist der Scharfschütze auf der Flucht. Er kann seine Verfolger aber stellen und ihnen die Pferde verscheuchen. Ohne Waffen werden sie zurück müssen und dies gibt ihm etwas Zeit. Er erreicht die Kleinstadt Ceyenne - nicht ohne Grund. Der Barkeeper (Karl Malden) erkennt ihn sofort und informiert den dortigen Marshall Mark Strett (Millard Mitchell). Strett stellt sich als alter Freund von Jimmy Ringo heraus und er weiß, wo sich Jimmys Frau aufhält. Mit ihr versucht der Scharfschütze Kontakt aufzunehmen, dann will er wieder verschwinden. Was sinnvoll ist, denn die Verfolger sitzen ihm ja im Nacken. Ausserdem gibts mit dem jungen Hunt Bromley (Skip Homeier) einen weiteren angehenden Revolverhelden in der Stadt, der sich gerne damit brüsten würde der Mann zu sein, der Ringo erschoß.
Zuerst zögert Peggy, die als Lehrerin arbeitet und den gemeinsamen Jungen alleine groß zieht, dann enschließt sie sich doch mit ihrem Mann zu reden. Er ist anders geworden - und es ist immer noch Liebe bei beiden vorhanden. Gibt es vielleicht tatsächlich eine Lösung für dieses unstete Leben. Jedenfalls herrscht in Cayenne seit der Ankunft von Jimmy Ringo reges Leben auf der Straße. Die kinder gehen nicht zur Schule, sondern alle wollen den Revolverhelden sehen. Auch eine Frauengruppe unter der Leitung von Mrs. Pennyleather (Verna Felton) ist zugegegen, sie wollen, dass der Sheriff den ungebetenen Gast sofort einsperrt....


Man kann es natürlich schon ahnen, die Wünsche des Mannes, der sich zur Ruhe setzen will, werden nicht erfüllt. Doch es wird ein Nachfolger aus ihm hervorgehen, der sein Schicksal als Revolverheld noch gar nicht im ganzen Ausmaß "ausgekostet" hat. Denn nach dem Ruhm für einen Augenblick kommen die Phasen sich immer wieder aufs Neue als Revolverheld beweisen zu müssen und irgendwann wird der schillernde Name zum echten Fluch. Gregory Peck ist perfekt in dieser Charakterstudie und auch seine Mitpspieler wie Millard Mitchell haben großartige Parts. Darüberhinaus zeigt Henry King in seinem Film wie sich diese hochanständigen Leute in einer US-Kleinstadt am Schaden ihres Nächsten ergötzen. Das Bürgertum mit einer primitiven Lust für Sensationen.

Bewertung:  8 von 10 Punkten.

 

Der Galgenbaum (The Hanging Tree)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Delmer Daves

Rivalen am Gold River...

Nach dem gleichnamigen Roman von Dorothy M. Johnson drehte Regisseur Delmer Daves im Jahr 1959 den Film "Der Galgenbaum", der in Deutschland auch unter dem Titel "Rivalen am Gold River" bekannt ist. Bei der 32. Verleihung der Academy Awards wurde er immerhin für den einprägsamen Titelsong von Marty Robbis nominiert. Man kann "Der Galgenbaum" vielleicht als einen Vorläufer von Robert Altmans "McCabe & Mrs. Miller" sehen, weil auch Delmer Daves einen sehr düsteren und verkommenen Ort für seine Geschichte ausgewählt hat. Ein aus dem Boden gestampftes Dorf irgendwo in Montana, weil sich durch den Goldrausch viele gierige Gestalten dort niedergelassen haben. Glücksritter, Banditen oder ganz normale Bürger, die dort eine Existenz aufbauen wollen. Natürlich dürfen auch die leichten Mädchen nicht fehlen, die hier gut zu tun haben, jedoch zu den moralisch geächteten Gemeindemitgliedern gehören. Auch die Figuren in Delmer Daves Film sind Menschen mit Vergangenheit oder mit Geheimnissen.
So wie der Mediziner Joseph Frail (Gary Cooper), der eines Tages in das kleine Nest Skull Creek kommt. Er hat wohl eine schräge, dunkle Vergangenheit und hat sich als Spieler und Revolverheld bereits einen zweifelhaften Namen gemacht. Aber ein Arzt fehlt in diesem Ort und so kauft er zu einem Spottpreis ein Haus, von dem man ins Dorf herunterschauen kann. Das Haus liegt auf einem Hügel. In der ersten Szene des Films sah er diese alte Eiche mit einem dicken Ast, über den ein Seil mit einem ausgefransten Ende gewickelt war, vermutlich eine ehemalige Schlinge und nicht gerade einladend für Fremde. In dieser Gegend ist man schnell dabei einen Mitbürger aufzuknüpfen. Als der junge Rune (Ben Piazza) von Goldsucher Frenchy (Karl Malden) angeschossen wurde, weil der versuchte Gold zus stehlen, kann er ihn verstecken, die kugel entfernen und ihn gesund pflegen. Doch der Doktor tat dies nicht nur aus reiner Nächstenliebe, sondern zwingt den jungen Mann für ihn zu arbeiten, solange bis er die Schuld abgetragen hat. Die Bevölkerung ist dem neuen Arzt misstrauisch gesinnt, der selbsternannte Prediger und Arzt Dr. George Grubb (George C. Scott) macht sogar öffentlich Stimmung gegen seinen Berufskollegen, er bezichtigt ihn als Abgesandten des Teufels. Als eine Postkutsche ausgeraubt wird, werden der Kutscher und ein männlicher Passagier getötet. Dessen Tochter Elizabeth (Maria Schell), eine Schwedin, ist verschwunden. Ein Suchtrupp wird gebildet und man kann die Frau tatsächlich schwer verletzt zum Doktor bringen. Sie hat Verbrennungen am Körper, ist wohl vorübergehend blind und braucht lange Zeit um sich zu erholen. Dadurch entsteht im Dorf Gerede - was hat eine junge Frau so lange beim Arzt zu suchen und wer weiß was der für die Pflege verlangt. Als sie gesund ist sucht sie gemeinsam mit dem lüsternen Frenchy und Rune Gold, die drei kaufen einen Claim. Und tatsächlich stoßen sie auf eine riesige Goldader...

Dieser Reichtum bewirkt bei einigen Figuren in "Der Galgenbaum" das die ganz schlechten Eigenschaften plötzlich herausgekehrt werden und das ganze Dorf feiert mit, es fließt Alkohol in Strömen und Delmer Daves Film ist natürlich bis zum Schluß so düster, dass man die nahende Katastrophe schon erahnt. Die Musik stammt von Max Steiner und die Kameraarbeit stammt von Ted McCord, der schon einige Jahre vorher für "Der Schatz der Sierra Madre" perfekte Bilder schuf. 


Bewertung:  9 von 10 Punkten. 

 

Donnerstag, 25. November 2021

Cheyenne (Cheyenne)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Die aussichtslose Reise nach Hause...

John Fords letzter Western "Cheyenne" ist sicherlich sein indianerfreundlichster Western. Dennoch kommt der epische und bildgewaltige Film nicht ganz an Fords Meisterwerke in diesem Genre wie "Der schwarze Falke", "Der Mann, der Liberty Valance erschoß", "Ringo" oder "Bis zum letzten Mann" heran. Dennoch ist auch diese selbstkritische Reflektion mit den Native Americans beachtlich. Während Ford in seinen früheren Filmen den Indianer immer als stolzen Krieger präsentierte, hat sich in dem 1964 entstandenen Spätwerk die Rolle vom Täter zum Opfer gewandelt. Er zeigt schonungslos das Leiden der Ureinwohner, sie wurden nach dem unterlegenen Kampf vertrieben, in den ihnen zugewiesenen Reservaten herrscht Armut und Hunger. Der systematische Völkermord nimmt seinen Lauf. Und Ford weist auch am Anfang bitter darauf hin, dass die hier gezeigten Ereignisse lediglich als kleine, wenig bedeutende Fußnote in den amerikanischen Geschichtsbüchern auftaucht. Im Jahr 1878 leben die Cheyenne in einem sehr unwirtlichen Reservat im "Indian Territory" in Oklahoma. Die Zwangsumsiedlung hat verursacht, dass von vielen 1000 Menschen nur noch 286 Überlebende existieren. Der Winter steht bevor und in dieser kargen Gegend bedeutet dies wieder für viele den sicheren Tod. So beschließt der Rest des erschöpften Stammes in ihre Heimat Yellowstone, in Montana zu den ehemaligen Jagdrevieren zurückzukehren. Unter der Führung der beiden Häuptlinge Dull Knife (Gilbert Roland) und Little Wolf (Ricardo Montalban) soll der anstrengende 1.500 Meilen Marsch gelingen. Begleitet wird die Gruppe von der engagierten Quäkerin Deborah Wright (Carroll Baker), die noch vor kurzem als Lehrerin im Fort die indianischen Kindern unterrichtet hatte. Der sehr vernünftige Captain Archer (Richard Widmark) von der US-Kavallerie hat die undankbare Aufgabe die Indianer aufzuhalten und wieder ins Reservat zurückzubringen. Dabei gibt es sowohl bei den Indianern als auch bei den Soldaten hitzköpfige Menschen. Der junge Krieger Red Shirt (Sal Mineo) will seine Waffe sprechen lassen, auch Lieutenant Scott (Patrick Wayne), dessen Vater von den Indianern getötet wurde, erhofft sich den Schlagabtausch mittels Waffengewalt. Archer erkennt die unmenschliche Aktion und versucht den US-Innenminister Carl Schurz (Edward G. Robinson) dazu zu bewegen sich für die Cheyenne einzusetzen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da die Presse von arglistigen und bösartigen Rothäuten berichtet und so weiterhin das Feindbild schürt. Auf dem Weg in die Heimat trennt sich aufgrund des großen Hungers der Stamm. Ein Teil sucht Hilfe im Fort. Dort verschlechtert sich die Lage der Cheyenne drastisch, da der befehlshabende Captain Wessels (Karl Malden) ganz stur darauf beharrt Befehle zu befolgen...


Der Film hat eine Laufzeit von 151 Minuten. In der Mitte des Films fügt Ford eine vergnügliche Sequenz, die in "Dodge City" spielt und mit den Gaststars James Stewart als Wyatt Earp, Arthur Kennedy als Doc Holliday und John Carradine als Richter Blair der tragischen Geschichte eine Art "Break" aufzwingt. Diese Szene spielt im Saloon und zeigt die drei Männer beim Pokern. Der Rest der Stadt ist völlig aus dem Häuschen, weil die Soldaten abziehen und man befürchtet, dass die Rothäuse auf Kriegspfad die Stadt angreifen könnten. Vier Siedler sprachen auch, dass sie von Rothäuten angegriffen wurden. Dabei weiß es der Zuschauer besser, denn diese vier Männer begegneten zwei Indianern, die die weißen Männer freundlich begrüßten und auf ihre leeren Mägen aufmerksam machten. Einer der Siedler nahm die Pistole und knallte einen der Cheyenne einfach ab. Der zweite floh. Auch wenn Wyatt die Angaben dieser Männer durchschaute, es gehört zum Tenor des Films, dass aus dem Mord keine Konsequenz erfolgt. Tatsächlich gibt es keine Hoffnung für ein sterbendes Volk.
Die Kameraarbeit von William H. Clothier ist dabei so gut, dass sie für einen Oscar nominiert wurde. Diese Leistung rückt den Film auch in die Kategorie eines bildgewaltigen Epos. Auch bei den Golden Globe Nominees des Jahres 1964 erfuhr "Cheyenne" eine Würdigung. Nebendarsteller Gilbert Roland ging als Bester Nebendarsteller ins Rennen, er unterlag allerdings Edmund O´Brien für John Frankenheimers "Seven Days in May".

Bewertung: 8 von 10 Punkten.