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Sonntag, 12. Dezember 2021

Der Weg nach Westen (The Way West)


Regie: Andrew V. McLaglen

Der Treck nach Oregon...

1967 inszenierte Andrew V. McLaglen mit dem Siedlerepos "Der Weg nach Westen" sicherlich einer seiner besten Filme. Vor allem die realistische Schilderung dieses Trecks von Missouri bis nach Oregon ist überzeugend realistisch. Dazu kommt die Verschönerung der Geschichte durch den Bilderbogen, den der Kameramann William S. Clothier einmal mehr präsentiert.
Erzählt wird die beschwerliche Reise eines Siedlertrecks von Missouri ins entfernte Oregon, der von Senator William J. Tadlock (Kirk Douglas) geleitet wird. Der Mann, der seine Frau verloren hat und nur noch seinen kleinen Sohn (Stefan Arngrim) hat, will in Oregon mit den Mitreisenden eine neue Zukunft aufbauen. Dazu hat er vor eine Stadt zu bauen, der Bauplan steht schon fest. Aber die Reise ist auch gefährlich, deshalb engagiert er den versierten Dick Summers (Robert Mitchum), der als der beste Führer durch das noch unentdeckte Land gilt. Auch Farmer Lije Evans (Richard Widmark) kann seine Frau Becky (Lola Albright) überreden die Zelte abzubrechen und eine neue Herausforderung anzunehmen. Sohn Brownie (Michael McGreevey) ist aber sofort Feuer und Flamme und hat sich gleich in die etwa gleichaltrige und frühreife Mercy McBee (Sally Fields) verguckt, die mit ihren Eltern (Harry Carey jr, Connie Sawyer) reist. Auch das junge frischvermählte Ehepaar Johnny (Michael Witney) und Amanda Mack (Katherine Justice) sind unter den vielen Reisenden. Summers hat ein Problem mit seinem Augenlicht und ist dem Alkohol nicht abgeneigt, dies führt immer wieder zu Differenzen mit den selbstherrlichen Senator. Bald gibt es ein erstes Treffen mit den Indianern. Summers kann gerade noch rechtzeitig einschreiten als der junge Brownie von den Rothäuten getötet werden soll. Die Indianer reiten mit zum Treck, der etwas entfernt lagert. In dieser Nacht meint es das Schicksal nicht gut mit den Siedlern. Johnny, von seiner Frau ständig abgewiesen, trifft sich im Wals mit Mercy - die beiden lieben sich und während die anderen Siedlern mit den Indianer feiern, fällt ein Schuß. Johnny ist der Schütze, der dachte, dass ein wildes Tier sich anschleicht, stattdessen war es der kleine Sohn des Häuptlings, der tot unter dem Tierfell liegt. Die Siedler verheimlichen das Unglück und versuchen so schnell wie möglich weiterzufahren und vor den Indianern zu flüchten. Doch die Indianer lassen nicht locker...

Am Anfang wird der old School Western etwas behäbig und altmodisch, doch der Treck gewinnt zunehmend an Fahrt. Dabei ist es interessant, dass die drei Zugpferde gar nicht mal markante Rollen spielen, besonders Mitchum und Widmark bleiben insgesamt zwar solide, aber weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Lediglich Kirk Douglas als zwiespältiger Treckführer, der das Unternehmen so führt, dass noch eine Meuterei aufkommt, hat einige wirklich gute Szenen. Und davon bietet der Film auch sonst recht viel. Besonders die Sequenzen mit den Indianern sind äusserst spannend und sorgen auch für einen dramatischen Schlußpunkt und einen Gehängten. Die interessanteren Charaktere des Films sind eindeutig die jüngeren Treckmitglieder. Der unterversorgte Ehemann Johnny, aber auch der aufrechte Brownie, der im Laufe der Handlung vom Kind zum Erwachsenen wird. Die zweifache Oscarpreisträgerin Sally Field ist in ihrer ersten Rolle zu sehen.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

 

Samstag, 27. November 2021

Verfolgt (Pursued)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Raoul Walsh

Film Noir des Westens...

Raoul Walsh wurde eine Regielegende aufgrund seines handwerklichen Könnens in den Sparten des Gangster- und Westernfilms. Er schuf Vorläufer undKlassiker des Film Noirs wie "Die wilden Zwanziger", "Entscheidung in der Sierra" oder "Sprung in den Tod". Seine Western wie "Sein letztes Kommando", "Herr der Silberminen" oder "Vogelfrei" zählen zu den wichtigsten Filmen des Genres. 1947 kreuzte er beide Genres in "Verfolgt" (Original: Pursued) und schuf sogar einen seiner besten Filme überhaupt.
Das lag vor allem an der klasse Besetzung mit Robert Mitchum als Aussenseiter Jeb Rand. Die damals frischgebackene Oscar-Gewinnerin Teresa Wright spielt die weibliche Hauptrolle und die als Miss Danvers in "Rebecca" berühmt gewordene Judith Anderson die tragende Nebenrolle und Schlüsselfigur der Geschichte.
Der Film spielt bereits am Ende des Wilden Westens, der bald ganz verschwunden sein wird. Aber immer noch zählt das Recht des Stärkeren. Der 11jährige Jeb Rand (Ernest Severn) erlebt etwas sehr schreckliches. In der Zukunft wird er sich nicht mehr ganz an das traumatische Erlebnis erinnern können, er weiß nur, dass er Angst hat und er sieht Cowboystiefel mit Sporen in seinen Alpträumen und wird von diesen immer wieder verfolgt. Es war die Nacht als sein Vater zu Tode kam. Die Nachbarin Mrs. Callum (Judith Anderson) holte ihn aus seinem dunklen Versteck in diesem Haus heraus und nahm ihn mit auf ihre Ranch. So wuchs er gemeinsam mit Mrs. Callums Kinder Adam (Charles Bates) und Thor (Peggy Miller) auf. Zwischen den beiden Jungs kam es aber immer wieder zum Streit, da der kleine Adam sehr eifersüchtig war.
Als Erwachsene kümmert sich Adam (John Rodney) um die Ranch, während Jeb (Robert Mitchum) nicht so interessiert daran ist. Er liebt aber Thor (Teresa Wright) und die erwidert seine Gefühle. Als der spanisch-amerikanische Krieg ausbricht, muß einer der Jungs zur Armee. Eine Münze wird geworfen und Jeb zieht in den Krieg. Er kehrt als Kriegsheld zurück. Nun wird Adams Eifersucht wieder wach und aufgestachelt von einem Grand Callum (Dean Jagger), der sich als Verwandter der Familie zu erkennen gibt, lauert Adam Jeb auf und schießt von einem Hinterhalt auf ihn. Jeb wehrt sich und trifft seinen "Bruder" tödlich. Damit wird er zur Hassfigur von Mutter Callum und von Thor....

Die Geschichte der Familienfehde Callum und Rand wird etwas vernachlässigt, man erfährt nicht ganz soviel. Dafür werden aber die Geheimnisse und Neurosen der Figuren sehr gut herausgearbeitet und die Geschichte steht unter den starken Emotionen - besonders Thor schwankt hin und her zwischen Liebe und Haß. Erst am Ende kann sie sich für eine Seite entscheiden. Vielleicht zu spät ? Das Showdown findet in der verfallenen Ranch der Rands statt - damit ist auch ein Platz gewählt, wo sich Jeb endlich wieder an das schreckliche Ereignis von damals erinnern kann. Und nicht weit von ihm steht auch schon sein größter Feind...bereit ihn zu töten, wie er es schon vor vielen Jahren wollte, aber damals daran gehindert wurde.

Bewertung: 9,5  von 10 Punkten.

Donnerstag, 25. November 2021

Fluß ohne Wiederkehr (River of no Return)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Otto Preminger

Fluß des Lebens...

Sicherlich nicht der beste Western aller Zeiten, jedoch einer der schönsten und Marilyns bester Film nach "Niagara" und "Misfits".
Diese Geschichte ist so einfach, dennoch funktionert sie bestens. Schliesslich ist der Fluß ohne Wiederkehr im übertragenen Sinne die Geschichte des Lebens und daher wirkt die Reise, die Marilyn mit Robert Mitchum und Tommy Rettig antritt, federleicht und doch sehr elementar.
Robert Mitchum spielt den Farmer Matt Calder. Er hat sich um 1875 im Nordwesten der USA und im Indianergebiet eine neue Existenz aufgebaut, denn er war im Knast. Seine Frau zog den gemeinsamen Sohn Mark (Tommy Rettig) alleine auf, doch nun ist sie verstorben. Der Junge kennt seinen Vater nicht, doch er soll bei ihm leben. Ein Mann hat den Jungen in eine Goldgräberstadt gebracht, dort soll die Übergabe an den Vater stattfinden. Doch dem Mann ist der Goldrausch wichtiger, er lädt den Jungen dort ab und verschwindet. Immerhin kümmert sich die Barsängerin Kay Weston (Marilyn Monroe) um das herumirrende Kind. Nebenbei singt sie für die Goldgräber klasse Songs wie "One Silver Dollar", "I´m gonna file my claim", "Running Wild" oder "Down in the Meadow". Die Wiedersehensfreude von Vater und Sohn ist groß und es folgen harmonische Tage auf der kleinen Farm. Doch die Indianer scheinen ihr Kriegsbeil auszugraben. Und Kays Freund, der Glücksspieler Harry Weston (Rory Calhoun) hat beim Kartenspiel eine Goldmine gewonnen. Der will schnell in die nächst größere Stadt Council City, um die Goldmine registrieren zu lassen. Möglicherweise ist ihm der Mann auf den Fersen, der die Mine an ihn verloren hat. Mit ihrem Floß kommen Harry und Kay aber nicht weit. Zum Glück kommen sie an Matts Farm vorbei, der die beiden vor den gefährlichen Stromschnellen warnt, die die Reise noch bietet.
Harry will Matts einziges Pferd ausleihen, doch der sagt Nein. Was Harry schließlich dann mit Gewalt erzwingt. Er haut alleine ab, weil sich Kay um den verletzten Matt kümmern will und schon tauchen auch die Indianer auf. Matt kann im letzten Augenblick mit Kay und Mark mit dem Floß fliehen. Er ist fest entschlossen, sich an Harry zu rächen. Aber zuerst mal müssen sie überhaupt in der Stadt ankommen...

Marilyn als Barsängerin singt diese bereits unverwüstlichen Klassiker des Films, am Ende hört man sogar den Filmsong "River of no return" in ihrer Version.
Die lebensgefährliche Fahrt auf dem Floß ist unausweichlich und dort setzt auch die wunderbare Liebesgeschichte zwischen Mitchum und Monroe ein, die sich dann am Schluss nach vielen Verwirrungen und noch mehr Gefahren, auch "bekommen".
Aber zuerst müssen alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Wilde Indianer, ein gefährlicher Puma und einige miese Halunken. Kameramann Joseph LaShelle wurde insgesamt 9 Mal für den Oscar nominiert. Für Premigers "Laura" erhielt er die Trophäe. Hier begeistert er mit wunderschönen Einstellungen in Technicolor. Die Kulisse ist so fabelhaft und imposant, auch heute begeistert Otto Premingers einziger Western noch.
Die Tingeltangel-Schuhe werden dann am Ende fortgeschmissen - sie wählt Liebe und Ehe in diesem "River of no Return"....sagenhaft schön ist das Alles. Mit 3,8 Millionen Dollar erzielte man ein Top-Ergebnis an der Kasse.

Bewertung: 10 von 10 Punkten

El Dorado (El Dorado)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Howard Hawks

Klapprige Helden starten durch...

"Bei den Dreharbeiten zu "Rio Bravo" kamen wir an einen Punkt, wo wir die Wahl hatten, die Geschichte in die eine oder in die andere Richtung zu entwickeln. Wir entschieden uns die eine Richtung, aber wir haben uns immer Notizen gemacht, weil wir uns sagten, diese andere Idee ist so gut, die könnten wir ein andermal gebrauchen" - und so kam es zum Beinahe-Remake "El Dorado". Da wurde dann aus dem Jungen, der super schießen konnte (Ricky Nelson als "Colorado" in Rio Bravo) ein Junge, der überhaupt nicht schießen konnte, dafür aber prima mit dem Messer umgehen konnte: Alan Bourdillon Traherne oder besser Mississippi, gespielt vom jungen James Caan. John Wayne spielte in "Rio Bravo" den Sheriff und in "El Dorado" bekam Robert Mitchum diesen Part. Es sollte auch noch zu einem 3. Teil dieser sehr ähnlichen Hawks Western kommen. Vor den Dreharbeiten zu "Rio Lobo" meinte Wayne "Diesmal sollte ich den Trunkenbold spielen".
Während "Rio Lobo" sowohl in seiner Qualität als auch in der Gunst des Publikums nicht etwas abfiel, wurden "Rio Bravo" und "El Dorado" echte Kinohits und gehören zu den ganz großen Klassikern des Westerngenres.
"Rio Bravo" spielte 5,8 Millionen Dollar in den USA ein und war einer der erfolgreichsten 10 Filme des Jahres 1959. "El Dorado" brachte es im Filmjahr 1966 auf 6 Millionen Dollar Einspielergebnis und wurde so der sechsterfolgreichste Kassenschlager des Jahres.
Das Drehbuch wurde wieder von Leigh Brackett geschrieben. Gefilmt wurde in Arizona und Utah in schönstem Technicolor. Musikalisch kam ein Song von Nelson Riddle (gesungen von George Alexander) zum Einsatz, der die schön gefilmte Western-Gemälde Titelsequenz perfekt untermalt.
Erzählt wird die Geschichte eines Rancherkrieges. Der brutale Viehbaron Bart Jason (Ed Asner) hat es sich in den Kopf gesetzt, die in El Dorado schon lange ansässige Siederfamilie der McDonalds zu vertreiben, weil er das Wasser will. Dazu versucht er den alternden Revolverhelden Cole Thornton (John Wayne) zu engagieren, doch der lehnt ab als er von seinem Freund J.P Harrah (Robert Mitchum), dem Sheriff von El Dorado hört, dass das Recht auf der Seite der McDonalds ist. Dennoch kommt es zu einem Unglück. Da die McDonalds bereits erfahren haben, dass Bart jason einen Auftragskiller engagiert hat, wird der jüngste Sohn Luke (Johnny Crawford) beauftragt auf einem Felsen zu warten und Schüsse abzugeben, wenn der gefährliche Thornton dort vorbeireitet. Als Luke schießt, greift Thornton in Notwehr zur Waffe. Der Junge stirbt und Thornton reitet mit der Leiche zur Farm der McDonalds. Während der Vater (R.G. Armstrong) seinen Worten Glauben schenkt, ist die wilde Tochter Joey (Michelle Carey) hasserfüllt und schießt erfolgreich auf Thornton, als er zur Stadt zurückkehrt. Die Folge davon ist, dass er nun eine Kugel im Rücken stecken hat, die er bald operativ entfernen sollte. Doch es treibt ihn weiter. In einem Grenzstädtchen trifft Thornton auf den berüchtigten Revolverhelden Nelse McLeod (Christopher George), der von Bart Jason für den Konflikt in El Dorado engagiert wurde und auf den Jungen Mississippi (James Caan), der den letzten Mörder seines besten Freundes rächt. Von McLeod erfährt er, dass der Sheriff von El Dorado ein echter Trunkenbold geworden ist, von dem keine große Gefahr ausgeht. Natürlich kehrt Cole nach El Dorado zurück. Dort trifft er auf seine alten Freunde Maudie (Charlene Holt) und auf den alten Indianerkämpfer Bull Harris (Arthur Hunnicut). Gemeinsam mit Mississippi machen sie den besoffenen Sheriff (wurde zum Säufer wegen eines Flittchens) wieder fit. Ein altes Hausrezept von Mississippi soll dabei helfen....

Natürlich setzt Howard Hawks auf eine perfekte Mischung aus Spannung, Action und Humor. Und wie üblich sind ihm die Figuren viel wichtiger als die Handlung selbst. Die Helden in "El Dorado" sind müde geworden, aber immer noch gut genug, um den Kampf gegen die Bösen erfolgreich aufzunehmen und den am Ende auch für sich zu entscheiden. Schöne Szene am Schluß. Der Oberbandit und beste Revolverheld wird vom Duke unfein erledigt. Sterbend sagt McLeod "Thornton, du hast mir ja gar keine Chance gegeben" und bekommt zur Antwort "Du bist zu gut, als dass man dir eine Chance geben könnte". Humpelnd und auf Krücken sind die beiden Haudegen Wayne und Mitchum ein erfolgreiches Gespann gewesen. "Rio Bravo" ist ein Klassewestern und "El Dorado" steht dem in nichts nach. Die beiden Edelwestern sind gleichwertig...auch wenn Walter Brennan als Stumpy gefehlt hat. 
Großartige Cinematographie von Harold Rosson (Asphalt Dschungel, Johnny Eager, Duell in der Sonne, Böse Saat, Singin in the Rain).

Bewertung: 10 von 10 Punkten.