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Freitag, 17. Dezember 2021

Warlock (Warlock)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Edward Dmytryk

Der Marshall und sein Geschäftspartner...

Ich habe "Warlock" zweimal im TV gesehen und fand ihn damals recht verworren. Die hier vorliegende Version schliesst durch das Hinzufügen vielen kleiner Szenen des Originals die logischen Lücken - da fiel einfach viel Handlung in der deutschen Version der Schere zum Opfer.
Jetzt kommt der Film viel schlüssiger daher und dies wertet den Film merklich auf.
Die Handlung ist sicherlich für einen Western sehr unkonventionell, ja sogar verwegen, wenn man die Rolle des Anthony Quinn bedenkt, den wir erst als Geschäftspartner vom Marshall Henry Fonda wahrnehmen, dann als sein über Leichen gehendes eifersüchtiger Liebhaber. Zwar eine etwas versteckte Homokomponente, die dann immer offensichtlicher ausgetragen wird, als der Marshall heiraten und sich in Warlock sesshaft machen möchte.
So gesehen fast ein Vorläufer zu "Brokeback Mountain", denn auch in Warlock läuft diese Sache sehr versteckt ab und nur der Zuschauer erahnt die Tragweite der Beziehung...
Diese Männerbeziehung ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte um die Stadt. Dort wird der ehemalige Sheriff eingangs von einer Bande verjagt, die Bürger entscheiden sich dann eben den berüchtigten Revolverhelden Fonda als Marshall zu engagieren.


Erst im Lauf des Films erhält die dritte grosse Figur - Richard Widmark - klarere Konturen. Er gehört zuerst zu dieser besagten Bande und kann sich langsam aber sicher abnabeln, wechselt zu den Guten ins bürgerliche Lager.
War Fonda anfangs der Retter der Stadt, so ändert sich hier ebenfalls das Blatt. Der Marshall wird zur Belastung. Ein Mann, der hauptsächlich an seiner eigenen Legendenbildung feilt und sich als überlebensgrosse Ikone selbstherrlich feiern lässt - eine Paraderolle für Fonda.
Zwei Frauen dann als Schlüsselfiguren. Die wohlbehütete brave Bürgerin, die sich in den Marshall verliebt und eine gestrauchelte Tingeltangel-Lady. Sie möchte sich am Marshall rächen, aber auch sie ändert ihre Ziele und so werden Dorothy Malone und Richard Widmark nicht nur zum Filmpaar, auch zu den wahren Rettern des Städchens. Zwei ehemals zwiespältige Charaktere sind am Ende die Helden der Story...am Schluss verlässt der Marshall die Stadt...allein. In der Nacht zuvor erschoss er im Duell einen Menschen, der ihm nicht nur seine schillernde Identität gab...er reitet verbittert davon und nimmt viele Geheimnisse mit sich mit.
Dmytryk hat einen sehr guten Western gemacht....

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Samstag, 4. Dezember 2021

Faustrecht der Prärie (My Darling Clementine)


Regie: John Ford

Die Legende um Wyatt Earp...

Die Schießerei am O.K.Corral ist ein berühmtes Feuergefecht im damaligen Arizona-Territorium. Der Vorfall diente als Vorbild zahlreicher Western Filme und ist darüberhinaus auch sinnbildlich für den Kampf zwischen Gesetzeshüter und Bandit. Die Schießerei wurde am 26. Oktober 1881 in Tombstone, Arizona ausgetragen. Die Gegner hießen Marshall Wyatt Earp (Henry Fonda), sein Bruder Morgan (Ward Bond) und sein Freund Doc Holliday (Victor Mature) auf der Seite der Guten, die sich den Machenschaften von Newman Haynes Clanton (Walter Brennan) und dessen Söhnen in den Weg stellten. Dabei ist "Faustrecht der Prärie" (Original" My Darling Clementine") nicht unbedingt historisch genau. Allerdings hat John Ford immer behauptet, er hätte Wyatt Earp kurz vor dessen Tod in den 20er Jahren selbst kennengelernt und hätte sich inhaltlich an die Erzählung des berühmten US-Marshalls aus Dodge City und Tombstone gehalten. In der Anfangssequenz sieht man Wyatt Earp als friedlichen Viehzüchter, der mit seinen drei Brüdern Morgan, Virgil (Tim Holt) und James (Don Garner) eine Vieh-Herde nach Kalifornien bringen will. Sie machen Rast und erfahren von dem Rancher Clanton, dass in der Nähe die Stadt Tombstone liegt. Dort soll viel los sein. Die drei älteren Brüder reiten in die Stadt, der 18jährige James soll auf die Herde aufpassen. Tombstone selbst entpuppt sich als wilde Stadt. Wyatt kann einen schießwütigen, randalierenden Indianer stoppen und bekommt das Angebot Sheriff zu werden. Er lehnt ab. Als sie zur Herde zurückreiten, finden sie nur noch den toten James. Die Tiere sind verschwunden. So bleibt Wyatt doch in der Stadt und sorgt für Gesetz und Ordnung. Er lernt in dem TBC kranken Arzt, Spieler und Revolverhelden Doc Holliday einen guten Freund kennen. Dieser ist mit der Bardame Chihuahu (Linda Darnell) liiert. Er bekommt aber Besuch von seiner Exverlobten Clementine Carter (Cathy Downs), die ihn lange gesucht hat....


"Faustrecht der Prärie" ist ein sehr guter 40er Jahre Western und zählt natürlich zu den ganz großen Klassikern des Genres. Eine der schönsten Szenen steht am Ende des Films, als Wyatt Earp sich von Clementine verabschiedet. Hier entfaltet sich einmal mehr John Fords poetische Stärke, auch wenn der Meisterregisseur gerne ein anderes Ende gehabt hätte. Er wollte nicht, dass Wyatt fortreiten muss. Schön und wehmütig ist es aber trotzdem und in den beiden Figuren Wyatt Earp und Doc Holliday sind nicht nur Freunde, sondern auch "Gegenspieler", wenn man deren mentale Ausrichtung vergleicht. Earp ist der Optimist. In einer der bekanntesten Szenen des Edelwesterns sitzt er auf der Veranda und scheint über alles erhaben zu sein. Anders Holliday, der dem Film einen gewissen Pessimismus verpasst. Er ist ein bitterer Held.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Rache für Jesse James (The Return of Frank James)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Fritz Lang

Was nach dem Mord an Jesse James geschah..

Henry Kings Verfilmung von "Jesse James" aus dem Jahr 1939 war ein riesiger Publikumserfolg und einer der kassenträchtigsten Filme seines Jahrgangs. Kein Wunder, dass die Twentieth Century Fox eine Fortsetzung nachschob. Und hier kommt der deutsche Hollywood Regisseur Fritz Lang ins Spiel, der mit "Rache für Jesse James" seinen ersten Western machte. Mit "Überfall der Ogallalla" sollte noch ein weiterer guter Genrevertreter nachfolgen.
Die Geschichte spielt nach dem Mord an Jesse James, der von den beiden Brüdern Charlie (Charles Tannen) und Robert Ford (John Carradine) hinterrücks erschossen wurde. Jesses Bruder Frank (Henry Fonda) hat sich unter einem anderen Namen als Farmer niedergelassen. Mit ihm bewirtschaften seine Freunde Clem (Jackie Cooper) und Pinky (Ernest Whitman) den Hof. Er trauert um seinen Bruder, hat aber das Gefühl, dass die beiden Mörder keine Belohnung für den feigen Mord erhalten, sondern ist überzeugt, dass sie am Galgen baumeln werden. Doch das Gericht kommt zum Schluß die beiden Übeltäter freizusprechen. Ein großen Anteil an diesem Urteil hat der Eisenbahnchef McCoy (Donald Meek), der sich nichts sehnlichster herbeiwünscht als die Festnahme von Frank James. Als Frank vom Freispruch erfährt, schwört er Rache zu üben. Der junge Clem will Frank unbedingt begleiten. Doch dazu brauchen die beiden Rächer Geld - ein Raub von Geldern, die der Eisenbahngesellschaft gehören wird durchgeführt. Dabei kommt der Vorsteher einer Bahnstation ums Leben. Es war zwar nicht die Kugel von Frank und seinen Freunden, der tödliche Schuß wurde von den Bürgern, die sich draußen befanden, ausgelöst. Aber fortan wird Frank auch als Mörder gesucht. Unterwegs lernt er die hübsche Zeitungsreporterin Eleanor Stone (Gene Tierney) kennen, die für das Blatt ihres Vaters (Lloyd Corrigan) schreibt. Ihr erster großer Exklusivbericht handelt von Frank James. Und von seinem tragischen Tod...Frank und Clem haben selbst das Gerücht gestreut. Dadurch fühlen sich die Ford Brüder in Sicherheit und spielen ungeniert mit bei einem Theaterstück, dass die Ermordung von Jesse James auf der Bühne nachspielt. Natürlich völlig falsch. In dieser Inszenierung werden die Fords zu unerschrockenen Helden hochstilisiert und die James Brüder werden als Widerlinge dargestellt, die sogar wehrlose Frauen erschießen. Während der Aufführung erkennt Robert Ford aber seinen Verfolger und nun ist die Jagd eröffnet. Dabei stirbt Charlie Ford. Robert kann entkommen und Frank erfährt von der Reporterin, dass man in seiner Heimat den unschuldigen Pinky zum Tod verurteilt hat. Angeblich wegen Mittäterschaft. Nun muss sich Frank entscheiden: Den Bruder rächen oder aber den Freund vor dem Galgen zu bewahren...

Für Fritz Lang war es nicht nur der erste Western, sondern auch der erste Farbfilm. Dabei gelingt ihm ein sehr unterhaltsamer Western mit vielen guten Szenen. So zum Beispiel die Begegnung im örtlichen Theater, wo diie Geschichte der Ermordung von Jesse als verlogene Schmierenkomödie zur Aufführung kommt oder wenn der erste Ford in einen reißenden Sturzbach stürzt und dabei zu Tode kommt. Gene Tierney absolvierte mit diesem Film ihr Debüt und gemeinsam mit Jackie Cooper steht sie für den jugendlichen Touch des Films. Für einige Lacher sorgt Henry Hull als Major Rufus Todd, der Frank am Ende vor Gericht vertritt.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Sonntag, 28. November 2021

Bis zum letzten Mann (Fort Apache)


Regie: John Ford

Massaker...

In "Bis zum letzten Mann" geht es um Legendenbildungen, die auf Lügen oder Unwahrheiten basieren. Dies kommt besonders in der Schlusszene zur Geltung, die in der deutschen Fassung (nur 90 Minuten lang und daher in gravierender Weise verstümmelt) leider nicht gezeigt wird. Eine Szene, in der der überforderte Befehlshaber Kavallerieoffizier Owen Thursday (Henry Fonda) als Held der Nation verklärt wird. Dabei wird die bittere Wahrheit verschwiegen, dass dessen fragwürdiger Befehl (Indianer angreifen, obwohl von deren Seite Friede signalisiert wird) vielen Soldaten seiner Kompanie den sinnlosen Heldentod bringt. Dem Verursacher eines widerlichen Massakers wird diese Legendenbildung als tapferer Held angedichtet. John Wayne als Captain Kirby York weiß es besser, aber er hält seinen Mund und bescheinigt seinem verstorbenen Vorgesetzten den Mut großer Helden.
Diese Szene nahm Ford dann einige Jahre später in seinem Alterswerk "Der Mann, der Liberty Valance erschoß" wieder auf. Die so ruhmreiche Nation Amerika schöpft aus Heldengeschichten, die sich in Wahrheit ganz anders zugetragen haben. Aber diese Tatsachen taugen nicht um eine Nation zu stärken. So nimmt John Ford - der große Chronist der amerikanischen Pioniertage - eine kritische Haltung dazu ein. In einem Interview gab er auch mal zu, dass er schon immer auf der Seite der Indianer war - in diesem Film aus dem Jahr 1948 ist das gut zu erkennen und somit war "Bis zum letzten Mann" seiner Zeit voraus, denn erst einige Jahre später sollten weitere Western entstehen, die einen positiven Blick auf die Ureinwohner zuliessen. "Fluch des Blutes" der Noir Western von Anthony Mann etwa oder der berühmte James Stewart Film "Der gebrochene Pfeil" von Delmer Daves.
Die DVD enthält zum Glück auch die amerikanische Originalfassung (mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln) und in dieser Fassung erkennt man auch die Qualitäten dieses Kavalleriewestern als unvergessliches Meisterwerk.
In der einen oder anderen Szene ist der Film natürlich auch patriotisch angehaucht und verklärt das Militär. Kein Wunder, denn für Ford waren das reine Auftragsarbeiten - umso mutiger, dass er im Laufe der Handlung des Films, der im Original "Fort Apache" heißt, einen so kritischen, bitteren und galligen Kommentar zum Militär abgibt.
Die Geschichte spielt kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Obwohl Captain Kirby York (John Wayne) ein guter Mann für den Posten als Befehlshaber des abgelegenen Fort Apache, irgendwo im Südwesten der USA, wäre, wird der Kavallerieoffizier Owen Thursday (Henry Fonda), im Bürgerkrieg zum General aufestiegen und danach zum Oberstleutnant degradiert, für diesen Posten ausgewählt. Thursday fasst diese Entscheidung als Demütigung an und betrachtet diese Aufgabe nur als Zwischenstation für seine hoffentlich weiter fortschreitende Militärkarriere. Aber er weiß auch, dass nur ein prestigeträchtiger Sieg diese Beförderungen Wirklichkeit werden lassen. So könnte er ein Sieg über die Indianerstämme erringen, die sich mehr und mehr kriegerisch geben. Doch der Mann, der mit seiner hübschen Tochter Philadephia (Shirley Temple) im Fort ankommt, versteht es sehr schnell sich durch seine steife und arrogante Art bei den Soldaten unbeliebt zu machen. Er hat trotz Kriegserfahrung wenig Ahnung vom Umgang mit den Indianer, die er für ungebildete Wilde hält und York hält ihn für einen inkompetenten und egozentrischen Besserwisser. Auch die beginnende Liebe seiner Tochter zu Lieutenant Michael O´Rourke (John Agar) ist ihm ein Dorn im Auge, er hält den Mann nicht gut genug für seine Tochter. Schließlich ist dessen Vater (Ward Bond) lediglich ein Sergeant. So sind zukünftig Konfikte zu erwarten. York gelingt es das Vertrauen des Häutpling Cochise (Miguel Inglan) zu gewinnen, der sich bereit erklärt Frieden zu wollen und einem Treffen mit Thursday zustimmt. Dieser ist aber nicht an Frieden interessiert, sondern gefällt sich in der Rolle des unschlagbaren Militärstrategen und lässt die friedliche Situation sinnlos eskalieren. Was folgt ist der Kampf zwischen seinem Bataillon und einer Überzahl von Indianern, die Soldaten werden abgeschlachtet. Nur Thursday und einige seiner Männer überleben das Massaker...

Die Ereignisse in "Fort Apache" sind an die Schlacht am Little Big Horn angelehnt. Strategische Fehleinschätzungen und eine masslose Überheblichkeit des Verantwortlichen General Custer führte zum vernichtenden Schlag und zum Sieg der Rothäute. Dabei führt Thursday auch seinen besten Mann York hinters Licht, den zu ihm hatte Häuptling Cochise Vertrauen.n Ford beleuchtet nicht nur die fragwürdigen Männer, die zu Helden aufgestiegen sind, sondern auch die psychischen Veränderungen, die in den Männern ausgelöst wurde, wenn sie Macht erlangen konnten. Von allen drei Kavalleriefilmen Fords ist "Bis zum letzten Mann"sicherlich der Beste.


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

 

Jesse James - Mann ohne Gesetz (Jesse James)


Regie: Henry King

Vom Farmerjungen zum Outlaw....

Es gibt eine ganze Reihe von Filmen, die sich mit dem Western-Mythos Jesse James beschäftigen. In jüngerer Zeit überzeugte Andrew Dominiks anspruchsvoller Arthouse-Western "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" - vor allem durch die brilliante Darstellung von Casey Affleck als Jesse James Mörder. Es war aber nicht der erste Jesse James Beitrag, der sich vornehmlich um dessen Vollstrecker kümmerte. Samuel Fullers B-Picture "Ich erschoß Jesse James" stammt aus den 40er Jahren. In den progressiven 70er Jahren versuchte Philip Kaufman den beachtlichen "Der große Minesota Überfall" zu skizzieren und auch Walter Hill leistete mit den "Long Riders" eine sehr interessante Variante. Nicholas Ray präsentierte Robert Wagner und Jeffrey Hunter als die James Brüder als "Rächer der Enterbten" in den 50ern im schönen Technicolor. Doch die erfolgreichste Leinwand-Vorstellung gelang bereits 1939 mit "Jesse James, Mann ohne Gesetz" - dieser Film von Henry King war in seinem Erscheinungsjahr nach "Vom Winde verweht", "Wizard of Oz" und "Der Glöckner von Notre Dame" der vierterfolgreichste Kinofilm des Jahres. Dieser Megaerfolg zog die gleichwertige Fortsetzung "Rache für Jesse James" von Fritz Lang  nach sich und Tyrone Power stieg mit seiner Rolle als Jesse James in die Spitzenliga der Hollywood Kinostars auf.
Ein Schatten auf den Film warf allerdings die eine bekannte Szen, in der die James Brüder samt ihrer Pferde bei ihrer Flucht von einer Klippe in die Tiefe und damit ins rettende Wasser springen. Die Tierschutzverbände waren sofort alarmiert, da es sehr wahrscheinlich war, dass sich die Pferde mit diesem waghalsigen Stunt schwer verletzt haben könnten bzw. zu Tode kamen. Dies führte zu einer sinnvollen Überwachung der Filmleute durch den Verband. Doch laut Leonard Mosleys Biografie "Zanuck: Aufstieg und Fall von Hollywoods letztem Tycoon" wurde keines der Pferde verletzt. Durch eine errichtete Platfform sorgte man für eine weiche Landung dieser wunderbaren Tiere. In Alejandro Innaritu Gonzales Trapperwestern "The Revenant" gibts eine ähnliche Szene - allerdings als CGI Trick. Zum Glück und ein Hoch auf die Technik.
Henry King verliert keine Sekunde mit unnötigen Ballast und Nebenhandlungen. Gleich am Anfang gehts zur Sache und der Zuschauer erfährt warum die mächtige Eisenbahn und deren Vertreter Schuld am Outlaw Leben der Brüder Jesse (Tyrone Power) und Frank James (Henry Fonda) wird. Die Gesellschaft zwingt die Bauern das Land, auf dem sie wohnen, zum Schleuderpreis an die Bahn zu verkaufen. Wer nicht mitmacht, dem widerfährt körperliche Gewalt. Als der Eisenbahnvertreter Barshee (Brian Donlevy) bei Mrs. Samuels (Jane Darwell), der Mutter der James Brüder, kein Glück hat und von den Jungs auch noch vom Hof verjagt wird, reagieren die Bahnleute mit noch härteren Bandagen. Bei dem Versuch die beiden Brüder festzunehmen, zünden sie den Hof an und die Mutter kommt uns Leben. Jesse James tötet den verantwortlichen Barshee und wird fortan gesucht. Er wird aber auch zum Held und Idol der armen Landbevölkerung und der Zeitungsherausgeber Major Rufus Cobbs (Henry Hull) sorgt für eine gute Presse. Dessen Nichte Zerelda James (Nancy Kelly) ist das Mädchen des jungen Jesse, aber sie müssen sich trennen - in den nächsten Jahren wird Jesse, sein Bruder und die Gang, die sie führen, immer auf der Flucht vor dem Gesetz sein. Auch US-Marshall Wright (Randolph Scott) ist hinter den Banditen her, obwohl er die Beweggründe der James Gang durchaus verstehen kann. Eisenbahn Chef McCoy (Donald Meek) setzt die Belohnungen auch immer höher. Am Ende bekommt das Bandenmitglied, dass Jesse James zur Strecke bringt eine Amnestie. Und für diese Begnadigung interessiert sich auch Jesses guter Freund Bob Ford (John Carradine)....

Henry King gilt heute als einer der typischen Repräsentanten der "Americana" - ein Stilrichtung des US-Films, der vergangene Zeiten in ruhigen und oft nostalgischen aufarbeitet. Diese Erinnerung werden verklärt und ein ganz starker Focus wird auf die menschlichen Werte gelegt. Neben "Jesse James" sind "Der Seeräuber" (ebenfalls mit Tyrone Power), "Das Lied von Bernadette", "Scharfschütze Jimmy Ringo", "Schnee am Kilimandscharo" und "Alle Herrlichkeit auf Erden" seine bekanntesten Filme. Seine vielleicht besten Filme enstanden in der Zusammenarbeit mit Gregory Peck, wie auch "Der Kommandeur" und "Bravados" eindrucksvoll beweisen. 

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Freitag, 26. November 2021

Trommeln am Mohawk (Drums along the Mohawk)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie. John Ford

1776 in Amerika....

 "Trommeln am Mohawk" entstand 1939 und ist John Fords erster Farbfilm. Im selben Jahr feierte der Regisseur Kinoerfolge mit seinen Klassikern "Ringo" und "Der junge Mr. Lincoln", ein Film über die Jugend und Anwaltsjahre des späteren amerikanischen Präsidenten. Gleich nach "Trommel am Mohawk" realisierte Ford "Die Früchte des Zorns" nach dem berühmten Roman von John Steinbeck. Zusammen ergeben diese frühen Werke Fords ein nüchternes und auch stellenweise sehr dunkles Bild amerikanischer Geschichte. Durch die schönen Farben wirkt der Film, der zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs im Jahr 1776 spielt, teilweise sehr hell und pittoresk. Doch im Hintergrund dieses Paradieses am Mohawk lauert auch der bitterkalte Winter. Ernten werden verloren, Fehlgeburten sind an der Tagesordnung und immer wieder muss der Neubürger dieser Gegend mit Indianerangriffen rechnen. In dieser kolonialen Zeit heiratet Lana Borst (Claudette Colbert), eine Tochter aus wohlhabendem Haus aus Albany, New York Giblert Martin (Henry Fonda), der mit ihr das luxuriöse Zuhause verlässt. Gil hat eine kleine Farm in Deefield im Mohawk Tal und dort wollen die beiden in Zukunft leben. Es ist Juli 1776 und der Geist der Revolution liegt in der Luft - die überwiegend deutschstämmigen Siedler des Tals haben in der Erwartung eines bevorstehenden Krieges eine Miliz gebildet. Lana ist das raue Leben nicht gewöhnt und sie hat gegenüber den Indianern auch Vorurteile aufgrund ihrer Angst. Gil ist sogar mit dem christlichen Indianer Blue back (John Big Tree) befreundet. Gil schließt sich der Miliz an, denn angeführt von dem Tory Caldwell (John Carradine) sind die Indianer auf dem Kriegspfad und fackeln die Hütten der Siedler einfach ab. Schnell verlassen die Siedler das Tal und flüchten in das nahegelegene Fort Schuyler. Gils Bauernhof wird von den Angreifern zerstört. Nun ist das junge Paar ohne Heim, doch sie finden Arbeit und neuen Mut auf der Farm der wohlhabenden Witwe McKlennar (Edna May Oliver). Doch der Krieg ist noch lange nicht vorbei..


Der Film beruht auf historischen Ereignissen und ein zentrales Thema ist der Schlacht von Oriskany gewidmet. Er basiert auf dem Roman von Walter D. Edmonds und trägt die Handschrift des Regisseurs John Ford: Einerseits romantisch, an Legendenbildung interessiert und eine echte Abenteuergeschichte einfacher Menschen, die zu dieser Zeit leben. Mit leisem Humor, mit viel Gefühl und der ganzen Fülle von Blut und Donner und natürlich voll von gefährlichen Indianerangriffen, die Ford meisterhaft in Szene gesetzt hat. Wenn die Krieger zum Beispiel aus dem Wald auftauchen oder wenn zwei Indianer hartnäckig Henry Fonda verfolgen, der Hilfe holen will. Natürlich setzt Ford wie gewohnt auf eine gute Atmosphäre und dies macht auch "Trommeln am Mohawk" zu einem feinen geschichtlichen Bilderbogen. Die Kamerarbeit von Bert Glennan und Ray Rennahan wurde gerechterweise für einen Oscar nominiert. Schauspielerisch überzeugen neben Henry Fonda und Claudette Colbert vor allem auch Edna May Oliver, die für ihre Nebenrolle als Mrs. McKlennar ebenfalls mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde. Sie musste sich allerdings Hattie McDaniel in "Vom Winde verweht" geschlagen geben.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Ritt zum Ox-Bow (The Ox Bow Incident)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

egie: Willam Wellman

Vollstrecker des Rechts...

 Nevada, 1885: Im Städtchen Bridger´s Wells herrscht gedämpfte Stimmung. Das merken auch die Cowboys Art Croft (Harry Morgan) und Gil Garter (Henry Fonda) als sie nach längerer Awesenheit die Stadt besuchen und im Saloon etwas trinken. In der letzten Zeit kam es sehr oft zu Tierdiebstählen und jeder in der Stadt will die unbekannten Diebe fangen.
Gil erfährt auch, dass seine ehemalige Freundin Rose (Mary Beth Hughes) die Stadt vor kurzem verlassen hatte, obwohl sie ja vorhatte auf ihn zu warten.
Seinen Kummer über die Verflossene ertränkt er im Saloon, es kommt sogar zu einem Disput mit dem Rancher Farnley (Marc Lawrence), der im Saloon sogar die beiden Cowboys in den Viehdiebstahlverdacht stellt, da diese ja auch einige Zeit weg waren.
Doch der Streit wird jäh beendet, als durch einen Reiter bekannt wird, dass soeben der Rancher Larry Kinkaid ermordet worden ist.
Die Bürger kochen vor Hass und Wut und stellen sogleich - da der Sheriff nicht da ist - eine Bürgerwehr mit der Unterstützung des Deputys zusammen, mit dem Ziel den/die Mörder zu schnappen und sie der gerechten Strafe zuzuführen. Dabei wird in den Gesprächen schon sehr deutlich, dass kurzer Prozess gemacht werden soll. Vor allem "Majo" Tetley (Frank Conroy) ist einer, der gerne das Gesetz selbst in die Hand nimmt, im Gegensatz zu seinem echer sanften Sohn Gerald (William Eythe), aus dem der Soldat immer noch einen richtigen Mann machen will. Was liegt näher, als diesen zu zwingen, sich der Bürgerwehr anzuschliessen.
Sogar Frauen wie die resolute Jennie Greer (Jane Darwell) schliessen sich der Hatz auf die Mörder begeistert an.
Später in der Nacht, in der Ox-Bow Schlucht, findet die Gruppe drei Männer auf dem Boden schlafend.
Sie haben Rinder des getöteten Ranchers bei sich. Wenn das nicht alles beweist: Die drei Männer werden unsanft geweckt und das Urteil scheint eindeutig, wie die drei Schlingen am Galgenbaum. Der Anführer der drei, ein gewisser Donald Martin (Dana Andrews) beteuert seine Unschuld. Die Tiere wurden rechtmäßig gekauft, er wolle zurück zu seiner Frau und zu seinen kleinen Kindern. Die beiden anderen sind seine Helfer: Der Mexikaner Juan Martínez (Anthony Quinn) spricht kein englisch und der alte Mann Alva (Francis Ford) ist schon etwas senil und wahnhaft. 
Da es besonnene Menschen unter dem Lynchmob gibt, soll mit dem Hängen bis zum Morgengrauen gewartet werden, Zeit noch einige Argumente auszutauschen - Am Ende steht die Abstimmung, gemäss der Mehrheitsentscheidung soll gerichtet werden...

William A. Wellmann war ein guter Westernregisseur, auf sein Konto gehen Klassiker wie "Herrin der toten Stadt" und der leider immer noch nicht auf deutscher DVD erschienene "Karanwane der Frauen".
Sein bedeutendster Genrebeitrag ist aber dieser "Ritt zum Ox-Bow", die tragische Geschichte über den Lynchmob und dessen Dominanz gegenüber der Besonnenheit, der Rechtschaffenheit und nicht zuletzt des Rechts.
Dabei ist es besonders traurig mitanzusehen, dass die 7 Männer, die den drei Cowboys einen fairen Prozess ermöglichen wollen und auch von der Unschuld der drei überzeugt sind, ein Teil der Lynchjustiz sind und sich am Ende der bitteren Geschichte genauso mit dem Geschehenen als Schuldige fühlen.
Mit einer recht kurzen Laufzeit von 77 Minuten beschränkt sich der Film aufs Wesentliche und erzählt seine Geschichte konsequent und bitter. So gelang Wellman 1943 ein echter Westernklassiker, der zu den ganz großen Werken des Genres zählt.


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

Donnerstag, 25. November 2021

Der Stern des Gesetzes (The Tin Star)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Anthony Mann

Der Sheriff und der Kopfgeldjäger

Auch nach der großartigen Zusammenarbeit mit Hauptdarsteller James Stewart drehte Regisseur Anthony Mann hervorragende Western. "Draußen wartet der Tod" (1955) oder "Der Mann aus dem Westen" (1958) sind schnell zu Klassikern geworden, ebenso der 1957 inszenierte "Stern des Gesetzes" mit Henry Fonda in der Hauptrolle als berüchtigter Kopfgeldjäger. Damit nahm er Jahre vor dem Siegeszug des Italo Western dessen grimmigere und viel düstere Antihelden vorweg. Schon in seinem Meisterwerk "Nackte Gewalt" sah man James Stewart wie er seinen Lebensunterhalt damit verdiente, dass er nach berüchtigten Banditen nachjagte, weil ein lukratives Kopfgeld auf den Mann ausgesetzt war - selbstverständlich Tod oder Lebendig.
Auch Morgan Hickman (Henry Fonda) ist so ein gefürchteter und nicht unbedingt gern gesehener Mann als er mit der Leiche eines Banditen in ein kleines Westernstädtchen kommt. Die Bürger sind zwar immer froh, wenn da einer ist, der die Drecksarbeit erledigt - aber in die Gemeinschaft wird ein Mann dieses Berufstandes nicht aufgenommen. Bis die Formalitäten erledigt sind und er abkassieren kann, muss er in der Stadt bleiben, wo der junge und besonnene Ben Owens (Anthony Perkins) Sheriff ist. Immer wieder hat er Probleme sich gegen rüpelhaften und agressiven Bart Bogardus (Neville Brand) durchzusetzen, der ebenfalls gerne Sheriff geworden wäre. Er ist auch ein Cousin des Mannes, den Hickman getötet hat. Hickman bekommt die Ablehnung der Bevölkerung auch schnell zu spüren, weil er kein Quartier im einzigen Hotel der Stadt bekommt. Auch ein Mietsstall für das Pferd gibt es nicht - denn der gehört Bogardus. Der Kopfgeldjäger freundet sich aber in der Stadt mit dem kleinen Halbblut Kip Mayfield (Michel Ray) an, der ihn seiner Mutter Nona (Betsy Palmer) vorstellt. Die Frau wird ebenso verachtet, da sie mit einem Indianer verheiratet war. Die Witwe bietet Hickman an, dass er ein paar Tage im Zimmer des Sohnes schlafen kann. Währenddessen kommt es zum beinahe Duell zwischen Owens und Bogardus, bei dem Hickman den jungen Sheriff unterstützt. Dieser bittet ihn dazubleiben und ihm das Handwerk beizubringen, als er erfährt, dass Hickman auch schon Gesetzeshüter war. Als der im ganzen Ort beliebte Dr. McCord (John McIntire) von den zwei vagabundierenden Brüdern MacGafffey (Peter Baldwin/Lee van Cleef) erschossen wird, spitzt sich die Lage im Westernörtchen dramatisch zu...

Irgendwann erfährt der Zuschauer im Lauf der Handlung Hickmans tragische Geschichte und wie aus einem braven Bürger ein kaltblütiger Killer wurde. Doch er lernt nicht nur dem jungen Sheriff einige Tricks, Schießkünste und Umgang mit Revolverhelden, er selbst macht in der kurzen Zeit in der Stadt einen Lernprozess und wird am Ende nicht mehr derselbe sein wie er war. Eine der besten Szenen ist die als die ganze Stadt frühmorgens auf den Straßen zusammengekommen ist, um den 75. Geburtstag des beliebten Dr. McCord zu feiern. Die Leute singen und von weitem sieht man schon seine Kutsche, das von seinem Pferd gezogen wird. Doch je näher das Gefährt kommt, desto schockierter müssen die Menschen sehen, dass der Doktor nicht mehr am Leben ist. Der Gesang verstummt und dann bricht die Hölle los über der Stadt, ein Lynchmob unter der Regie von Bogardus hat sich gebildet, aber Owens glaubt immer noch daran, dass er die Mörder lebendig fassen kann, damit ihnen ein fairer Prozess gemacht wird. Der junge Anthony Perkins ist Henry Fonda absolut ebenbürtig und gemeinsam agieren sie hervorragend in diesem klasse Westen. Einem der besten der 50er Jahre überhaupt - zum Lohn wurde auch das Originaldrehbuch von Dudly Nichols 1958 für den Oscar nominiert.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.