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Mittwoch, 29. Dezember 2021

Red River - Panik am roten Fluß (Red River)


Regie: Howard Hawks

Von Texas nach Kansas...

Auf Howard Hawks "Red River" lasse ich nichts kommen. Seit Kindheitstagen ist dieser monumentale Western von Howard Hawks einer meiner Lieblingsfilme und ist es bis heute geblieben, selbst wenn er heute etwas altmodisch wirkt.
Hawks erzählt in epischer Breite als psychologischer Western verpackt vom ersten Viehtrieb aus Texas nach Abilene in Kansas. Dort siedelte sich der Viehhändler Joseph McCoy an, der einen Verladebahnhof extra für die herbeigetriebenen Rinderherden einrichtete. Von dort ging es für die Tier per Bahn nach Chicago weiter.
Es ist somit auch eine Geschichte über die ersten Fußstapfen der USA als Industrienation, vom Wilden Westen aus begann die Industrialisierung der Viehwirtschaft. Die Eisenbahn trat ihren Siegeszug als schnelles Fortbewegungsmittel an.
Es ist auch die Geschichte von einzelgängerischen Pionieren wie Tom Dunson (John Wayne), der seinen Platz im Weiten Land sucht und dabei kann er seine große Liebe Fen (Colleen Gray) nicht mitnehmen, er verlässt sie und den Siedlertreck, denn sein Vorhaben ist zu gefährlich für eine Frau an seiner Seite, er will sie aber nachommen lassen, wenn er es zu etwas gebracht hat.
Gemeinsam mit seinem besten Kumpel Groot (Walter Brennan) verlässt er die Siedler und verschwindet in der großen Prärie. Die melancholische, erhabene und dramatische Musik von Dimitri Tiomkin unterstreicht die Vergänglichkeit des Menschen und gleichzeitig die Erhabenheit der Natur.
Einige Stunden später sehen sie Rauch dort aufsteigen, wo der Treck jetzt sein müsste. Drückende Stimmung und Traurigkeit ist das Gefühl, dass die beiden Männer druchleben, vor allem Dunson, denn er weiß, dass seine Fen wohl Opfer kriegerischer Indianer wurden.
Auf ihrem Weg zu brauchbarem und nutzbarem Land lesen sie einen Jungen (Mickey Kuhn) auf, der Matt heisst und den die beiden mitnehmen. Fortan hat Tom einen Ziehsohn.
Als Erwachsener (Montgomery Clift) wird Matt den Viehtreck seines Pflegevaters, der sich gern als Rinderbaron tituliert, begleiten. Die Reise wird beschwerlich werden, in Missouri sollen die 9000 Rinder ankommen, der Weg umfasst ca. 1000 Kilometer durch gefährliches Land.
Mit vielen Männern bricht Tom auf, die Laune seiner Männer steht und fällt mit den Problemen, denen sie sich stellen müssen.
Die Massen von Rinder werden durch gefährliche Flüsse getrieben.
Eines Nachts wird die die gesamte Herde von einer Stampede erfasst und die ersten Opfer unter den Männern sind zu beklagen. Dunson wird immer unerbittlicher und erweist sich als brutaler Schinder. So ist die Meuterei nur noch eine Frage der Zeit. Auf welche Seite stellt sich aber Matt ?


Unvergessene Szenen gibts in "Red River" genügend - im bleibenden Gedächtnis hat sich der Startschuß des Viehtrecks durch die Laute der männer und ihre Gesichter eingerpägt.  Diese Begeisterung für diese Pionierarbeit lässt natürlich sehr bald nach, im Laufe der Geschichte entfaltet sich der Generationskonflikt der beiden Männer. Auf der einen Seite der harte, unnachgibige Dunson, auf der anderen Seite sein liberal und demokratisch denkender Ziehsohn Matt, der von Monty Clift sehr feinfühlig und sensibel gespielt wird. Er wird im Laufe des Films die Bekanntschaft mit einem genauso jungen Cowboy (John Ireland) machen, der irgendwie an ihm interessiert scheint. Und natürlich wartet auch die ideale Frau (Joanne Dru) auf ihn, interessanterweise ist auch sie Teil eines Siedertrecks, genauso wie Dunsons große Liebe, die er in einem magischen Kinobild verlassen musste.  "Red River" ist und bleibt ein überlebensgroßer, legendärer Western, der immer noch den Geist der Pioniere lebendig einfängt.

 

 Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Montag, 13. Dezember 2021

Der Schatz der Sierra Madre (The Treasure of Sierra Madre)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Huston

Gier...

Mexiko 1925: Hier in Tampico hängen viele obdachlose Amerikaner herum, das Szenario im "Schatz der Sierra Madre" erinnert mich immer wieder auch an "Lohn der Angst" von Henri Georges Clouzot, der am Anfang seines Filmes ein ähnliches Stimmungsbild gestrandeter Existenzen in einem fremden Land aufzeichnet.
Der Amerikaner Fred C. Dobbs (Humphrey Bogart) überlebt hier durch Betteleien, er hofft auf Arbeit, was gar nicht so unwahrscheinlich sein dürfte, denn der größte Olhafen der Welt verheißt Beschäftigung, da ein Bohrturm gebaut wird.
Auf einer Parkbank lernt er den ebenfalls mittellosen Bettler und Landsmann Bob Curtin (Tim Holt) kennen.
Gemeinsam lässt sich das Elend besser aushalten, vor allem keimt aber Hoffnung auf, da der Bauunternehmer Pat MacCormick (Barton MacLane) Taglöhner anheuert.
Doch dieser spielt ein falsches Spiel und die beiden Männer müssen ihren Lohn mit den Fäusten erkämpfen. Im Obdachlosenheim lernen sie den alten Goldgräber Howard (Walter Huston) kennen.
Dieser schwärmt unentwegt von einer mexikanischen Goldader, warnt aber gleichzeitig durch viel Erfahrung über die zerstörerischen Folgen der Goldgier. Mit dem Lohn und der Auszahlung eines Losgewinns bringen sich die beiden Männer bei dem sonderbaren Alten ins Spiel. Gemeinsam gehts nun zu Dritt zum Goldsuchen. Mit Packeseln, Werkzeugen und massig Proviant, aber auch mit Waffen, mache sie sich auf in das Gebiet, in dem die Goldader liegen soll. Doch diese einsame Gegend, wo lediglich Indios wohnen, wid auch von herziehenden Banditen beherrscht. Am Anfang ist noch alles harmonisch, auf diesem Gebirgszug der Sierra Madre, doch als die Männer tatsächlich Gold finden, bewahrheitet sich die Warnung von Howard...


John Huston drehte "Der Schatz der Sierra Madre",  diesen grandiosen Klassiker im Jahr 1948. Der Film wurde mit 3 Oscars belohnt, die allesamt in der Familie blieben: John Huston gewann zwei Trophäen als bester Regiesseur und auch als bester Drehbuchautor, sein Vater Walter wurde als bester Nebendarsteller völlig zu Recht geehrt.
Der Film behandelt Themen wie Kameradschaft, Zusammenhalt, aber auch Gier und vor allem das große Scheitern.
Die Szene, in dem der mühevoll gesammelte Goldstaub vom starken Nordwind wieder in alle Richtungen verstreut wird, weil die Banditen den Inhalt dieser vielen Säcke für Sand halten, ist bis heute unvergessen und eine der großen Szenen der Filmgeschichte.
Ein nie alternder Klassiker. 

Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Sonntag, 28. November 2021

Bis zum letzten Mann (Fort Apache)


Regie: John Ford

Massaker...

In "Bis zum letzten Mann" geht es um Legendenbildungen, die auf Lügen oder Unwahrheiten basieren. Dies kommt besonders in der Schlusszene zur Geltung, die in der deutschen Fassung (nur 90 Minuten lang und daher in gravierender Weise verstümmelt) leider nicht gezeigt wird. Eine Szene, in der der überforderte Befehlshaber Kavallerieoffizier Owen Thursday (Henry Fonda) als Held der Nation verklärt wird. Dabei wird die bittere Wahrheit verschwiegen, dass dessen fragwürdiger Befehl (Indianer angreifen, obwohl von deren Seite Friede signalisiert wird) vielen Soldaten seiner Kompanie den sinnlosen Heldentod bringt. Dem Verursacher eines widerlichen Massakers wird diese Legendenbildung als tapferer Held angedichtet. John Wayne als Captain Kirby York weiß es besser, aber er hält seinen Mund und bescheinigt seinem verstorbenen Vorgesetzten den Mut großer Helden.
Diese Szene nahm Ford dann einige Jahre später in seinem Alterswerk "Der Mann, der Liberty Valance erschoß" wieder auf. Die so ruhmreiche Nation Amerika schöpft aus Heldengeschichten, die sich in Wahrheit ganz anders zugetragen haben. Aber diese Tatsachen taugen nicht um eine Nation zu stärken. So nimmt John Ford - der große Chronist der amerikanischen Pioniertage - eine kritische Haltung dazu ein. In einem Interview gab er auch mal zu, dass er schon immer auf der Seite der Indianer war - in diesem Film aus dem Jahr 1948 ist das gut zu erkennen und somit war "Bis zum letzten Mann" seiner Zeit voraus, denn erst einige Jahre später sollten weitere Western entstehen, die einen positiven Blick auf die Ureinwohner zuliessen. "Fluch des Blutes" der Noir Western von Anthony Mann etwa oder der berühmte James Stewart Film "Der gebrochene Pfeil" von Delmer Daves.
Die DVD enthält zum Glück auch die amerikanische Originalfassung (mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln) und in dieser Fassung erkennt man auch die Qualitäten dieses Kavalleriewestern als unvergessliches Meisterwerk.
In der einen oder anderen Szene ist der Film natürlich auch patriotisch angehaucht und verklärt das Militär. Kein Wunder, denn für Ford waren das reine Auftragsarbeiten - umso mutiger, dass er im Laufe der Handlung des Films, der im Original "Fort Apache" heißt, einen so kritischen, bitteren und galligen Kommentar zum Militär abgibt.
Die Geschichte spielt kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Obwohl Captain Kirby York (John Wayne) ein guter Mann für den Posten als Befehlshaber des abgelegenen Fort Apache, irgendwo im Südwesten der USA, wäre, wird der Kavallerieoffizier Owen Thursday (Henry Fonda), im Bürgerkrieg zum General aufestiegen und danach zum Oberstleutnant degradiert, für diesen Posten ausgewählt. Thursday fasst diese Entscheidung als Demütigung an und betrachtet diese Aufgabe nur als Zwischenstation für seine hoffentlich weiter fortschreitende Militärkarriere. Aber er weiß auch, dass nur ein prestigeträchtiger Sieg diese Beförderungen Wirklichkeit werden lassen. So könnte er ein Sieg über die Indianerstämme erringen, die sich mehr und mehr kriegerisch geben. Doch der Mann, der mit seiner hübschen Tochter Philadephia (Shirley Temple) im Fort ankommt, versteht es sehr schnell sich durch seine steife und arrogante Art bei den Soldaten unbeliebt zu machen. Er hat trotz Kriegserfahrung wenig Ahnung vom Umgang mit den Indianer, die er für ungebildete Wilde hält und York hält ihn für einen inkompetenten und egozentrischen Besserwisser. Auch die beginnende Liebe seiner Tochter zu Lieutenant Michael O´Rourke (John Agar) ist ihm ein Dorn im Auge, er hält den Mann nicht gut genug für seine Tochter. Schließlich ist dessen Vater (Ward Bond) lediglich ein Sergeant. So sind zukünftig Konfikte zu erwarten. York gelingt es das Vertrauen des Häutpling Cochise (Miguel Inglan) zu gewinnen, der sich bereit erklärt Frieden zu wollen und einem Treffen mit Thursday zustimmt. Dieser ist aber nicht an Frieden interessiert, sondern gefällt sich in der Rolle des unschlagbaren Militärstrategen und lässt die friedliche Situation sinnlos eskalieren. Was folgt ist der Kampf zwischen seinem Bataillon und einer Überzahl von Indianern, die Soldaten werden abgeschlachtet. Nur Thursday und einige seiner Männer überleben das Massaker...

Die Ereignisse in "Fort Apache" sind an die Schlacht am Little Big Horn angelehnt. Strategische Fehleinschätzungen und eine masslose Überheblichkeit des Verantwortlichen General Custer führte zum vernichtenden Schlag und zum Sieg der Rothäute. Dabei führt Thursday auch seinen besten Mann York hinters Licht, den zu ihm hatte Häuptling Cochise Vertrauen.n Ford beleuchtet nicht nur die fragwürdigen Männer, die zu Helden aufgestiegen sind, sondern auch die psychischen Veränderungen, die in den Männern ausgelöst wurde, wenn sie Macht erlangen konnten. Von allen drei Kavalleriefilmen Fords ist "Bis zum letzten Mann"sicherlich der Beste.


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

 

Herrin der toten Stadt (Yellow Sky)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: William A. Wellman

Die Geisterstadt am Rande der Salzwüste...

Sieben Outlaws überfallen die Bank in einer Kleinstadt und flüchten mit dem erbeuteten Geld. Doch sie werden von der Kavallerie verfolgt und einer der Männer stirbt auf seinem Pferd durch einen Kugelhagel.
Die anderen müssen nun durch eine 70 Meilen weite Salzwüste reiten, um dem Gesetz zu entkommen.
Ihr Anführer ist James "Stretch" Dawson (Gregory Peck), aber auch der kalte Dude (Richard Widmark) und der hitzköpfige Lenghty (John Russell) beanspruchen im Geheimen die Chefrolle.
Half Pint (Harry Morgan) ist eher ein Mitläufer, Bull Run (Robert Arthur) der Youngster unter der Bande und Walross (Charles Kemper) nicht nur der Senior sondern auch der Einfältigste.
Er hat seinen Flüssigkeitsbehälter mit Whisky aufgefüllt und versucht nun bei den anderen Männern das rare Wasser zu schnorren, doch jeder braucht es selbst, um in dieser brennenden Wüste zu überleben.
Man sieht immer mehr zu, wie Mann und Pferd immer mehr dem Tod entgegen gehen, alle sind nahe am Verdursten.
Aus ersten Differenzen wurde schon handfester Krach bei dieser unberechenbaren Trockenheit, aber nun sind alle zu schwach.
Doch kurz vor dem Verdursten sehen sie am Rande der Sandwüste eine Stadt. Diese entpuppt sich als Geisterstadt mit Namen "Yellow Sky", dort war mal viel los beim Goldrausch, aber da nichts gefunden wurde, gingen die Menschen nach und nach wieder fort aus dieser Einöde.
Die Männer haben aber Glück, denn es gibt tatsächlich zwei Bewohner hier. Der alte Grandpa (James Barton) mit seiner Enkelin Mike (Anne Baxter), die den Männern ziemlich unfreundlich gesonnen ist.
Verständlich, denn die beiden Einsiedler sind tatsächlich auf eine Goldader gestossen, nun haben sie natürlich sechs Banditen gegen sich - aber auch sechs Männer, die sich von der hübschen, resoluten Frau verrückt machen lassen...


"Herrin der toten Stadt" entstand 1948 und ist einer der drei Weltklassewestern von William A. Wellmann, von denen Koch Media zwei als DVD Veröffentlichung herausgebracht hat. Neben "Herrin der toten Stadt" (auch bekannt als "Nevada") erschien auch "Ritt zum Ox-Bow".
Und vielleicht dürfen wir uns auch irgendwann auf die deutschsprachige DVD der  zwei weiteren besten Wellmann Western "Karawane der Frauen" und "Colorado" freuen, wer weiss.
"Herrin der toten Stadt" ist ein klassischer schwarz-weiss Western, der durchweg einen monumentalen Touch hat und die karge Landschaft gegenüber den kleinen Menschen dominiert.
Bereits im ersten Teil des Films, der die Überquerung der Salzwüste zeigt, ist dies deutlich zu sehen. Man dürstet praktisch mit, so stark sind die Szenen durchkomponiert. Eine Landschaft mit bizarren Felsblöcken, die die Protagonisten praktisch zu Marionetten werden lässt.
Jedes Bild wird zur erfolgreichen Bemühung nach Schönheit, so hat der Edelwestern einen poetischen Glanz, der dann auch den Figuren schlussendlich eine ausserordentliche Kraft gibt.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.